Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

Seite: 88
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Klosterkirchen deS vorvorigen Jahrhunderls
sich diesen Schmuck der Fenster nicht ent-
gehen lassen, wenn die Kunst der Glas-
malerei damals in Deutschland größten-
teils nicht verloren gegangen wäre, ge-
wiß würden die herrlichen Stuccaturcn
wenigstens einen Reflex in Silbergelb ans
die großen Fenster geworfen haben, mit
ihre Eintönigkeit und Langweile wenigstens
zu mildern, wenn man damals wie heute
wieder mit der Schmelzmalerei auf große
Tafeln, besonders mit dem Silbergelb,
nmzngehen verstanden hätte.

Wir haben nun in unserer restaurierten
Kirche zu Hörbranz (wie auch in Di-
s eh in gen, ckr. Abb. im „Archiv" 1903
Nr. 12) Beispiele, wie solche Fenster der
Spätstile in der obigen Weise behandelt
anssehen und ivelche Wirkung sie machen.
Die kgl. bnyer. Hosglasmalerei von
Zeltler in München hat in dieser Art
der Ausführung der 12 Apostel in Hör-
branz das richtige getroffen. Die Kirche
ist vollständig hell geblieben, die Glasge-
mälde drängen sich durch ihre Farben-
effekte in keiner Weise auf und widerstreben
auch nicht der Dekorationsweise der Kirche.
Sie sind vielmehr ein weiterer herrlicher
Schmuck des Gotteshauses und stehen na-
mentlich auch mit denschönenDeckengemälden
in bester Harmonie, nne sie sich überhaupt
durch ihre stilistisch korrekte Zeichnung,
ihre lichten, schönen Farbentöne und
ihre treffliche Anordnung dem Ganzen
vorzüglich cinordnen. Wie unsere Ab-
bildungen (s. Beil.) zeigen, wurden je in
einem Fenster zwei Apo>tel in Brustfignren
angebracht und mit in ganz lichten Far-
bentönen, meist Silbergelb, gehaltene»
Umrahmungen umgeben; zu weiterer Be-
lebung des Ganzen ist je einem Apostel
oben ein Pnttenengel beigegeben, der ein
zweites Attribut oder eine Inschrift trägt;
es sind allerliebste Gestalten, die dem
Ganzen mehr Leben und Abwechslung
verleihen. Der Fond der Fenster ist weiß-
liches Kathedralglas mit einem ganz leichten
Stich ins Gelbe; er hat keine farbige
Bordüren und nur oben und unten bilden
Ornamente, Kartuschen u. dgl. in Sil-
bergelb einen passenden Abschluß.

Noch sei des neuen gemalten Chor-
fensters rechts vom Hochaltäre gedacht,
das von derselben Glasmalereianstalt ge-

fertigt „MariäHeimsuchung" darstellt. Hier
durfte sich die Komposition über das ganze
Fenster erstrecken und durften auch kräf-
tigere Farbentöne angewendet werden, um
das zu viel hereinströmende, störende Licht
abznhalten und dem Hochaltar das richtige
Licht vom seitlichen Dekorationsfenster zn-
kommen zn lassen. Wenn hier auch in
der Haltung der hl. Jungfrau der Leb-
haftigkeit des Rokokostiles fast zn viel
Rechnung getragen ist, so ist doch die ganze
Komposition eine durchaus künstlerische;
Figuren wie Ornamente sind mit großer
Gewandtheit gezeichnet und ein herrlicher
Farbenschmelz ergießt sich über das Ganze,
große Schönheit und Innigkeit liegt in
diesen Köpfen, über die man heilige Freude
und Begeisterung über das erhabene Ge-
heimnis ausgegossen sieht.

Schließlich den Kostenpunkt der Re-
stauration anlangend, betrug dieser ea.
18t>00 M., ivovon fast alles durch frei-
willige Beiträge der Pfarrgenossen, durch
Stiftungen, Geschenke u. dgl. aufgebracht
wurde. Sie verteilen sich: auf die Fenster
ca. 6000 M., ans die bildliche Ausmalung
der Decke 5700 M., dekorative Ausmalung
samt Restauration der Altäre ca. 5000 M.
Der Pfarrherr der Kirche, A n t o n Bi ck e l,
der von seinem Bischöfe neulich auf die
Stadtpfarrei Bludeuz berufen wurde,
hat durch die Restauration dieser Kirche
wie der christlichen Kunst so auch seiner
bisherigen Gemeinde einen großen Dienst
erwiesen und diese zn bleibendem Danke
verpflichtet. (Forts, folgt.)

Das Rationale in der abendländischen
Kirche.

Von Beda K l e i » s ch m i d t O. F. M. in
Amaseno (Italien).

(Schlich.)

Das Archiv der Krakauer Kathedrale enthält
bezüglich der Konzession lein Dokument, nur im
Pontificnle ist zu der Oration ein Verweis auf
ein apostolisches Dekret aus dein Jahre 173»
.gemacht.')

So ist es eine bemerkenswerte Reihe von
ehrwürdigen Monumente», welche uns von dem
Gebrauche des Rationale durch manches Jahr-
hundert erzählen. Es dürfte wohl ohne Analogon
dastehen, das; die Bischöfe einer Diözese sich so

') Für Angaben über das Krakauer Nationale
bin ich Herrn Kanonikus Bandursti in Krakau
zum Dank verpflichtet.
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