Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

Seite: 33
DOI Heft: 10.11588/diglit.15937.20
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15937.22
DOI Seite: 10.11588/diglit.15937#0054
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1904/0054
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
33

schon in feinem natürlichen Zustande einen
sehr guten Eindruck.

Der Chor sollte nun reich bemalt
werden. Die Kassette, der der Charakter
als Holzdecke gewahrt wurde, wurde mit
Gold und Intarsien gefaßt; die beiden
größeren tieferliegenden Felder mit auf
Holz gemalten Figuren Herz Jesu und
Herz Mariä geschmückt; die Wölbung mit
hellblauem Grunde nach der Anweisung
des Vorstandes des Diözesanknnst-Vereins,
Herrn Pfarrer Detzel in St. Christina,
mit den 9 Chören der Engel ausgc-
stattet; das Hanptgesims in Weiß und
Gold gefaßt. Die Wände wurden mit
Bildern ans dem Leben des hl. Apostels
Andreas, des Patrons der Kirche, bemalt
und zwar in 3 Darstellungen: Die Be-
rufung, die Verehrung des Kreuzes und
die Kreuzpredigt des Apostels. Die
Figuren der Bilder haben nahezu Lebens-
größe. Die Berufung zeigt vor allein
die erhabene Gestalt des Herrn voll gött-
licher Majestät, dann den hl. Andreas ans
den Knieen mit über der Brust gekreuzten
Armen voll Eifer zum Herrn aufschauend,
während Petrus daneben steht und sinnend
die Augen niederschlägt.

Die Verehrung des Kreuzes zeigt uns
das heilige Kreuz aufgestellt, vor ihm knie:
Andreas und grüßt dasselbe mit aufge-
hobenen Händen und freudestrahlendem
Angesichte, rechts von ihm zwei Häscher
und links auf dem Boden die Stricke,
mit denen er angebunden werden sollte.

Das Hanptbild, die Kreuzpredigt des
Apostels, stellt uns den Apostel am Kreuze er-
höht dar mit himmlisch verklärtem Angesicht,
wie er zu der umstehenden Volksmenge,
alt und jung, redet: ein wunderbar schönes
Bild, ivie ein Kunstkenner meinte. Links
und rechts davon sind die Bilder der
beiden hl. Bischöfe Martinns und Geb-
hardus und links und rechts vom Hoch-
altar die unserer schwäbischen Selige»,
der sel. Elisabeth» von Reute und der
sel. Kreszentia von Kaufbeuren, ange-
bracht.

Sämtliche Bilder bis aus den kleinsten
Engelskopf hat Kunstmaler Schultis in
Freiburg i. Br. gemalt. Der Maler er-
kannte es hiebei sofort als seine Auf-
gabe, hier im Chore in der nächsten Nähe
des Hochaltars nicht bloß technisch und

realistisch richtige, sondern auch fromm
erbauende Bilder zu schaffe». Beides ist
ihm vollauf gelungen. Die Umrahmung
der Bilder, die Dekoration, wurde von
Maler Leonhard Forderkunz in
Jsny sehr schön grau in grau ausge-
führt. Sie wurde grau in grau gehalten,
damit nicht, wie schon das hochwürdigste
Bischöfliche Ordinariat bei der Genehmigung
darauf hinwies, die Bilder durch den
Glanz der Dekoration beeinträchtigt würden.

Die Bilder kosteten zusammen 3000 M.,
die Dekoration 1650 M. Die 5 Fenster
im Chor wurden in Antikglas mit den
Medaillons der 5 Geheimnisse des freuden-
reichen Rosenkranzes nach Prof. Klein
von dem f Glasmaler Geith in München
mit glänzendem Kolorit sehr schön herge-
stellt.

Die 4 Altäre wurden in Gold und
Marmor neu gefaßt. Der Hochaltar er-
hielt als Altarbild eine sprechend ähnliche
Kopie des berühmten Beuroner Krenz-
bildes; der bisherige viel zu große un-
passende Tabernakel wurde durch einen
neuen zum Altar passenden Zopftaber-
nakel ersetzt. Eine heikle Aufgabe, die aber
von der Firma Zeller i» Ellwangen
glänzend gelöst wurde.

Auch der Sebastiansaltar erhielt ein
neues Altarbild, ein Gruppenbild: St.
Sebastian und die beiden ihn losmachenden
Frauen, oben eine Engelschar die Märtprer-
krone darreichend, in plastischer Ausführung
mit herrlichem Kolorit. Beide Altarbilder
sind Werte des obengenannten Kunst-
malers Schultis in Freibnrg i. Br.

Die ganze Restauration des Chores,
innerlich und äußerlich, kam auf ca.
17000 Ac. zu stehen, die größtenteils
durch milde Beiträge der Parochianeu
aufgebracht wurden.

So kann sich auch die Kirche in Rieder-
wangen den in der Diözese restaurierten
Kirchen wohl an die Seite stellen. Als
Beweis hiefür mag das wiederholte llrteil
unseres hochwürdigsten Bischofs, das
Hochderselbe dem Schreiber gegenüber
anssprach, gelten: „Das ist aber schön
geworden!" und wieder: „Sie haben
einen prächtigen Chor." Ein anderer
hochgestellter Geistlicher der Diözese äußerte
sich: „Ich hätte nie geglaubt, daß dieser
loading ...