Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 22.1904

Seite: 124
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Zeiten wird mit großer Liebe und wissen-
schaftlicher Sachlichkeit berücksichtigt.
Vergegenwärtigen wir uns', was das
besagt. Die alten Aegypter und die
Werke der Assyrer nach dem Stand der
neuesten Ausgrabungen und Forschungen,
die mexikanischen, hebräischen, indischen
und chinesischen Bauten, wie vor allem
in breitester Darstellung die glänzenden
Zeiten der klassischen Kunst der Griechen
und Römer, sind vorgeführt. Dann die
feierlichen Mosaiks der altchristlichen Kunst
und die Malereien der Katakomben. Es
werden behandelt die Kunst des Islam,
die Moscheen und Kalifengräber samt den
Resten der maurischen Kunst in Spanien
in ihrer wnnderbaren, phantastischen Pracht.
Altnordische und karolingische Kunstreste
kommen an die Reihe, begleitet von jenen
steifen, bildlichen Darstellungen biblischer
Personen und Vorgänge. Wir sehen die
wuchtigen Knnstdenkmale der romanischen
Epoche, die Zeit der Gotik, welche durch
charakteristische Abbildungen in ihren
schönsten Werken beut Kunstfreund vorge-
führt wird. Es ersteht vor uns die goldne
Zeit der Renaissance, das Wiedererwachen
der Persönlichkeit. Der Stoff ist ge-
gliedert in die Architektur der Renaissance
in Italien, Frankreich, Spanien und Por-
tugal, England, den Nordländern, Däne-
mark und Skandinavien, in Deutschland
und den östlichen Ländern. Diesen Ab-
schnitten folgt die Darstellung der Bildnerei
und Malerei Italiens im 15. und 16. Jahr-
hundert. Wir lernen die Werke eines
Michelangelo, Raffael, Lionardo, Tizian
kennen, wie die bildende Knust außerhalb
Italiens, vor allem unsere großen Deutschen
Dürer und Holbein.

Diesen gloriosen Zeiten folgt als Nach-
blüte der Barock. Bei dem Kunstschaffen
des Bernini, Rembrandt, Rubens, Mnrillo
und Velasqnez zeigt uns der Verfasser,
wie diese Zeit mit der voranfgegangenen
rivalisiert. Er leitet dann, unterstützt
durch instruktive Abbildungen, über zil der
heiteren Ausdrucksweise des Rokoko, das
mit seinen geistreichen Pikanterieu so recht
den Geist der Zeit wiederspiegelt und in
seinen graziösen Formen hauptsächlich
im Dienst des Knnstgewerbes und beim
Schmuck der Schlösser zum Ausdruck ge-
langt.

Der letzte, fünfte Band, „Die Kunst
des 19. Jahrhunderts", bearbeitet von
Privatdozent Dr. Haack, Erlangen, gibt
unter kluger Auswahl aus dein riesigen
Stoff ein beit ersten Bänden sich würdig
anreihendes Bild dieser Zeit. Alle die
vielen Schulen, Techniken und Zeitans-
wüchse kommen in den Abteilungen:
Klassizismus, Romantik, Renaissancismns
und der sogenannte Moderne znm Aus-
druck, wir lernen sie alle kennen, die
Dichter in Licht, Farbe, Erz und Stein
des letzten Jahrhunderts, die Delaroche,
Meissonier, Schwind, Richter, die Düssel-
dorfer Schule in ihrer Glanzzeit, dann
Piloty, Feuerbach, Böcklin, Menzel und
die Künstler der neueren Zeit, „die Mo-
dernen" Milett, Manet, Rops, Segantini,
Israels, Liebermann, Uhde, Stuck, Rodln,
Bartholome u. a. in., nicht zu vergessen
die Meister des Knnstgewerbes Morris,
Crane, Olbrich, Behrens, Pankok n. s. f.

Mit großem Geschick haben die Ver-
fasser das gewaltige Material verwertet
und man hat immer den Eindruck, daß sie in
die Tiefe drangen und des ganzen Stoffes
Meister sind. Ein hoher Vorzug des
ganzen Werkes ist die überquellende Fülle
charakteristischer und technisch wohlge-
lungener Reproduktionen und ein sicheres,
persönliches Urteil, das bescheiden hinter
dem Kunstwerk znrücktritt. Die Künstler
bleiben nicht nur leere Namen, sondern
sie werden lebendig vor uns in dem ganzen
Zauber ihrer Eigenart als Mensch und
Künstler.

Annoncen.

llntfonft und portofrei versenden wir auf
Verlangen:

Kiltlilog 59: Kunst u. Kunstgeschichte.

Illustrierte Werke.

„ 60: Katholische Theologie.

München, Galleriestr. 20.

Süddeutsches Autlyuariat:
Dr. H. Lüneburg.

Hiezu eine Beilage:

Titel und Inhaltsverzeichnis.

Stuttgart, Duchdruckerei der Akt.-Kek. „Deutsche? NolkSblcilt".
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