Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

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niedriger ist als das Terrain außerhalb
derselben, mit wenig Fenstern, wo immer
dumpfe Luft herrschte, so mußte natürlich
dieser Altar mit der Zeit notleiden; als
derselbe dann auf dem Rathaus an einem
sehr trockenen Platz anfbemahrt wurde,
ging das Holz, worauf die Bilder gemalt
sind, wieder ein, es wurde kleiner und
die Folge war, daß die Farbe abspraug,
da solche schon vorher ohne Haltbarkeit
war. Zu diesem kam der Umstand, daß
jeder Beschauer vor mir die Gemälde mit
einem Schwamm naß machte, um solche
zu besichtigen (ohne dies konnte man nicht
sehen, was darauf war) und dadurch hob
sich die Farbe inuner mehr.

Item, dieselben waren so schadhaft, daß
ich nicht wagte, nur den Staub daran zu
entfernen, da schon beim Hin- und Her-
stellen stückweise die Farbe abfiel.

Gleichwohl faßte ich als großer Ver-
ehrer der altdeutschen Kunst den Entschluß,
solche vom gänzlichen llntergang zu retten,
indem ich die Kenntnis und Liebe besitze,
solche Bilder wieder einigermaßen herzu-
stellen, obgleich solches mit unendlichem
Fleiß und Zeitverlust verbunden ist. —

Ich teilte diese meine Ansicht dem Schnlt-
heißenamt Oberdorf inid dem Pfarramt
Bopfingen mit, worauf ein öffentlicher
Verkauf derselben in Gegenwart des Stif-
tnngsrats und Gemeinderats angeordnet
wurde, wobei mir als Meistbietendem der
Altar zugeschlagen wurde. Ich habe schon
damals erklärt, daß, wenn ein anderer
denselben kaufen würde und ließe ihn bei
mir restaurieren, es mir viel lieber wäre,
denn die Restaurationskosten dürften mehr
als 1000 fl. betragen, was sich auch be-
stätigte; denn ich und mein Sohn haben
seit zwei Jahren daran gearbeitet, um in
altertümlicher Weise denselben wieder her-
zustellen. Um ans beut Transport nicht
zu riskieren, daß alles von der Farbe ab-
falle, war ich genötigt, die Malereien
vorher mit Papier zu verkleben auf den
Staub und Schmutz hin; man kann sich
nun einen Begriff machen, mit welcher
Sorgfalt und Mühe, dieses mußte wieder
abgelöst, die erhobenen Stellen wieder
niedergelegt und die schadhaften ergänzt
werden, was nur durch chemische Kunst-
mittel möglich war, da die Farben hinten
ans dem Holz keinen Halt mehr hatten.

Wenn die Gemeinde den Altar den Sommer
1855 noch behalten hätte, so wären die
Farben unfehlbar gänzlich abgefallen, nnd
hat sie ihn noch zu letzter Stunde zn
rechter Zeit verkauft. Ehe derselbe aber
verkauft wurde, war Professor Häßler in
Ulm, derzeitiger Konservator württem-
bergischer Altertümer und Kunstwerke, in
Oberdorf nnd besah diesen Altar, da solcher
ihm selbst zum Kaufe angeboten wurde.
Derselbe schrieb aber an das Pfarramt
Bopfingen, daß dieser Altar in damaligem
Zustand ohne weiteren Kunstwert sei, und
liegt dieser Brief zur Einsicht beim Pfarr-
amt Bopfingen zur Zeit noch vor.

Aus obigem ist zur Genüge zu ersehen,
daß das Pfarramt Bopfingen und der
Genteinderat Oberdorf nicht unüberlegt ge-
handelt haben, wenn dieselben nach jahre-
langem Feilbieten endlich den Altar ver-
kauften.

Nachdem ich den Altar in öffentlichem
Anfstreich gekauft, gezahlt nnd nach Stutt-
gart gesandt hatte, um solchen in Arbeit
zn nehmen, sagte mir eines Tages Pro-
kurator Abel, daß ein Fuhrmann von
Oberdorf bei ihm gewesen sei, der gegen
den Verkauf protestiere.

Prokurator Abel, der selbst eine Samm-
lung altdeutscher Gemälde besitzt, welche
früher sämtliche in Kirchen waren, über-
nahm den Auftrag, gegen den Verkauf
zu protestieren, nnd hatten sich auch gegen
30 Unterschriften dazu gefunden. Die
Klage wurde vor dem K. Oberamtsgericht
Neresheim verhandelt, und was stellte sich
heraus? Es handelte sich nicht sowohl
um die Gemälde von Schäufele, die früher
in gutem Zustand Kunstwert hatten, sondern
vielmehr um das weiße Pferd des Sankt
Georg (das Schimmele, wie man es nannte),
weil der Mann, ein Fuhrmann, Freude
an Pferden hatte und weil solches ver-
silbert war, vermutete, es könnte gar
großen Wert haben.

Dieser Altar ist mit unsäglicher Mühe
nunmehr wieder hergestellt und in einer
württembergischen katholischen Kirche zur
Ehre Gottes wieder plaziert worden. Ob-
gleich nach mehr als zweijähriger Arbeit
von meiner Seite dieser Altar wieder in
Stand gesetzt wurde, so wird gleichwohl
von der Gemeinde, welche ihn kaufte, noch
sehr viel darauf verwendet; denn seit
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