Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 21.1903

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bei Nestaurationsfond durch milde Bei-
träge sich um 4000 M. vergrößert hatte,
mit der Restauration begonnen. Knnst-
uialer H a u s M a r t i u von München über-
nahm um 1500 Bl. die Ausmalung der
Kirche nach den vorgelegten Plänen, Glas-
maler Gua nt aus München die Anferti- ,
gung zweier Glasgemälde im Chor: die
Bekehrung des hl. Paulus und dessen
Predigt auf der Evange-
lien- und Sceuen ans dem
Leben des hl. Markus
auf der Epistelseite um
3000 Mark, Bildhauer
Schnell den neuen Mnt-
tergottes-Altar und Bild-
hauer S ch l a ch t e r den
neuen Magnusaltar um je
2000 M. Schnell lieferte
auch eine neue gotische
Koiumunionbank um 500
Mark, wie er auch dem
Hochaltar um 1500 M.
eine neue Fassung gab,
bei welcher Veranlassung
der bisherige Drehtaber-
nakel durch einen den kirch-
lichen Vorschriften eni-
sprechenden Tabernakel
ersetzt wurde, während
Schlachter um 800 M.
die Statuen der vier Kir-
chenväter in würdiger Auf-
fassung schuf. Vergolder
Schupp von Lindau reno-
vierte die Kanzel um 500
Mark. Eine Hauptsorge
des Pfarrers war, für
den Plafond des Schiffes
ein monumentales Ge-
mälde zn erhalten und
er wandte sich ait den be-
deutendstenHistorienmaler
der Gegenwart, an seinen
Landsmann G e b h a r d F u g e l von Mün-
chen, der um den Preis von nur 3000 M.
ein Werk lieferte, das jetzt unbezahlbar ist
und dessen Schönheit bisher auch nach der
technischen Seite hin in keiner Weise ge-
litten hat. Ueber die Komposition dieses
Gemäldes: die Predigt Petri am Pfingst-
feste spricht sich Füget in einer schriftlichen
Mitteilung also aus:

„Man sieht auf einen großen, freien |

Platz, dicht gedrängt voll Menschen; rechts
erblickt man die Portalseite des Abend-
mahlgebäudes, aus welchem die Apostel
herausgetreten sind. Vorn auf der obersten
Stufe steht Petrus in flammender Rede-
gebärde ; mit den verschiedensten Gefühlen
sitzen oder umstehen die Männer den
Redner.

Jn> Vordergrund fällt das Terrain
ab; Sinsen führen in den
ummauerten Teich, auf
welchen die Bekehrten her-
abströmen, um sich taufen
zu lassen. Im Hinter-
gründe baut sich die Hüu-
sermenge von Jerusalem
auf, welche sich gegen den
Abendhimmel abhebt. Ich
habe mir mit dieser Auf-
fassung eine sehr große
und umfangreiche Aufgabe
gestellt; der interessante
Vorwurf drängt mich aber
dazu; ich möchte das Bild
sowohl was Kostüm als
Architektur betrifft, histo-
risch halten."

Diesem Kunstwerke von
Fugels Meisterhand stehen
würdig zwei Schöpfungen
von Professor G. Busch
aus München zur Seite:
St. Antonius und St.
Aloysius, welche von zwei
Pfarrgenossen ihren Na-
menspatronen gestiftet
wurden. Preis je 600 Al.

Von der ersten Statue,
in Holz und bemalt, konnte
ein hochangesehener Geist-
licher sagen: „hier ist die
Materie vergeistigt" und
ein anderer: „vor diesem
Bilde könnte ich zwei
Stunden betrachten."

St. Antonius (vgl. das Bild oben) ist
als Mann der Aszese und der Betrach-
tung dargestellt; er entbehrt des üblichen
Christuskindes und befremdete anfangs das
Volk, das an die traditionelle Darstellung
gewöhnt ist; aber jetzt hat es die Schön-
heit des Werkes begriffen und das Bild
liebgewonnen.

Kunstschlosser Braun von Ravensburg

St. AntoniuS von Padnn.
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