Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

Seite: 84
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F. Liigcm eilt prächtiges Bild daraus zu
machen gewußt (Nr. 709: „Vor der
Messe")- Mehr ein Trachteubild und
doch auch wieder mehr als ein Trachten-
bild ist F. Parczkas „Kirchgang, Ungarn",
9lr. 835. Ei» frisches Stück Volksleben
schildert A. E. Naucheueggcrs „St. Leon-
hards Ritt" (Nr. 1897). In der Technik
wie im künstlerischen Wert sind die ge-
nannten Bilder unter sich sehr verschieden.
Die einen Bravourstücke modernster Anf-
fassung und Ausführung, die andern so
gehalten, ivie gewöhnliche Menschenkinder
die Natur sehen, aber ganz abgesehen
von der Mache sind sie bedeutsam als
Beweis, daß eS in Brüssel, in München
und Budapest noch Künstler gibt, die von
den Hetzern, Fanatikern und Zynikern sich
nicht einreden lassen, daß die Prozessionen
nur anfgefrischtes oder übertünchtesHeiden-
lnm oder Unfug und occasio proxima
für ganz andere Dinge als Akte der
Frömmigkeit seien.

Am ungezwungensten gliedern wir hier
die „Kirchenbibliothek" von M. Schäfer
(Nr. 939) mit ihrem traulichen Raum
und ihren altehrwürdigen Folianten und
Nr. 263: „Orgelchor", Pastell von C. Fehr,
an. Ist es auch ein seit dem Frührot
der Nenaissanre von der Plastik wie von
der Malerei oft behandeltes Thema, so
muß man doch an diesen Knaben, die so
frisch ihr Lied ins Gotteshaus hinein-
singen und so frohgemut ins Leben Hinein-
blicken, seine Freude haben. Liest oder
hört man den Titel „Arme Seelen"
(Nr. 832 von Kornelia Paczka), so wird
man ein religiöses Bild erwarten; die
Künstlerin scheint jedoch die moderne
Frauenfrage darstellen zu wollen. Grup-
pierung, Belenchtnng und die einzelnen
Gestalten sind gelungen.

(Schluß folgt.)

Lin Gang cuu'd) restaurierteAirchen.

Von Pfarrer Detzeb
(Fortsetzung.)

Was die Altäre in unserer restau-
rierten Kirche zu Hörbranz betrifft, so
gehören sie dein Nokokostile an, sind jedoch
in maßvollen und ansprechenden Formen
gebaut und auch so ornamentiert. Der

Hochaltar ist ans Holz und stammt
aus dem aufgehobenen Nonnenkloster zu
St. Anna in Bregenz und wurde im Jahre
1787 angekauft. Er blieb auch in der
vergrößerten Kirche und ist, soweit es
notwendig war, in seiner Vergoldung er-
neuert und in seiner früheren Marmorie-
rnng gereinigt und anfgefrischt worden.
Er hat ein ganz gutes, wertvolles Altar-
bild, welches die heilige Familie, eigentlich
die „heilige Sippe" darstellt: Maria mit
dein Christuskind und dem hl. Joseph,
links St. Anna und Joachim, unten der
hl. Johannes. Ein Monogramin besagt:
»Franc. Ludovicus Herrmann invenit
et pinxit anno 1764.« Es ist eine ganz
bedeutende Komposition mit vorzüglicher
Anordnung der Figuren, unter denen Maria
mit dem Christnskind den Mittelpunkt ein-
nehmen und durch ihre lichten, schönen
Köpfe besonders hervorragen. Oben ist
ein kleineres, ebenfalls gutes Gemälde
von demselben Meister, das den hl. Fran-
ziskus vorstellt. Zn beiden Seiten des
Hochaltarblattes befinden sich die Statuen
der hl. Landgräfin Elisabeth und der
hl. Ursula.

Die S e i t e n a l t ä r e sind ans rötlichenr
und weißgrauemGipSmarmor, von Georg
Gigel, Stnccator von Wessobrunn
in Oberbayern, und staininen aus dem
Jahre l758; aus gleichem Material und
ans gleicher Zeit wie auch von demselben
Meister stammt auch das Antependiunr
des Hochaltars. Diese Seitenaltäre sind
sehr einfach und würdig in ihrem Aufbau,
nicht überladen in ihrer Ornamenlik und
darum für dieses Gotteshaus sehr wirknngs-
voll. Die Hauptaltarblätter aus neuerer
Zeit sind ohne künstlerische Bedeutung, da-
gegen sollen in die oberen Abschlüsse wie-
der die früheren Gemälde, hl. Joseph und
hl. Sebastian, hineinkoinmen, die ebenfalls
von dem obengenannten Herrmaün stam-
men und vorzügliche Kunstwerke sind.

Einen weiteren ausgezeichneten Schmuck
hat die restaurierte Kirche in den neuen
Glnsgemälden erhalten. Schon im
Jahre 1895 erhielt das Langhaus zwei
im Spätstile ansgeführte farbige Fenster,
welche die Darstellungen der Krönung
Mariä und der schmerzhaften Btntter
(Pittä) einerseits und die Heiligen An-
tonius von Padua und Franziskus Sera-
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