Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

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yoraiisgeKSbe» und redigiert von Pfarrer Detzcl in St. Lhristiiia-Raveiisbnrg.

Verlag des Rottenburger Diözesail-Auilstvereiiis;
Rominifsionsverlcia der Doriifchcn Buchhandlung (Friede. Alber) in Ravensburg.

Or. ii.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für M. 2.— durch die wilrttembergischen, M. 2.20
durch die bayerischen und die Neichspostanstalten, Kronen 2.54 in Oesterreich, FrcS. 3.40 in
der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden auch angenommen von allen Buchhandlungen JQOQ
sowie gegen Einsendung des Betrags direkt von der Dornschen Verlagsbuchhandlung in S O*
Liavensbnrg (Württemberg) zum Preise von M. 2.05 halbjährlich.

Lin Gang durch restaurierte
Kirchen.

Von Pfarrer D e tz e l.

(Fortsetzung.)

21. Dischingen, OA. Neresheim.

Die dem hl. Johannes dein Täufer
geweihte Pfarrkirche zu Dischingen bei
Neresheim wurde in den Jahren 1.769
bis 1771 erbaut. Die alte Pfarrkirche
war zu klein, und es kam deshalb, wie
die Pfarrchronik berichtet, iin Jahre 1765
die geistliche und weltliche Obrigkeit des
Ortes zusammen, um über den Neubau
einer geräumigen Kirche zu beraten. Als
Aushilfskirche sollte während des Neu-
baues das außerhalb deS Marktes Disch-
ingeu, aber ganz in der Nähe gelegene 14 Not-
helferkirchlein benützt werden. Unter An-
wesenheit des Fürsten Alexander Ferd. von
Thnrn und Taxis, des Patrons der Kirche,
wurde im Jahre 1769 der Grundstein gelegt
und in den Jahren 1770 und 1771 unter
Aufsicht des damaligen Hofrats und Amt-
manns Wölfle von dein Baumeister Dossen-
berger der Bau fortgeführt und vollendet.
Noch ehe die Kirche ganz fertig war und
noch nicht einmal die Kirchenstühle anf-
gestellt waren, wurde im April 1770 von
den Jesuiten eine Mission abgehalten.
Die feierliche Einweihung der Kirche aber
wurde erst vom 16. bis 18. Oktober 1785
von dem Augsburger Generalvikar und
Bischof von Pelle Johann Nepomuk Um-
gelter, Freiherrn von Deissenhanseu, unter
dem Pfarrer Simon Heusler vorge-
nommen.

Die Kirche ist im Nokokostil erbaut,
zeigt aber in ihren Ornamenten schon An-

, klänge au den Klassizismus. Der Gruud-
! riß sowohl als der architektonische Auf-
I bau wie auch insbesondere die Innen-
dekoration weisen ans die nahe Kloster-
kirche zu Neresheim und zeigen auf den
ersten Blick, daß wir hier eine Nachahmung
vor uns haben, die allerdings das Ori-
ginal nicht erreichen will, aber immerhin
ein Gotteshaus von stattlichen Dimensionen
und trefflicher Ausführung gibt. Die
Kirche, welche über sechs Staffeln erhöht
mitten im Orte an dein Flüßchen Egan
liegt, hat eine Gesamtlänge von 41 und
eine Breite von 19 Metern; sie ist ein-
schiffig und hat beim dritten Fensterpaar
eine Ausladung, gleichsam ein Transsept
audentend. Die Seitenwände schließen
vor dem Eingänge in den Chor nicht
rechteckig, sondern in einem Viertelkreise
ab, in welchem je ein Seiteualtar gestellt
ist. Der Chor hat eine ganz flachgewölbte
> Kuppel und einen geradlinigen, nur in
den Ecken abgerundeten Abschluß und ist
nördlich an denselben die Sakristei, süd-
lich der Turm angebaut. So gibt denn
die Kirche schon in ihrem Aeußern ein
stattliches, alle Gebäude des ansehnlichen
Marktsteckens hoch überragendes Architektur-
bild und macht namentlich der über
46 Meter hohe Turm durch seine harmo-
nischen Verhältnisse in Form und Farben-
lon einen ganz günstigen Eindruck.

Die Innendekoration ist reich, aber
durchaus nicht überladen, und es muß
gerade als besonderer Vorzug dieser
Rokokokirche bezeichnet werden, daß sie bei
allem Festhalten am Charakter dieses
Stiles gegenüber so vielen andern Gottes-
häusern aus dieser Zeit doch eine edle
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