Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

Seite: 35
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broutieusis, 1769. Öuli Deo gloria, bte bl'itic
in Bonfeld, D51. Heilbronn, mit dem Gemmiugeu-
schen Wappen: Bonfelder Gemeindeglocke, 1779,
— Soli Deo gloria me fecit Samuel Metzger,
Ileilbronnensis, die große Glocke in Großgartach,
OA. Heilbronn, zeigt den hl. Lanrentins mit
Rost und Palme nnd der Inschrift: Anno 1894
(Lesefehler? 1794) auf Kosten der Kommnne
Großgartach gegossen. Soll Deo gloria, Samuel
Mezger me fecit. Die kleinste Glocke in Franken-
bach, OA. Heilbronn, hat die Inschrift: Gegossen
von Karl Hofer in Heilbronn 1839. Im Jahre
1890 bestand wieder in Heilbronn eine Glocken-
gießerei von G. A. Kiesel.') In der Glocken-
halle der Friedenskirche in Heilbronn hängen vier
Glocken, von denen die größte 78 Zentner wiegt;
sie sind auf Ls, C, Es, As gestimmt und haben
folgende Inschriften:

1. Ein' feste Burg ist unser Gott, mit Luthers
Bild. Gegossen von G. A. Kiesel in Heilbronn
1897. Gestiftet uoit der Familie Faißt;

2. Allein Galt in der Höh' sei Ehr;

3. Ach bleib' bei uns Herr Jesu Christ;

4. Es ist noch eine Ruh' vorhanden.

Auch für die Nikolaikirche in Heilbronn goß
Kiesel in Heilbronn 1889 drei Glocken (Stim-
mung f, a, c) mit den Aufschriften:

1. Ehre sei Gott in der Höhe,

2. Und Friede auf Erden,

3. Und den Menschen ein Wohlgefallen.

Kiesel in Heilbronn goß 1900 drei Glocken

für Abstadt, OA. Heilbronn (in lis-clur), mit den
Inschriften:

1. (5—15 Kilogramm schwer) Ehre sei Gott
in der Höhe und Friede auf Erde und den
Menschen ein Wohlgefallen.

2. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in
Trübsal, haltet an am Gebet.

3. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich
itnb seine Güte währet ewiglich.

Die neue 1903 erschienene Oberamtsbeschrei-
bung Heilbronn 112) S. 133 sagt: Ist noch zu
erwähnen die Glockengießerei von G.A. Kiesel,
welche immer mehr Anerkennnng findet.

Reutlingen. In einer Urkunde des Kgl.
Geh. Hans- und Staatsarchivs vom 23. April
1519 wird erwähnt Jos. Egens des Glogken-
gießers seliger Wittib Acker hie zu Reutlingen
in der Wassergassen. Hiernach sind der im Jahr-
gang 189,8 S. 23 genannte Jos. Eger, der
noch 1509 die Glocke ;n Undingen, OA. Dient* ’
lingen, goß und Joseph Eger, der 1505, 1515,
1512, 1527 als Glockengießer sich nachweisen
läßt, zwei verschiedene Personen.

Literatur.

Bericht der Kommission zur Erhal-
tung d e r K u n st d e»k ni ä l e r i m K ö u i g-

') Dürr, Chronik von Heilbronn S. 419.

2) Auf Seite 133, wo der Glockengießerei ge-
dacht wird, nimmt die 1903 erschienene Obcr-
amtsbcschrcibung Heilbronn keinerlei Notiz von
dem im „Archiv für christliche Kunst" 1902, S. 55
bis 56 erschienenen Aufsatz über die Glocken-
gießer in Heilbronn und ignoriert vollständig die
alten Hellbrauner Glockengießer.

reich Sachsen. Tätigkeit in den Jahren
1900, 1901 und 1902. Dresden. Druck
von ($. C. Maiuhold u. Söhne, ,U. Hof-
buchdruckerei.

Diese Kommission trat am 4. Oktober 1891
in Wirksamkeit und entfaltete seitdem eine in
stäteni nnd starkem Wachsen begriffene Tätigkeit.
Sie erhielt mit Beginn des Jahres 1901 eine
Anzahl Vertrauensmänner, welche über Gefähr-
dung von Knnstdenkmälern der Kommission zu
berichten, aber nicht selbst eiuzugreifen hat. Diese
Vertrauensmänner sollen Anzeige machen, wenn
einem Baudenkmal Verfall oder Abbruch droht,
wenn Veränderungen bevorstehen, wenn an oder
in Gebäuden u. dergl. allgemeine oder orts-
geschichtliche Entdeckungen gemacht werden, wenn
Wandgemälde, Inschriften n. s. w. gefunden
iverdeu. Zur Belehrung für das, was zur psleg-
licheu Erhaltung von Kunstdenkmälern zu ge-
schehen hat, ließ die Kommission auch im Jahre
1902 folgende drei kleine, aber praktische Druck-
schriften herausgeben und unter auderm an die
Kirchenvorstände, Altertumsvereine u. s. w. ver-
senden: 1. „Ratschläge für die Pflege kunstgewerb-
licher Altertümer von Holz, Metall, Elfenbein,
Ton, Glas oder Textilstoffeu". 2. „Ratschläge
zur Pflege von Oel- und Temperagemälden".
3. „Ratschläge für die Bewahrung und Erhaltung
von alten Büchern und Eiuzclblätteru". Es sollen
noch solche für Erhaltung und Pflege von alten
Bild- und Bauwerken folgen.

Unter den Berichten hat uns besonders der
über die Fresken in der Nikolauskirche zu Dip-
poldiswalde interessiert, welche in drei
Abbildungen wiedcrgegebeu sind. Sic sollen, wie
der Bericht sagt, aus der ersten Hälfte de?
13. Jahrhunderts stammen und kaum erkennbar
sein. „Der Inhalt der Bilder scheint der Niko-
lauslegeude entnommen zu sein". Das ist in
Bezug auf die erste und zweite Abbildung wirk-
lich so. Die erste Abbildung weist nämlich wohl
auf die Legende hin, nach der ein Konsul drei
unschuldige Jünglinge hinrichten lassen wollte,
die aber durch die Dazwischenkuuft des Heiligen
gerettet ivurden (vergl. Detzel, „Christliche Ikono-
graphie". Freiburg. Herder. Bd. II, S. 550).
Die zweite Abbildung zeigt die bekannte Legende,
nach welcher der Heilige den drei Töchtern eines
Mannes Geld spendete, um sie von schlimmen
Wegen zu retten (I. c. 448). Das dritte Bild
aber gehört nicht der Legende des heiligen Niko-
laus an, sondern stellt dar, wie der auferstandene
Heiland zuerst seiner heiligen Mutter erscheint;
ikouographisch interessant ist hier, daß die heilige
Jungfrau, wie gewöhnlich bei der Darstellung
der Verkündigung geschieht, vor einem Bctpulte
kniet und ein großes aufgeschlagcnes Buch vor
sich hat. Noch sei bemerkt, daß von den Fresken
in O schätz (Bericht S. 74) Abbildung 4 einen
Donator, Abbildung 5 aber wohl den heiligen
Willigis, Erzbischof von Mainz, darstellt; er
trägt, wenn uns die Abbildung nicht täuscht, als
Attribut ein Rad in seiner Rechten.

Detzel.

U e b e r die Bildwerke des Giovanni
Pisano von Max Sauerlandt. Mit
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