Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

Seite: 37
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tjerausgegebe» und redigiert von Pfarrer vetzel in St. Lliristina.Ravensbnrg.

Verlag des Rottenburger DiSzefan-Rnnstvereins;
Rominissionsvcrlaa von Friedrich Alber in Ravensburg.

Or. 5.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für M. 2.— dnrch die wnrttemberqischen, M. 2.20
dnrch die bayerischen und die Neichspostanstalten, Kronen 2.64 in Oesterreich, Frcs. 2.40 in
der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden auch angenommeil von allen Buchhandlungen
sowie gegen Einsendung des Betrags direkt von der Verlagsbuchhandlung Friedrich Alber in
Ravensburg (Wiirttemberg) zuin Preise von M. 2.05 halbjährlich.

1904.

verschiedene Pforten.

Von Pfarrer Reiter.

Sehr wichtige Bauglieder au denKirchen-
gebänden sind die Türen und verdienen
deshalb eine besondere Beachtung. Solche
ist ihnen auch von jeher zn teil geworden,
ivie das die vorhandene Literatur zur
Genüge erkennen läßt. Allein so viel auch
schon über Kirchenportale geschrieben wor-
den sein mag, so glauben wir doch, daß
eine übersichtliche Zusammenstellung der
verschiedenen Namen derselben immer noch
gerechtfertigt sein dürfte. „Wer kennet ihre
Namen?" Freilich begeben wir uns mit
dieser Zusammenstellung auf ein teilweise
unsicheres Gebiet: wir müssen zum voraus
bekennen, daß wir manches Rätsel unge-
löst lassen und statt sicherer Resultate viel-
fach nur Vermutungen bieten können.
Allein wir sind der Ansicht, das; eine Zeit-
schrift nicht allein Abgeschlossenes und
Fertiges bringen müsse, sondern daß die-
selbe auch dann ihren Zwecken diene, wenn
sie zur Forschung und Prüfung anrege.
In gewissem Sinne mochten wir für uns
auch etwas von jener Freiheit in Anspruch
nehmen, welche Horaz den Malern und
Dichtern zngesteht mit den Worten: »Picto-
ribus atque poetis Quodlibet audendi
semper fuit aequa potestas«. Hör. de
arte poetica 9. 10.

In solchem Sinne treten wir an unsere
Aufgabe heran, indem wir verschiedene
Fragen nach den Benennungen derKirchen-
türen in den Kreis unserer Besprechung
einbeziehen.

Man spricht von einem goldenen Tag,
einer goldenen Woche, einem goldenen

Jahr, von einer goldenen Messe, goldenen
Hochzeit, einem goldenen Bistum u. dergl.,
und will im allgemeinen damit die ge-
nannten Zeiten und Sachen vor anderen
auszeichncn. In ähnlicher Weise spricht
man auch von einer goldenen Pforte,
welche durch die Beifügung „golden" von
anderen Pforten ehrenvoll unterschieden
werden soll. Eine solche Pforte hatte ehe-
dem der Tempel zn Jerusalem, bei welcher
der Apostel Petrus den Lahmen heilte und
früher Joachim und Anna nach längerer
Trennung sich begegneten. Diese Begeg-
nung an der goldenen Pforte sieht man
öfters bildlich dargestellt, so z. B. an dein
Münster zn Thann, auf einem Glasgemälde
zu Hohenhaslach im Elsaß, auf einem
Wandgemälde in Zell bei Oberstänfen u. s. w.
(Vergl. auch Detzels Ikonographie Bd. >1,
S. 69 ff.)

Wie indessen beim jüdischen Tempel zn
Jerusalem eine goldene Pforte anzutreffen
war, so begegnen wir später einer solchen
auch in mancher christlichen Kirche. Wir
nennen die goldenen Pforten zn Rom,
Augsburg (schöne Pforte; goldener Saal
imR a t h a u s), Bamberg (goldenePforte —
Fürstenpforte; daneben die Gnaden- und
die Adamspforte), Freiberg in Sachsen,
am Querschiff der Kathedrale von Amiens,
die goldene Pforte der ehemaligen Abtei-
kirche Jaak in Ungarn, und die goldene
Pforte zu Xanten, welche ans dem Kreuz-
gang in die romanische Kirche führte. —
Auch bei einigen Städten treffen wir die
goldene Pforte. Nach Ducange wurden
die Haupttore größerer Städte, durch welche
sich die feierlichen Einzüge vollzogen, golden
genannt (portae aureae dictae in ma-
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