Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

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wahrt das Nationalmuseum in München
(Katal. Bd. VI. Taf. XII. Fig. 831),
die ans Nürnberg stammt nnd 1,72 Meter
hoch ist. Sie stimmt in der Art der
Haltung und Charakterisierung völlig zur
Darstellung der Holztafelmalerei und zeigt
in der Bemalung auch das blaue Kleid,
die goldenen daran gestreuten Aehren und
ein flammiges Spitzeninuster am Hals.
Sie ist ein besseres Werk eines tüchtigen
Künstlers oberdeutscher Schule.

Dem 16. Jahrhundert, c. 1550, gehört
das Bild in Feldkirchen bei Moos-
bnrg, bayer. Bez.-Amt Wasserburg an
(Kunstdenkmale Bayerns, Taf. 243).

Aus derselben Zeit stammt ein Bild
in der Frauenkirche zu Br ixen, das
in einen Altaraufsatz des 17. Jahrhunderts
eingefügt ist. Es hat unten die Inschrift:
„Abbildung des wundertätigen Bildes der
heiligen Jungfrau Maria zu den Gnaden
im Dome zu Mailand, dargestellt im
Alter vor ihrer Vermählung mit Joseph.
Renoviert im I. 1877." Links steht die
Jahreszahl 1655. Die Gestalt der heiligen
Jungfrau in den aufgelösten Haaren,
betend mit gefalteten Händen, im blauen,
langen, goldährengezierten Kleide, durchs
schmale Band gegürtet, steht auf blumigem
Rasen. Im Grunde der Mandorla, welche
die heilige Jungfrau umgibt, sieht man
eine Menge kleiner Engel, lauter Brust-
fignren. Die Spitzen des Kragens und
der Aermel sind wohl bei der Renovation
aus Unkenntnis in Goldstreifen verändert
worden. Unter den Füßen der Madonna ist
ein Kränzchen von zwölf weißen Rosettchen
angebracht (vgl. das Bild in Budweis).

Am meisten Madonnabilder mit dem
Aehrenkleide, nämlich sechs Stück, gibt es
in der Stadt Salzburg: 1. eines im
Museum, das aus der 1875 demolierten
Chiemseehofkapelle daselbst stammt. Es
hat eine Inschrift, die fast gleich lautet,
wie die in obigem Holzschnitte, nämlich:
„Es ist zu wissen aller Manichleich das
diez pild ist vnfer lieben srawn pild als
sy in dem Tempele waz e sy fand Jose
. . . dy engel vn also ist sy in Lam-
partu in der stat zu Olana vn in stat
zu Mailant"; 2. eines in der Kirche des
Benediktinerstiftes St.Peter'); 3. eines in

') S. Abbildung.

der Franziskanerkirche; 4. eines in der
erzbischöflichen Kapelle, einst dem Stifte
St. Peter gehörig, vom Jahre 1542;
5. eines in dem Benediktinerinnen-Non-
Neustift Nonnberg; es hat das gleiche
Format der übrigen. Die stehend betende
heilige Jungfrau mit beut überaus üppig
herabwallenden Haupthaar ist vor einem
mit dem Granatapfelmnster gezierten Hinter-
grund dargestellt; 6. eines im Loreto-
Frauenkloster; das Gewand hat hier weiße
Farbe und bilden Wolken, Sterne und
Engelsköpfchen den Hintergrund, während
die Unterschrift Exemplar castitatis lautet,
was alles auf eine Umänderung in späterer
Zeit hindentet.

In H a l l e i n befinden sich zwei Exem-
plare solcher Darstellungen, von welchen
Grans sagt, daß beide auf einen Hal-
leiner Kaufmann Hintner des 17. Jahr-
hunderts znrückgehen mit ihrem Ursprung.
Derselbe habe auf der Wanderung in der
Fremde — so wird erzählt — dieses
Madonnenbild gesehen nnd nachmals Hilfe
durch die Anrufung Mariens erlangt. Da-
her errichtete er 1685 bei seinem Gute
außer der Stadt die „Hintncr-Kapelle",
welche im kleinen Raum nutet vielen
Blumenkränzen nnd Belenchtnngsvorrich-
tungen als Zeichen noch fortwährender
lebensfrischer Andacht fast versteckt das
Tafelgemälde der hl. Aehrenkleidjungsrau
enthält. An der Außenwand seines Wohn-
hauses in der Brückenstraße stellte er gleich-
falls die Statue gleicher Art in einer
Nische auf; letztere ähnelt gar sehr einer
modernen Immakulata".

Eine der schönsten Madonnen im Aehren-
kleide steht in der kleinen Friedhofkirche
zu Zell am See. Dieses Gemälde der
hl. Aehrenkleidjungsrau, ein Liebling oes
Volkes im ganzen Pinzgau, ist allbekannt
unter den: Namen der „Weizenfrau".
Es trägt eine Perlenkrone und weiteres
Geschmeide um den Hals und an den
Aermel-Enden, das ans Bildfeld geheftet
ist. Diese Holztafel, 50 Zentimeter breit
und 145 Zentimeter hoch, zeigt Maria
auf dem Grunde von Wolken und Strah-
len und möchte kaum übers 16. Jahr-
hundert znrückweichen mit seiner Ent-
stehung. Auch jenseits des Sees von Zell,
in Thumersbach, befindet sich eine
Holztnfel im Vorbaue des Kirchleins da-
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