Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

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wilden Rokoko, sind aber nicht ungewandt
geschnitzt. Kanzel und Beichtstühle sind
ebenfalls renoviert und bei letzteren nament-
lich die fehlenden Teile stilistisch richtig
ergänzt. (Fortsetzung folgt.)

Dienerin der Stigmata des hl. Franz
und ihre bildliche Darstellung.

Vo» Pfr. G. in A.

(Schluß.)

So haben wir in der Brera zil
Mailand ein Bild von Crivelli ge-
funden, das an der Außenseite der Hände
rote Fleischnagelköpfe zeigt — vgl. die
Bemerkung von Thode S. 96 von einem
Erivelli in London. In derselben Samm-
lung zeigt ein Bild von Contignola eben-
solche Fleischnägel, aber insofern falsch,
als sie gleich groß sind an der inneren
und äußeren Fläche der Hände und von
einer repercussio keine C pur sich zeigt.
Auf einem Bilde aber im Konservatoren-
palaft zil Rom von Francesco Francia
finden wir gar den Nagelkopf wie eine
Kirsche von hellroter Farbe auf der Hand-
wnnde aufgesetzt, und zudem ans der Außen-
seite der Hand. In Bologna fanden wir
in der Accademia delle Belle Arti
Nr. 297 ein Franz-Bild von Aspertini
Amico (Anbetung des Kindes), wo Franz
schwarze Male an der Außenseite der
Hände trägt mit repercussio. Endlich
aber ist in Siena im Instituto di Belle
Arti, Saal XV, Nr. 50 ein Bild, das
galiz besonderer Beachtung wert
ist. Es ist ein Brustbild des Heiligen,
der in kräftiger.Körperform mit vollem
Bart und Haar dareinschaut. Auf der
Außenseite der linken Hand zeigt sich
ein länglicher schivarzer Nagel, welcher
derart herausragt und umgebogen ist,
daß er eine förmliche Wölbung bildet, so
daß man mit dein Finger zwischendurch
langen kann (s. oben Bonav. leg. minor).
Als Meister ist angegeben: Strozzi Bar-
tolommeo detto Cappuzzino Genovese
(1581 — 1644). Hiernach wäre die obige
Bemerkung von Thode zu ergänzen.

Int übrigen hat die richtige Darstellung
der Form der Stigmata auch einen apo-
logetischen Wert. Bekanntlich haben
die Gegner die Behauptung aufgestellt,
die Wundmale seien dem Franziskus
künstlich beigebracht worden, oder gar, er

selbst habe es getan, wie Zöckler meint, der
zudem die obige Frage stellt, „warum sucht
er es zu verbergen?", zum deutlichen Be-
weis, daß er Thomas II nicht gekannt
hat, namentlich nicht p. 3, c. 75—78,
ein Passus, der von der Demut des
Heiligen handelt, nicht einmal Bouaventura
XIII, 4 und 5. lieber die Behauptung
von Renan, Hase und Thode, Elias habe
die Male bem toten Franz beigebracht, ist
schon oben gesprochen, und es sei hier
nur beigefügt: hätte auch die Kunst die
Wundmale so gegeben, wie sie wirklich
waren, die Gegner hätten schon bei Auf-
stellung ihrer Hypothesen stutzig werden
müssen. So wahr ist cs, was schoit
Plato sagt! lö^xceAüg Aeyev oö/,iovov
elg civTÖ zovto TiÄ^fz/A.e/ieg, dAAd y.ca
xnxovzi ifinoiel ratg tpvyalg — Pliaed.

Der unrichtige Ausdruck, und hier die
unrichtige bildliche Darstellung, ist nicht
nur an und für sich fehlerhaft, sondern
bringt auch den Seelen falsche Begriffe
bei. Für diejenigen aber, die wissen
wollen, wie Franziskus überhaupt ausge-
sehen habe, dienen zwei Stellen aus den
ältesten Biographien. Die eine Stelle ist
Thomas I, p. i c. 29 (Amoni p. 158)
und lautet: statura mediocris pravitati
vicinior, caput mediocre ac rotundum,
facies utcunque oblonga et protensa,
frons plana et parva, mediocres oculi,
nigri, simplices, fusci capilli, supercilia
recta, nasus aequalis, subtilis, rectus,
aures erectae sed parvae, tempora
plana, dentes coniuncti, aequales et
albi, modica labia et subtilia, barba
nigra, pilis non plene respersa, collum
subtile, liumeri recti, brevia brachia,
tenues manus, digiti longi, ungues
producti, crura subtilia, parvuli pedes,
tenuis cutis, caro paucissima aspera
vestis — facies hilaris, vultus benignus
— —. (Seine Statur war mittelgroß,
eher noch klein; sein Kopf klein und rund,
sein Gesicht oval und etwas vorspringend,
die Stirne glatt und klein, mäßig große
Augen, schwarz, voll Einfalt; seine Haare
dunkel, die Augenbrauen gerade, die Nase
gleichmäßig, feingebildet und gerade; die
Ohren nicht abstehend und klein; die
Schläfe glatt; die Zähne eng aneinander
stehend, gleichmäßig, schön weiß; die
Lippen mäßig groß und feingebildet; der
Bart schwarz, nicht sonderlich dicht; der
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