Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

Seite: 112
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Reliquien des hl. Moximin nls in einem
Altäre der Abtei Pfävers eingeschlossen
aufgeführt. Im Jahre 1386 wird ein
Altar im Münster zu Konstanz erwähnt,
welcher Reliquien von Magdalena, Martha,
Lazarus und Maximin enthielt. Ebenso
barg nach Ortliebs Chronik der Hnnvt-
altar in Zwiefalten Maximinreliqnien
(Vermittlung der Pfnllinger, welche mit
Zwiefalten in Verbindung standen?).

Als Kirchenpatron trafen mir den hl.
Maximin in Riederehnheim im Elsaß.
S. Maximin-Stadt in der Provence.
Kehren wir nach dieser Abschweifung —
welche uns zu gute gehalten werden mag
mit Rücksicht auf das Interesse, das die
Kapelle zu Belsen beansprucht — wieder
zu den Zeichen oder Bildern des Zodiakus
zurück. Es ist fraglich, ob Mone mit
seiner Erklärung das Nichtige getroffen
hat, allein dieselbe ist überaus beachtens-
wert und würde an Bedeutung entschieden
gewinnen, wenn einmal festgestellt werden
könnte, daß auch noch an anderen Ge-
bäuden einzelne Zeichen des Tierkreises
kalendarische Bedeutung haben und zur
Bestimmung der Zeit dienen sollten.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurde
der Zodiakus vielfach mit der Chiro-
mantie oder Handwahrsagekunst in Ver-
bindung gebracht.

Wenn derselbe den Rand der Einfassung
der Tonanquellezu Donaneschingen schmückt,
so mögen die Zeichen Wassermann, Krebs
oder Fische zu solcher Ausschmückung des
Kreises Anlaß gegeben haben. Oder soll
etwa der Zodiakus die Donau nls Welt-
slrom charakterisieren, ähnlich wie die
prächtige Marmorgruppe, um die Vaar
der Donau, ihrer jungen Tochter, den
Weg in die Ferne deutet?

Zum Schluß sei noch hervorgehobe»,
daß auf Kalendern ans der neueren Zeit
bisweilen.auch besondere Darstellungen der
Tierkreisbilder zu sehen sind, vgl. den
Cäcilienkalcnder von 1881 und den Glück-
radskalender von 1901.

Literatur.

Denkmäler griechischer und römi-
scher Skulptur, herausgegebeu von
A. Furtwäuglcr und H. Urlichs,

Handausgabe. Zweite, vermehrte Auflage
mit 101 Abbildungen. München, F. Bruck-
mann. 4 M. 50 Pf.

Ich weis; nicht, ist es Anderen anders gegangen,
aber mir hat sich das eigentliche Verständnis
gerade der Antike am spätesten erschlossen. Wenn
heutzutage jedermann beiin Anblick eines antiken
Kunstwerkes sogleich in eine Ekstase von Bewun-
derung geraten zu müssen glaubt, so ist das tu
sehr vielen Fällen ein Stück innerer Unwahrhaf-
tigkeit. Als „Gebildeter" m u s; man eben fürs
Klassische „schwärmen". Tatsächlich aber ist die
stille, abgeklärte Schönheit altklassischer Bildwerke
dein Auge selbst der meisten wirklich Gebildeten
unserer Zeit verschlossen, und es bedarf eines
geschulten Auges und eines liebevollen Sich-
vcrsenkens will man zu einem wirklich selbstän-
digen Genuß antiker bildender Kunst gelangen.
Wer ehrlich genug ist, sich zu gestehen, daß ihm
das letztere bisher noch nicht gelungen, der mag
nach deiii in zweiter, verbesserter Auflage vor-
liegenden Werk von Furtwängler-Urlichs greifen.
Dasselbe bietet eine voll und ganz auf der Höhe
der gegenivärtigen Forschung stehende Geschichte
der griechischen und römischen Kunst, deren Ent-
wicklungsgang an der Hand der dnrgcstelltcn
Bildwerke verfolgt wird. Vor allem aber finden
wir eine ungemein feine Analyse des künstleri-
schen Gehaltes jedes einzeltien abgebildeten Werkes
und lernen es so mit ganz andern Augen be-
trachten. Text wie die trefflichen Abbildungen
sind derart, daß das Buch jedermann in die Hand
gegeben werden kann. Tatsächlich wünschen wir
es auch in die Hände der studierenden Jugend,
ivie überhaupt aller derer, die in die Herrlichkeit
namentlich a l t g r i e ch i s ch e r Kunst einen tieferen
Blick tun und sich an deni köstlichen Hauch ewiger
Jugend, der uns daraus entgegenweht, erfrischen
möchten. Auch in die Hände aller Freunde christ-
licher Kunst, — sie werden daraus die letztere
nur umso besser verstehen und — schätzen lernen.
B. D.

Annoncen.

In der Hrrdrrschrn Vrrlugshaudlnng
zu Irriburg im Brrisgun ist soeben er-
schienen und kann durch alle Buchhandlungen
bezogen werden:

Nie Bilderteppiche mtb
Viicheremt

in der städtischen Altertümersammlüng zu
Freiburg im Breisgau.

Non Konservator
Dr. Hermann Lchweitzer.

4° (II und 32; mit 2 Tafeln) M. 2.50.
(Sonderabdruck aus der Zeitschrift des Breis-
gauvereins Schauinsland zu Freiburg nn
Breisgau, „Schauinsland" XXXI. Jahrlnuf,
1904.)

Stuttgart, Truck dcr Akt.-Ges. „Deutsches PolkSblatt".
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