Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

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lscrcuis^egebcn und redigiert von Pfarrer Dctzel in St. LIiristina-Ravcnsbnrg.

Verlag des Rottenbnrgcr Viozesan-Annstvercins;

Aominiffionsverlaa von Friedrich Alber in Ravensburg.

Crschemt monatlich einmal. Halbjährlich für M. 2.— durch die württembergis.hen, M. 2.20

C durch die bayerischen und die 9!eichspostanstalten, Kronen 2.54 in Oesterreich, Frcs. 3.40 in

der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden auch angenommen von allen Buchhandlungen TQOzL

* * * sowie gegen Einsendung deS Betragt direkt von der Verlagsbuchhandlung Friedrich Alber in S i*

Ravensburg (Württemberg) 5u.1t Preise von M. 2.05 halbjährlich.

Die neue katholische Kirche in
Untertürkheim.

Am 17. November vorigen Jahres wurde
in Untertürkheim vom hochwürdigsten Bi-
schof Dr. u. Keppler die neue katho-
lische Kirche zu Ehren des heiligen Evan-
gelisten Jo Hannes eingeweiht und damit
ein für die Katholiken in U n t e r t ü r k h e i m
nndO b e r t n r kh e i m, W a n g e n »ndH e d e l -
fingen überaus notwendiges Gotteshaus
in der Diaspora seinem Gebrauche über-
geben. Die neue Kirebe ist interessant ihrer
Lage und ihres Stiles wegen. Sie hat
einen freien, herrlichen Platz oberhalb des
Ortes an der Straße von Untertürkheim
nach Fellbach erhalten und schaut weit
hinaus in das von Neben nmkränzte
Neckartal, hinauf nach Obertürkheim und
in die Gegend von Eßlingen und hinab
nach Berg nitb Cannstatt. Die Kirche
wurde im Laufe des vorigen Sommers
von bem Architekten Codes in Stuttgart
erbaut. Wie bei der St. Elisabethenkirche
in Stuttgart, veranlaßten auch hier die
geringen Baumittel 1111b das leicht zu be-
schaffende Material den Baumeister, zur
r0 man i s ch enB a ckst e i n t e ch n i k zu greifen.
Diese Technik, schon von den Römern in
ihren gallischen und germanischen Pro-
vinzen allenthalben, auch in den mit guten
Hausteinen von der Natur gesegneten
Gegenden eingeführt, war dort im frühen
Mittelalter großenteils in Vergessenheit
geraten. Nur in Italien hielt sie sich un-
unterbrochen in Uebnng, besonders auch
in Oberitalien, speziell in der Lombardei,
und wir können hier selbst einen bestimm-
ten Dorfkirchentypns dieser Art in den

Landschaften um die oberitalienischen Seen
erkennen. An diesen lombardischen Ziegel-
und Putzban nun lehnt sich der Bau-
meister der neuen Kirche zu Untertürkheim
an und es zeigt der ganze Plan eine
interessante und geistreiche Um- und Aus-
gestaltung dieses Stiles für unsere Zeit
und für unsere Verhältnisse.

Als eine Eigentümlichkeit und abweichend
von dem obigen Typus erscheint in der
Anßenarchitektnr, d a ß da s Ch 0rre ch teck
in das Schiff eingebaut ist, indem
der äußere Umriß des Schiffquerschnittes sich
auch über das Chorrechteck erstreckt. Dadurch
konnte ein durchlaufender Dachfirst
erstellt und so trotz der bescheidenen Di-
mensionen des Baues doch ein einheitlicher
und größerer Baukörper gewonnen wer-
den. Gerade bei dieser exponierten Lage
der Kirche würde eine Zersplitterung oder
eine auch nur im Aenßern sich geltend
machende Vielteilung des Baues — und
wenn diese sich architektonisch-künstlerisch
auch noch so brillant ausnehmen würde —
nicht gut wirken; der Bau müßte ohne
Kraft und ohne jegliche Wirkung in die
Ferne dastehen nub man würde von der
Talseite aus betrachtet in diesem Neb-
gelände nicht eine Kirche, sondern eher
eine ländliche Villa vermuten. Diese Er-
stellung eines durchlaufenden Firstes hatte
aber noch zur Folge, daß auch der Inn en-
raum des ganzen Chores an
Größe und Einheitlichkeit ge-
wonnen hat. Wie schon der Grundriß der
Kirche (s. Beil. Nr. I) zeigt, hat vom
ganzen Schiff ans das Auge einen freien,
ungehinderten Blick in den weiten Chor
und in die in gleicher Breite sich an-
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