Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

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bangen') jedem Kunstfreund empfohlen werden.
Namentlich wird ein jeder, der gelegentlich selbst
nach Augsburg kommt, »ach dem Studium des
prächtigen Niehlscheu Buches mit ganz anderen
Gefühlen und viel höherem Interesse dnrch die
Kirchen und Straßen und Gäßcheu der alten
August» wandeln.

B. D-

Klassiker der Kunst i» Gesamtausgaben.

Stuttgart und Leipzig, Deutsche Verlags-

austalt. Erster Baud: Raffael. Zweiter

Band: Nembraudt.

Es ist in der Tat staunenswert, welche Fort-
schritte gegenüber der früheren unsere Zeit in
der Popularisierung der Kunst gemacht hat. Nur
einer sehr geringen Schar mit Glück und Geld
gesegneter Äuserwahlter war es damals ver-
gönnt, auf umständlichen Reisen die Klassiker der
bildenden Knust kennen zu lernen, die Masse des
Volkes und der Gebildeten sah sich angewiesen
auf Abbildungen recht zweifelhafter Güte, wie
wir sie heute noch in de» älteren Kunstgeschichten
„bewundern". Und heutet Klingt es nicht wie
eine sthöne Zukunftsmusik, wen» wir davon sprechen,
daß es dem Gebildete)! möglich iverden soll, wie
auf seinem Regal Schillers und Goethes „Ge-
sammelte Werke" stehen, so auch die Werke eines
Raffael, Dürer, Rubens in zuverlässigen, billige»,
gut ausgestatteten Ausgaben zu besitzen? Daß
die Deutsche Aerlagsaustalt es geivagt hat, diesen
schönen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen,
sichert ihr die Anerkennung und den Dank aller
Kunstfreunde. Die beiden ersten Bände der neuen
Publikation bieten die sämtlichen Gemälde
Raffaels in 202 Bildern für 5 Ai., die
Schöpfungen N e m b r a n d t s in 405 Abbildungen
für 8 M. Zivei Fürsten im Reich der Kunst und
doch so sehr Antipoden, daß, wenn wir von den
Werken des einen kommen, wir anfänglich am
anderen kaum mehr Geschmack finden zu können
glauben, bis ivir in das Geheimnis dieser beiden
gewaltigen Künstlerindividualitäteu tiefer ein-
drjngen.

Den Text hat bei beiden Bänden A. Rosen-
berg übernommen, er ist kurz und knapp und
enthält doch alles Notwendige, die Biographie
und den künstlerischen Entwicklungsgang des be-
treffenden Meisters. Die Abbildungen sind gut
gelungen. Die „Klassiker der Kunst" stellen für
jeden Kunstfreund eine unerschöpfliche Quelle
reinsten, edelsten und höchsten Genusses dar, und
werden zumal beut kunstliebenden einsamen Land-
pfarrer, der fernab von Aluseen und Galerien
lebt, bald traute Gesellschafter geworden sein,
deren Umgang er nicht mehr vermissen möchte.
Den weiteren Bänden der hocherfreulichen Publi-
kation sehen ivir mit Spannung entgegen.

Aehnliche hocherfreuliche Bestrebungen, wie die
genannte Verlagsanstalt verfolgt eine neugegrün-
dete „Gesellschaft z u r V e r b r e i t u n g klas-
sischer Kunst" (Berlin, Elßholzstr.k, mit ihrer
von Professor v. Loga veranstalteten „Wand-
1 ch m u ck s a nt m lang v o n Al eisterwerke u
klassischer Kunst".

Die Ausivuhl der Meisterwerke, une sie ein
1 cyon ausgestatteter Katalog uns vor Augen führt,

ist mit viel Geschmack und Sachkenntnis getroffen
worden, besonders wurde darauf geachtet, nur
solche Gemälde in die „Sammlung" aufzunehmeu,
deren dekorative Wirkung sie zum Wandschmuck
geeignet macht. Die christliche Kunst ist sehr
gut vertreten, wir finden Raffaels Sixtma, Cor-
reggios heilige Nacht, NeniS bekannten Christus-
kopf, Blurillos St. Antonius und manche andere.
Die' technische Ausführung verdient das höchste
Lob. Es ist sicher keine Uebertreibung, wenn
wir behaupten, daß diese Blätter das Nobelste,
Gediegenste, Vollendetste darstellen, ,vas ivir von
modernen Reproduktionen kennen. Vor uns liegt
Dürers bekannte „Anbetung der hl. Dreifaltig-
keit", ein Doppelblatt 90XHO Zentimeter groß,
das dem Kardinal Fischer in Köln gewidmet ist
und das in seinem warmen feinen Ton in der
bewunderungswürdigen technischen Durchbildung
uns den geistigen und künstlerischen Gehalt des
Originals unverkürzt genießen läßt. In der Tat,
solch ein Blatt als Wandschmuck beherrscht und
ziert das ganze Zimmer. Die Blätter in ge-
wöhnlicher Größe (78X95 Zentimeter) kosten pro
Stück 10 M., die in Doppelformat 20 M., ein
sehr billiger Preis, wenn ivir bedenken, wie teuer
man bisher mittelmäßige Reproduktionen be-
zahlen mußte. Besonders für die Fälle, ivo z. B.
geistlichen Herren ein Geschenk gemacht werden
I soll, etiva aus Anlaß der Primiz oder des Schei-
dens aus der bisherigen Pfarrei u. s. >v., möchten
wir empfehlend auf die „Waudschmucksaiumlung"
liinweiseu, der „Gesellschaft zur Verbreitung klas-
sischer Kunst" aber wünschen wir für ihre hoch-
erfreuliche Publikation einen vollen Erfolg.

B. !).

DieDarstellu » g des erstenMeii s ch e »-
paares in der bildenden Kunst.
Von I o s e p h K i r ch n e r. Stuttgart. Ver-
lag von F. Enke. Geh. 10 M. 60 Pf.
Gegenüber der so reich ausgebildeten iko-
nographischen Forschung aus dem Gebiete der
Antike ist die ehristliche Ikonographie immer
noch weit zurück, und so ist jede wisseuschaft-
liche Arbeit freudig zu begrüßen, die cs sich
zur Aufgabe macht, der Entwicklung irgend
eines Sujets durch die christliche Kunst all'
der Jahrhunderte nachzugehen. Daß eine
derartige Untersuchung hochinteressant ist, liegt
auf der Hand, cs ergeben sich dabei oft ganz
überraschende Schlaglichter auf die ininere
Geschichte der Menschheit, die ja weit wich-
tiger ist, als ihre äußere. Anderseits ist
die Schwierigkeit ^jeder solchen Arbeit nicht
zu verkennen, sie verlangt mehr, als
z. B. die Durchführung einer Spezialarbeit
über einen einzelnen Künstler, sie erfordert
ein Vertraiitsein mit der gesamten Kunst- und
Kulturgeschichte, einen übersichtlichen Blick,
und nicht zuletzt auch eine Dosis theologischen
Wissens. Das gilt ganz besonders von dem
Gegenstand, den sieh der Verfasser der vorlie-
genden Monographie ausgewählt hat. Un-
zähligemal sind Adam und Eva dargestellt
worden in Plastik und Malerei, au Kirchen
und in Miniaturen, i» allen Arten der re-
prodnzicrenden Künste, dargestellt so jviel-
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