Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

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zwei Monaten wird ununterbrochen an
der Ergänzung der Ornamente und neuen
Vergoldung und Fassung gearbeitet und
durften sich die ganzen vollständigen Kosten
vom Ankauf an ans 2000 fl. belaufe».

Wo wäre jemand gewesen, das daran
zu wagen und wie konnte man daran
denken, daß eine so arme Gemeinde wie
Oberdorf diese Restauration wurde vor-
nehmen lassen?

Weil der Stiftungsrat aussprach, es
sei doch unter der Würde der christlichen
Religion, daß die einzelnen Teile eines
Altars stückweise an Israeliten feilgeboten
iverden (was auch gewiß ganz am Platze
war), wäre eine Untersuchung ein wahres
Vergnügen.

Ich rechne es mir zur Ehre, durch [
meinen eisernen Fleiß und Liebe zur Kunst,
diesen Altar wieder hergestellt und dem
Lande und einer Kirche erhalten zu haben,
und hoffe ich auch deshalb, den Dank
aller Beschützer des Schönen verdient 511
haben.

Nachdem an das K. Ministerium die
Mitteilung gelangt war, daß Bilder von
einein Altar in Oberdorf, OA. Neresheim,
welchen die Denkmale des Altertums und
der alten Kunst int Königreich Württem-
berg, zusammengestellt von dem K. stati-
stisch-topographischen Bureau S. 152 bis
153, erwähnen, für die Kirche in Beuren
bei Jsily bei einem Maler Maurer in
Stuttgart angekauft worden sind, erhielt
das Oberamt Wangen den Auftrag, zu
ermitteln, welcher Preis für dieselben be-
zahlt worden ist und das Ergebnis an-
znzeigen.

PfarrerJäggle in Benren, OA. Wangen,
äußerte sich am 13. Oktober 1858 fol-
gendermaßen :

t. Der Ankauf des Altars geschah nicht !
aus Mitteln öffentlicher Kassen, sondern
rein aus privaten Mitteln. Das gleiche
ist der Fall bei der bereits vorgenommenen
Teilung öes Altars, um zwei Seiten-
altäre mit Flügeln fertigen zu können,
sowie bei der ihrer Vollendung nahen
Restaurierung des einen dieser Flügel-
altäre.

2. Ich habe den Kauf mit Kunstmaler
Maitrer unter der Bedingung abgeschlossen,
daß ich von dem Kaufpreis keinen öffent-
lichen Gebrauch mache, da Maurer selbst

mir und meiner ihm bekannten Pfarrkirche
Rücksicht trug. Ich habe mein Wort dar-
auf gegeben, und verspreche aber jetzt schon,
daß derselbe für iminer meiner Pfarrkirche
verbleiben und nach seinem Wert geliebt
und geschätzt werden soll.

Wenn auch nach dem Akteninhalt bei
dein Verkauf des fraglichen Altars wirk-
lich ein wertvolles Kunstwerk mn einen
verhältnismäßig geringen Preis (100 fl.)
abgegeben worden sein sollte, was nach
den Erhebungen noch dahingestellt bleiben
muß, so trifft den Stiftungsrat in Ober-
dorf jedenfalls deshalb kein Vorwurf, da
derselbe nicht ermangelt hat, vorher den
sachverständigen Rat des Professor Di-.
Häßler einzuholen, der die ganze Geschichte
für einen Plunder erklärte, für den es
gut sei, wenn er fortkomme, falls etwas
über den Holzwert des Altars erlöst iver-
den würde. Ob dieses Urteil richtig ist,
muß dahingestellt bleiben, denn eilt Restan-
rateur derartiger Kttnstwerke, der in der
J Regel für dieselben einen richtigeren Blick
hat als ein Dilettant, würde sich dann
doch nicht dazu verstanden haben, eine
mühevolle Restauration mit bedentendem
Zeit- und dadurch Kostenaufwand daran-
znrücken, wenn, wie Häßler sich in feinem
Schreiben vom 4. Oktober 1851 ansdrückt,
„sämtliche Bilder von einem sehr unter-
geordneten, durchaus handwerksmäßig ar-
beitenden Meister herrühren würden."

Am 0. November 1858 fand das K. Mini-
steriuin zu einer Verfügung keinen Grund,
da der Stiftnngsrat zu dem Verkauf des
Altars erst geschritten ist, nachdein der
Professor Di-. Häßler in Ulm dahin sich
ansgesprochen hatte, daß dem Altar und
insbesondere seinen Bildern ein besonderer
Kunstwert nicht beiznlegeu sei, der Stif-
tnngsrat sonach seinerzeit bei de»t Verkauf
mit aller Vorsicht für die Interessen der
Gemeinde zu Werke gegangen ist.

Sil Gang durch restaurierte
Kirchen.

(Fortsetzung.)

25. Niederwangen, Oberamt
W a n g e n i in A l l g ä n.

Von Pfarrer Münz.

Niederwangen ist ein uralter Ort. Nach
Banmann ivird derselbe mit Wangnn als
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