Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

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Ku»stwevkeil nicht darauf an, was ich dar-
stelle, wenn ich nur mit Originalität und
künstlerischer Kraft die äußere Erscheinung
der Natur wiedergebe. Das Inhalt-
liche kanli den Beschauer von der
B e t r a ch t u u g des r e i n M a l e r i s ch e il
nur abziehen, in dem wahren Kunst-
genuß nur stören. Ebenso lenkt das
gegenständlich Schöne ab und
unter Umständen ist das gegen-
ständlich Häßliche vorzuziehen."
Das ist freilich die Sozialdemokratie
auch in der Kunst. Ganz entgegenge-
setzt lautet Göthes Urteil: „Was ist

wichtiger als die Gegenstände niid was
ist die ganze Kunstlehre ohne sie! Alles
Talent ist verschwendet, wenn der Gegen-
stand nichts taugt. Und eben weil dein
neueren Künstler die würdigen
G e gen stän d e fehlen, so hapert es
auch so' init aller Kunst der neu-
eren Zeit." Die mittelalterliche Ma-
lerei hat ihre Gegenstände aus dem
Höchsten und Größten genommen, ans
der Religion, darum ist sie so groß ge-
worden ; die neuere Malerei ist vielfach
so klein, öde und geistesarm geworden,
weil sie das Religiöse ignoriert und ver-
achtet. Prof. Roeber wird Recht behalten
mit seinen Worten, die er bei Eröffnung
der Düsseldorfer Ausstellung 1902 ge-
sprochen : „Fehlt dem Meister Herz ltnb
Gemüt, Glaube und Begeisterung für Gott,
dann mag er Schaustücke und Dekorationen
für Theater vollenden, Natnrstudien liefern,
Landschaften und Tiere malen, die in
Zeichnung und Farbengebung die beste
noch zu erfindende Farbenphotographie
übertreffen. Er wird sich Verdienste er-
werben durch Förderung der Technik, wert-
voll sein für bessere künstlerische Kenntnis
und Erfassung der Natur, aber der E i n-
tritt in das eigentliche Heiligtum
der K n it ft bleibt i h in v o r e n t h a l-
t en. Nach einigen Jahrzehnten ist er
überholt, veraltet und der Vergessenheit
überliefert." Dies wird das Schicksal eines
großen Teils der neueren Kunst sein.

Tattsdarstellungen und -Symbole der
alten Rirche.

Von Dr. Theodor Schermann.

(Schluß.)

Das sechste Taufsymbol: Dic.Hei-
l n n g des a u s s ä tz i g e n S y r e r s N a a-1

man. (IV Reg. 5, 10) ist wohl in der
christlichen Kunst auch unbekannt. Die
Symbolik liegt in den Worten des Pro-
pheten Elisäns, welche er zu dem König
Naaman spricht: „Geh' hin und wasche

dich siebenmal im Jordan, und dein Fleisch
wird gesund werden."

Ein weiteres Symbol, genommen ans
Dan. 13,15, die Susann ascene, erklärt
Hippolylos in der Schrift, welche diesem
Vorbild der Jungfräulichkeit gewidmet ist
dermaßen, daß er in dem von den Greisen
znm Ueberfallen Snsannas abgewarteten
Tag ein Bild des christlichen Osterfestes
sieht, „an welchem den Verlangenden im
Garten das Bad bereitet und die sich
waschende Snsanna als reine Braut Gott
dargestellt wird". Eine zweite Bedeutung
legt Hippolytos selbst dieser Scene bei,
wenn er darin ein Bild der ungerecht
verfolgten, aber von Gott vor dem Unter-
gang bewahrten Kirche sieht und die beiden
Greise als Symbol der beiden die Kirche
verfolgenden Völker, der Heiden .und der
Inden, betrachtet. Beide .jetzt genannten
Deutungen lehnt jedoch Wilpert ab, wo
das Bild als Grabesschmnck anstritt und
läßt allein die Erklärung gelten, welche
darin die aus den Nachstellungen des
Satans gerettete Seele des Verstorbenen
erblickt.

Von neutestamentlichen Symbolen nimmt
die Heilung des Gicht brüchigen
am Schnfteiche die erste Stellung ein,
trotzdem nach dein Bericht des hl. Johannes
(5, 1 ff.) daran nur die Wunderkraft
Christi zn ersehen ist. Denn der Gicht-
brüchige steigt ja nicht ins Wasser, da er
niemand hat, der ihn in den Teich brächte,
wenn das Wasser in Wallung kommt.
Einzig durch das Wort des Herrn: Steh'
ans, nimm dein Bett und wandte, wird
der Kranke gesund. Die Heilung der
übrigen Kranken ließe ein tertium com-
parationis zur heiligen Taufe zn, welches
die Heilung durch Wasser darstellt. Wenn
wir die Gesundung des Gichtbrüchigen
als Symbol der Taufe anffassen wollen,
müssen wir uns der Führung rind Er-
klärung Tertnllians (de bapt. c. 5) über-
lassen, welche in dem Engel unb der Wal-
lung des Wassers den Vergleichungspunkt
sich erwählt, da der heilige Geist bei der
Uebergießung ves Wassers seine Tätigkeit
ansübt. Tertnllian und die Künstler be-
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