Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

Seite: 114
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Hals edel, die Schultern geradesteheud;
seine Arme waren fm’j, die Hände zart,
die Finger eher lang, seine Fingernägel
nicht kurz geschnitten; die Beine dünn,
die Füße ganz klein, seine Haut zart (und
wie es I. c. c. IX heißt, zu Lebzeiten
dunkel, nach bcm Hinscheiden in hellem
Weiß erglänzend, so daß, wie oben be-
merkt, die Stigmata schwarzen Steinchen
auf weißem Untergrund verglichen werden
konnten). Endlich war er sehr mager,
ein rauhes Gewand war seine Hülle;
sein Antlitz war stets heiter und sein Ge-
sichtsansdruck voll Gnte.s

S. auch die kürzere Schilderung bei
Detzel, II. Bd. p 349.

Diese eingehende Beschreibung ivird von
Franz selbst wenigstens teilweise bestätigt
(Thomas II, p. I, c. IG und 3. socii
c. XVI), indem er in dein bekannten Ge-
sichte von der Henne und den Ktichleiit
sich selbst mit dieser »gallina parva et
nigra, colutnbae domesticae similis«
(kleinen und schwarzen Henne, ähnlich
einer Haustaube) vergleicht. Diese offen-
bar auf genauem Augenschein beruhende
Beschreibung der äußeren Erscheinung des
Heiligen sollte geeignet gewesen sein, den
Künstlern bezw. Franziskns-Malern älterer
und späterer Zeit Anhaltspunkte zu geben
zu mehr porträtartigen Bildern
des Heiligen: mit welchem Erfolg, lehren
uns Hunderte von Bildern, die beut ge-
gebenen Beschrieb n i ch t entsprechen-.

Au den Bildern der unbefleckten
Empfängnis.

Von Pfarrer Reiter.

Das Geheimnis der unbefleckten Em-
pfängnis Mariä ist voll Lobgesang und
Herrlichkeit, und aller Symbole Symbolik,
und aller Sänger Singen, und . aller
Künstler Ringen ist nicht im stände, uns
die ganze Schönheit desselben zu ent-
hüllen. Allein gelingt es auch nicht, das
Ideal in allein treu wiederzugeben, die
Kunst soll wagen, soviel sie kann, und
dieses Wagen wird immer wieder Zeichen
tun und Bilder schaffen, welche uns mit
neuer Freude und neuer Beivundernng
zu Maria ansblicken lassen. Deswegen 1
sind uns auch die verschiedenen Typen
der Immaculata stets loillkommen, und
deshalb mag es auch gerechtfertigt er-

scheinen, wenit wir, in Ergänzung unseres
früheren Aufsatzes über die Bilder der
unbefleckten Empfängnis, noch einmal einige
Darstellungen derselben besprechen, und
zwar solche, ivelche verhältnismäßig weniger
bekannt sein dürften.

I. Wannenmacher von Tomerdingen
(vgl. „Archiv für christliche Kunst", Jahr-
gang 1900, S. 59) hat im Jahre 1751 die
Wallfahrtskirche Ave Maria bei Deggingen
mit verschiedenen Gemälden geschmückt.
Darunter befinden sich auch solche, welche
die Immaculata verherrlichen sollen. Die-
selben zeigen ganz eigenartige Motive und
sind teilweise von dein Maler selbst er-
funden. Betrachten nur sie nach den Angaben
des von Herrn Kaplaneiverweser H. Neher
herausgegebenen Wallfahrtsbüchleins. Zu-
erst das große Deckengemälde!

Dasselbe stellt das Paradies dar mit
dem Baume der Erbsünde. Die Aepfel
sind lauter Totenköpfe, und alle Tiere
tragen die blutigen Malzeichen des Todes
und der Leiden als Folgen der Erbsünde.
Adam und Eva verlassen traurig das
Paradies. Dagegen sproßt als andere,
bessere Frucht des Baumes Maria her-
vor, nach welcher ihre Eltern Joachim
und Anna voll Sehnsucht die Hände ans-
strecken. Als Ueberschrift ist angebracht
über Maria der Unbefleckten: „5b aeterno
ordinata sum« (Bon Ewigkeit her bin
ich zum Heil gesetzt, Sprichw. 8, 23),
unter Maria steht: »IpZa eonteret caput
tu um« (Sie wird dir den Kopf zertreten,
Gen. 3, 15). Sehr interessant sind die
Medaillonsbilder der genannten Kirche.
Nennen wir einige! Drei Sternkundige
schauen durch ein Fernrohr zur Sonne,
und das Ergebnis ihrer Forschung lautet:
»Absque nota« — Ohne Makel.— Ein
Bild vom Sonnenaufgang trägt die Le-
gende: »kam grandis in ortu« — Schon
großartiginihremAufgang.— Ein lldler über
blitzdurchznckten Gewitterwolken mit der Auf-
schrift : »Infratonat« — Untendonnert's —
kennzeichnet Mariä Erhabenheit über Blitz
und Donner der Erbsünde. Der Schwan
ans dem Wasser mit der Schrift: »Nec
tingor undas = Und doch werde ich von
der Welle nicht benetzt — sagt uns, daß
Maria, obschon im Meere der Erbsünde,
doch nicht naß wird von den Wellen der
Sünde. Sie gleicht einer Muschel, meint
ein anderes Bild, ivelche man sich früher
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