Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

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LrW des Üiottciiliiii'ficr ?iözes»ii-!öerciiiS für rijriiKirijf Kunst.

kserausgegebe» und redigiert von jdforrer Detzel in St. Lliristinn-Rnvcnsbnrg.

Verlag des Rottenbnrger Diözesan-Rnnstvereins;

Aoinniissionsvcrlaa von Friedrich dili'cr in Ravensburg.

Erscheint mmmtlich einmal. Halbjiihrlich fiir M. 2.— durch die wi!rtte»ibcrgischs», M. 2.20
^ durch die bayerischen und die Neichsyostanstnlten, Kronen 2.54 in Oesterreich, FrcS. .^.40 in

A i*ei S" beziehen. Bestellungen ivcrden auch angenommen von allen Buchhandlungen TOO/I

tlU. L« sowie gegen Einsendung des Betrags direkt von der Berlagslnichhnndluug Friedrich Alber in S i *

Ravensburg (Württemberg) zum Preise von M. 2.05 halbjährlich.

verkauf eines altertümlichen Altar-
werkes aus der 3ft. Georgskirche
in Oberdorf, Oberamts veres-
beim, im Fahre H655.

Von Kanzleirat Marqnart in Ludwigsburg.

(Schluß.)

Kunstmaler Maurer in Stuttgart trägt
am 2. Oktober 1858 etwa folgendes vor:

Anfangs des Jahres 1855 erfuhr ich,
das; in Oberdorf, einem Filialort von
Bopsingen, ein altdeutscher Altar, angeb-
lich von Schaufele gemalt, zu verkaufen
sei. Derselbe wäre aber so verdorben, daß
au eine Restauration desselben nimmer
gedacht werden könnte. Ich schrieb des-
halb an den Maler Bolz in Nördlingen,
solchen zu besichtigen, worauf ich von dem-
selben die Antwort erhielt: Die Male-
reien halte er wohl von Schänfele, die
Schnitzwerke seien schlecht und das Ganze
so verdorben, das; es nur Brennholz sei;
ich könne von Kunsthändler Endreß in
München das nämliche erfahren, indem
derselbe von München extra nach Ober-
dorf gereist sei, um diesen Altar zu be-
sehen, das; er aber erklärt habe, daß er
nicht mehr herznstellen und er ihn nicht
für 25 fl. kaufen würde. Gleiches habe
er in Nördlingen gehört, da die Stadt
daselbst eine wertvolle Sammlung altdeut-
scher Gemälde besitzt, so wäre es für Nörd-
lingen von größtem Interesse gewesen,
niesen Altar zu besitzen, als Schänfele von
Nördlingen gebürtig sei. Es habe ein
Sachverständiger von Nördlingen nach Be-
sichtignng fraglichen Altars aber gleich-
falls die Erklärung abgegeben, das; solcher
nicht mehr herznstellen wäre.

Gleicher Ansicht waren Knnstfrennde von
auswärts, worunter ein Kunsthändler ans
Köln.

Im April 1855 faßte ich den Entschluß,
mich selbst an Ort und Stelle zu begeben,
mit zn sehen, ob vielleicht noch etwas zu
retten sei, und wenn auch dieses nicht der
Fall wäre, so sollte mich die Beschauung
des herrlichen Altargemäldes von Friedrich
Herlin 1461 in der Kirche in Bopfingen
für meine Reise entschädigen.

Als ich in Oberdorf eintraf, ließ ich
mir den Altar zeigen; derselbe lag stück-
weise in dem Schnlhans daselbst, das zu
gleicher Zeit Nathans ist, in einem N'eben-
zimmer, worin sich alte Akten befanden;
teils an der Wand gelehnt, teils auf einem
Kasten, tveil offenbar der Nanm sehr be-
engt war. Ein Teil davon war ans der
Bühne, wo sich Reisig und sonstiges
Brennholz befand. Bei der Besichtigung
der einzelnen Teile fand ich das bestätigt,
was mir früher schon über den schlechten
Zustand mitgeteilt wurde. Sobald man
nämlich ein Stück in die Hand nahm,
fielen ganze Stücke Farbe herunter und
hatte sich die Farbe der Malereien in der
Art in die Höhe gehoben, das; bei der
geringsten Berührung derselben Stücke ab-
fielen und waren handgroße Stellen, wo
gar keine Farbe mehr sichtbar, sondern
schon alles hernntergefallen war. Es waren
solche wahrscheinlich durch die Schuljugend
und, wie ich nebenbei gehört, durch Manrer-
gesellen, welche in dem Hause arbeiteten,
arg verstümmelt.

Da der Altar in der Kirche in Ober-
dorf in einem feuchten Lokal stand, in dem
der Fußboden dieser kleinen Kirche viel
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