Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

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schon erwähnter 63. Brief. Von griechischer
Seite spricht der erste christliche Katechet
Cyrill von Jerusalem in seinen Unter-
weisungen von den Symbolen, ebenso der
nlexandrinische Vorsteher Didymos der
Blinde, welcher allerdings wohl von Cyrill
wie Ambrosius in diesen Stücken abhängig
ist. Ans diesen Gliedern ließe sich wohl
vollständig die Anzahl der Lektionen wie
die Gebete der Taufwafserweihe wieder
Herstellen, was noch weiterer wissenschaft-
licher Forschung Vorbehalten ist. Ich stelle
hier vorläufig ans den drei lateinischen
Quellen die Tanfsymbole zusammen. Neben
der Jordantaufe (Ambr. de inyst. V 26
und 27) werden erwähnt: 1. die Welt-
schvpfnng (Tertullian de bapl. c. 4,
Ambr. de myst. 3, 9). 2. die Sintflut,
Noe in der Arche (Tert. bapl c. 8; Ambr.
de myst. 4, de Spir. s. I 6, 23 und
I 9, 107, Cyprian ep. 63, Cyrill Hieros.
cat. XVII 10). 3. Der Durchzug der
Israeliten durch das rote Meer (Tert.
bapl. e. 9, Ambr. de myst. 6; de
Spir. s. III 4, 20—21 ; de sacr. I 4,
12; Athan. ad. Serap. I 12). 4. Moses
versüßt das Wasser des Flusses Merrha
(Exod. 15, 23 bei Tert. bapl. c. 9;
Ambr. de myst. III 3, 15, 9, 51; de
sacr. II 4, 12). 5. Das Quellwunder

des Moses (ebenda). 6. Die Susanna
im Garten badend (Daniel 13, 15 f.
Hippolytos de Susanna; Cyrill). 7. Die
Heilung des Aussätzigen Syrers Naaman
(4 Reg. 5,1; de myst. 4; de sacr.

I 3, 9 und I 5, 13 ff.). 8. Die Heilung
des Gichtbrüchigeu (Tert. bapl. 5; Ambr.
de myst. 4—5, de sacr. II 2, 3 und

II 3, 9); Didymos (Migne P. gr. 39,

521). 9. Der hl. Cyprian (ep. 63) fügt

bei die Unterredung Christi mit der
Samariterin am Jakobsbruunen.

Aus dieser Reihe fehlt in Darstel-
l u u g e n das erste Symbol, trotzdem es sich
nicht schwer hätte darstellen lassen und als
Taufsymbol sehr geeignet gewesen wäre,
hätte der Künstler den Mouient ins Auge
gefaßt: Der Geist Gottes schwebte über
den Gewässern, wie Ambr. de myst. 3,
9 so anschaulich schildert.

Das zweite Symbol, Noe in der
Arche, hat Wilpert nicht unter die Tanf-
sinubilder aufgenommen, trotzdem diese
Darstellung als solches sehr gut bezeugt

ist. „In der Grabessymbolik hatte Noe
nur eine Bedeutung ...., er versinnbildet
die Seele des Verstorbenen, welche Gott
in den eivigen Frieden aufnehmen, vor
dein ewigen Tode bewahren sollte, wie
er Noe aus der Sündflut gerettet hat."
Von dieser Scene, welche der hl. Am-
brosius in seiner Kirche zu Mailand malen
ließ, finden sich 32 Gemälde in de» Kata-
komben, auch mehrere auf Sarkophagen
zu Rom, zu Mailand, Verona, Arles;
ans Grabsteinen, auf Lampen und auf
einem Goldglase. Hier kommen nur die
acht ältesten Darstellungen in den Kata-
komben ans dem 1. bis 3. Jahrhundert
in betracht. Kein einziges dieser Bilder
trägt ein Merkzeichen an sich, das nur
eine sepulkrale Auffassung erlauben würde.
Die Zeichnung, auf welcher Noe manchmal
die Hände nach dem Oelzweig der Taube
ausstreckt, ist hiefür nicht bestimmend. Der
Künstler wollte eben die biblische Scene
zum Ausdruck bringen. Da aber jne
literarischen Quellen die Arche als das
Schiff der Kirche symbolisieren, und den
Noe als den Menschen, welcher durch das
Wasser aus der geistigen Sintflut, der
Erbsünde, befreit wird, ist hierin eine Be-
ziehung auf jenes notwendigste Sakrament
nicht ansgeschlossen, welches die Vorbe-
dingung für die pax post victoriam ist.

Die drei folgenden Symbole, der Durch-
zug der Israeliten durch das rote Meer,
Moses das Bitterwasser des Flusses Merrha
versüßend und Moses Wasser aus dem
Felsen schlagend, werden meistens literarisch
zusammengestellt, wie die Cypriangebete be-
zeugen: „Du hast die Israeliten mit
Moses hindurchgehen lassen und ihnen
die Taufe geboten; du bist es, der
dem Felsen gebot, Wasser hervorsprudeln
zu lassen und der das Bitterwasser süß
machte." In der darstellenden Kunst haben
alle drei Stücke gemeinsame Punkte:
Moses mit dein Stab, wie Ambrosius de
mysterüs 3, 14 und 9, 51, de sacram.
II 4, 12 bei jedem dieser drei Wunder
sagt: tenebat (misst) Moyses lignum
in aquam (in kontern), und fließendes
Wasser, das allerdings beim Quellwunder
von oben herunter fließt.

Der Durchzug der Israeliten
durch das rote Meer scheint in der Malerei
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