Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

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Nach einer anher gemachten Mitteilung
soll im April 1855 ein altertümlicher
Altar mit einem sehr wertvollen Altar-
gemälde von Hans Schäufelein aus der
Skt. Georgikirche iu Oberdorf, Oberamts
Neresheim, dessen iu den „Denkmalen des
Altertums und der alten Kunst iu Würt-
temberg" S. 152 rühmende Erwähnung
geschieht, nm einen mit dem Kunstwert
desselben außer Verhältnis stehenden Preis
an den Maler »nd Kunsthändler Maurer
in Stuttgart veräußert worden sein, ob-
gleich die protestantische Gemeinde, welcher
die Kirche zugehört, sich gegen die Ver-
äußerung ausgesprochen und zur Ver-
hinderung derselben bei bem gemeinschaft-
lichen Oberamt Schritte getan habe.

Das gemeinschaftliche Amt erhält des-
halb den Auftrag, dieser Sache uuver-
weilt aus den Grund zu sehen und das
Ergebnis seiner Erhebungen in Zeitkürze
anher anznzeigen, dabei auch int Fall des
Zutreffeus obiger Mitteilung die betreffende
Behörde zur strengen Verantwortung zu
ziehen und sich zu äußern, ob und auf
welchem Wege die Wiedererlangung des
Veräußerten für die Gemeinde möglich
sein würde.

Das gemeinschaftliche Oberamt Neres-
heim berichtet mit 22. September 1858:

Der Altar, von welchem in dein hohen
Erlaß vom 13. vorigen Monats die Rede
ist, wurde im April 1855 an den Maler
Maurer in Stuttgart für 100 fl. von
der evangelischen Kirchenpflege in Ober-
dorf verkauft. Einige Angehörige dieser
Gemeinde hatten diese Veräußerung bei
dem gemeinschaftlichen Oberamt auge-
fochten, wurden jedoch abweisend be-
schieden, da das gemeinschaftliche Oberamt
den Verkauf der in Frage stehenden Altar-
bilder weder in formeller noch materieller
Beziehung beanstanden zu sollen glaubte,
sofern diese Bilder nach dem Urteil des
Professors Or. Häßler in Ulm, jetzigen
Konservators für die Denkmale der Kunst
und des Altertums, von einem ganz un-
bedeutenden Künstler herrühreu, von sehr
untergeordnetem Kunstwert und einer
Restauration weder fähig noch wert sind.

Hienach kann wohl von einer Ver-
schleuderung von Kunstschätzeu nicht die
Rede sein, und es wird daher auch von
Einleitung zur Wiedererlangung der ver-

kauften Bilder abzustehen sein, es wäre
denn, daß das Urteil des Professors
Häßler in Ulm auf einem Irrtum be-
ruhen sollte, was kaum auzuuehmen ist.

Jedenfalls wird der Stiftungsbehörde
ein Vorwurf iu dieser Sache nicht zu
machen sein. (Schluß folgt.)

Lin Gang durch restaurierte
Kirchen.

(Fortsetzung.)

23. Die Kapelle zu den 14 hei-
ligen Roth eifern iu Dischingen,
Ober amt Neresheim.

(Bon Pfarrer Hirsch.)

Diese ziemlich geräumige Kapelle erhebt
sich auf einer Anhöhe, an der Straße nach
Ballmertshofen gelegen, im Schatten ge-
waltiger Linden, umgeben von einem 1867
erbauten und 1901 renovierten Kreuzweg.
Laut Pfarrchronik ist dieselbe 1666 von
Wilibald Schenk, Grafen voll Kastel, an
den 1664 Dischingen und Schloß Taxis
übergegangen war, zu Ehren der selig-
sten Jungfrau und der 14 heiligen Not-
helfer erbaut worden. Der fromme Grün-
der der stattlichen Kapelle wollte die Ver-
ehrung der 14 Nothelfer, wie sie um jene
Zeit zu Frankenthal, einem dem Zister-
zienserkloster Langheim im oberen Main-
tale gehörigen Einödhofe, dem berühmten
Wallfahrtsorte, zu bemerken war, auch ins
Egautal verpflanzen. Im Jahre 1706
wurde die Kapelle samt den drei Altären
vom damaligen Weihbischof von Augs-
burg, Freiherrn v. Westernach, eingeweiht;
1758 wurde das Schiff erweitert, der
Turin neil erbaut und mit einer Glocke
versehen. 1892 wurde das Innere der
Kapelle von Kunstmaler H. Siebenrock
stilgemäß renoviert.

Die Kapelle ist im Barockstil erbaut,
einfach in ihrer äußeren Anlage und läßt
von außen betrachtet in keiner Weise
ahnen, welchen Reichtum an Gemälden,
Stuckornamenten, Pilastern lind Statuen
das Innere bem Auge des eintretenden
Beschauers darbietet; es dürften sich auf
dem Laude wenige derartig reich uitb
schön ausgestattete Kapellen finden.

Die drei Altäre zeigen, wie auch die
Stllckornamente, ziemlich wilden Rokoko.
Sie sind grünlich bezw. rötlich marmv-
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