Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

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ehemals so niedere rauchige Chor so
schön gemacht meiden könnte."

Nachträge zu der Geschichte des Glocken-
gusses

in den 8!ei chsstädten Ulin (Jahrgang 1899,
S. 77—99, 103—106, Jahrgang 1800, S. 6
bis 8, 35—40, Jahrgang 1902, S. 43, Anin. 1),
Eßlingen (Jahrgang 1900, S. 101—107,
Jahrgang 1903, S. 43, Am». 1), Bibern ch
(Jahrgang 1902, S. 43—45), Habt (Jahrgang
1902, S. 45—46), H eilbr0nn (Jahrgang 1902,
S. 55—56), Iteutlingen (Jahrgang 1902,
S. 56—58, 70—71) und N 0 ttweil (Jahrgang
1902, S. 71, 82)
von Theodor S ch ö n.

Zn welcher Blüte in de» schwäbischen Reichs-
städten die Gloctengießerkunst gelangte, ist be-
kannt. Durch Jahrhunderte entflammte die Mehr-
zahl der in den Kirchen des Landes befindlichen
Glocken den Händen der reichsstädtischen Meister.
So kann es denn nicht verwundern, wenn immer
mehr Werke dieser Meister bekannt werden.

Im folgenden seien weitere aufgeführt.

Ul in. Die mittlere Glocke in Thalheim, OA.
Rottenburg, hat die Umschrift: Zu Gottes Lob
macht man mich, valentinus nlgeier goß mich
>602; die dritte in Wurmlingen, OA. Rotten-
burg: valent!» allgeier in Ulm goß mich 1603.

Eßlingen. Die von Bernhard Lnchmann
gegossene Osannaglocke in Heilbronn hat die Um-
schrift: Matheus. Marcus. Lucas. Johannes.
Maria. 8um vaa ex aeie, Uta nuntio: tunera
liere, kesta celebrare, tempus noeuumque se-
dere. Zwei Glocken in Flein, OA. Heilbronn:
Jliesus Naserentts rex jiidaeoruni. Bernhard
L n ch m a » n goß mich, eine mit 1498, die andere
mit 1501, größte Glocke in Untergruppenbach,
OA. Heilbronn: Anna heiß ich, zu unser Frauen
Ehr laut ich, Bernhard Lach m a n n goß mich.
Anno 1504, eine 1801 umgegossene Glücke in der
Kirche zu Horkheim vom Jahre 1508: Bernhard
Lach mann goß mich, die älteste Glocke am
Ehorturm der Stiftskirche in Comburg vom Jahre
1521: Osanna heis ich, in unser Frauen er leit
ich, bernhard Lnchman goß mich. 1. 6. L. I.
(Majuskel): Wan es wart nie so noth. Herr«
St. Nikolaus! uns berot, die größte Glocke in
Gruibingen, OA. Göppingen: Jesus und Maria
und in St. Lux und St. Marcs und St. Jo-
hannes und St. Matthäus. Es goß mich Pant-
lion Holer (Lesefehler für Spdler) zu Eh-
lingen im 15 hundert und 11 Jar.

H e i l b r o n ». Die Stnndeuglocke auf dein
Nathans in Heilbronn hat die Inschrift: Anna
heiß ich, aus dem Feuer floß ich, Bechtold Meslang
goß mich anno 1580. Die zweite Glocke in der
Deutschhofkirche zn Heilbronn hat die Umschrift:
benedicamus patrem et filium meum et super-
exaltemus eum in saecula. 1636. Gegossen von
Arnolt. 1700 goß Rohr in Heilbronn eine
Glocke in Kirchhausen, OA. Heilbronn. Die eine
alle Glocke in Böckingen, OA. Heilbronn, goß
1704 Johann Georg 3! o h r in Heilbronn.

Die große Glocke an der Stadtkirche in Erails-
heim hat die Inschrift:

Ich als die größte von den Glocken,

Die man mit Lust nicht mehr gehert.

Kann als geschmelzt jetzt reiner locken,

Weil das Unreine ist verzehrt.

Markgraf Wilhelm der Friedensreiche
Hat dazumal regiert das Land,

Gott geb ihm Glück, das Unglück weiche,

Und Crailsheim sei in seiner Hand.

Durch das Feuer bin ich geflossen.

Johann Georg 3tohr von Heilbronn
Hat mich gegossen anno 171».

Als Markgraf Albrecht lebt.

Der Donnerschlag mich rührte (anno 1743).
Zu Johann Friedrich(s) Zeit
Ein starken Riß (1681) ich spürte.

Des Fürsten Gnadenhand
Des Kirchspiels mild Gemüth
Setzt mich in bessern Stand.

Gott lohne solche Gilt. Mich. Theod. Seldt.
Alle vier Glocken waren nach einem verheerenden
Blitzschlag 24. Januar 1643 umgegossen worden.
Die zweite hat die Inschrift:

Durch Fürsorg und sehr milde Hand
Hang ich wieder in diesem Band 1643.

Die dritte:

Zu unsers GotteS Ehren leut man mich,

O Mensch zur Andacht schicke dich
anno dom. 1643.

Die vierte:

Wenn dein Klang wird gehört,

Dein Wort und Ehr werd' vermehrt
anno 1643.

Wer die Glocken 1643 umgegossen hat, ist auf
denselben nicht angegeben.

Die zweite Glocke in Obereisesheim, OA. Heil-
bronn, von 1710 hat die Umschrift:

Durch das Feuer floß ich, Johann Daniel
3!ohr in Heilbronn goß mich. I. Z. Z. Ich
rufe mit hellem Schall an diesem Ort — euch
alle zur Buß, Gebet und Gottes reinem Wort.

— Ach, daß ich nicht zum Sturm in Feuer- und
Kriegesuot — gebraucht werden muß, wend ab
der treue Gott. -- Drum seid durch Geistes
Trieb und Folgen mir bereit, — daß ich euch
leiten mög zur ew'gen Seligkeit. Darunter in
einem Kranz ein liegendes Hirschhorn mit vier
Zinken, über diesem ein sechsstrahliger Stern ans
einem Halbmond (Ortswappen). 1714 goß 3to h r
in Heilbronn die am 19. Mai 1899 geschmolzene
Glocke in Abstadt, OA. Heilbron». Die kleinste
Glocke in Neckargartach, OA. Heilbronn, hat die
Umschrift: In Gottes Rainen goß mich I. G. 3! o h r
in Heilbronn 4714. Anno 1695. (Mich hat Herr
Grab hieher verehrt. Zur freyen Gabein Centner
Wertzs. Anno 1714. Der Gemein ihr Lieb zu
Gottes Ehr Mich weiter Trieb auf dritthalb mehr

— Neckargartach. Ortswappen (1 Schlüssel).

Die erste Glocke an der Deutschhofkirche in

Heilbronn hat die Inschrift: sad regimine gra-
tios. C. Speth. istas aedes occupari. Factus
sum velut aes sonans. lntellige clamore mmeiim.
Nocte dieque sono compello et sacra subire
Audior et rarus properat orat adit. Gegossen
1721 von Johann Georg Rohr in Heilbron».

Die eine alte Glocke in Böckingen, OA. Heil-
bron», goß 1766 SamnclMetzger in Heilbronn.

Die größte Glocke in Sontheim, OA. Heil-
bronn, hat die Inschrift: Samuel Metzger, Heil-
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