Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

Seite: 13
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Heransgegebeii und redigiert von Pfarrer Detzel in St. Lliristiiia-Ravcusburg.

Verlag des Rotteulnirger Diözesan-Aiinstuereiils;
Kviiiinissioiisvcrlaa von Friedrich Alber in Ravensburg.

O

Jährlich 12 Nummerii. Preis durch die Post halbjährlich M. 2.05 ohne
Bestellgeld. Durch den Buchhandel sowie direkt von der Berlagshaudlniig
Friedrich Silber in Ravensburg pro Jahr M. 4.10.

I(-OZ.

Ratakombenmalerei luid moderne
^epnlkralknnst.

Von Pfarrvcriv. Drexler in Heudorf
bei Mengen.

Im Jahre 1903 hat Msgr. Joseph
W i lp e r t ein Werk herauSgegeben, welches
für das Studium der nltchristlichen Archäo-
logie und Kunst von epochemachender Be-
deutung ist, betitelt:

Die Malereien der Katakomben Noms,
2 Bande mit Text und Tafeln.
Herdersche Verlagshandlnng in Frei-
burg i. Br. Preis 300 M.

Darin ist der gesamte Bilderschatz, den
uns die Urikirche in den unterirdischen
Grabstätten Roms hinterlegt hat, nicht
nur in kritischer und erschöpfender Weise
verarbeitet, sondern auch — was das
Wichtigste ist — in den denkbar genauesten
Abbildungen wiedergegeben, soweit nicht
schon die früheren Bände der »Roma
sotterranea« von de Rosst und neuere
Spezialwerke von Wilpert eine vollkommen
genügende Reproduktion enthalten. Ans
diese Weise ist auch solchen, welche nicht
die Gelegenheit haben, in Rom selbst die
oft schwer zugänglichen Originalien anf-
znsuchen, die Möglichkeit verschafft, einen
ebenso zuverlässigen als umfassenden Ein-
blick in die Katakombenkunst zu gewinnen.

Wie es daher für anerkannte und an-
gehende Kunsthistoriker unb christliche
Archäologen eine Lust ist, sich in das mit
klassischer Eleganz und Klarheit geschriebene
Werk zu vertiefen, so ist auch weiteren
Kreisen die Lektüre desselben sehr zu
empfehlen. Die apologetische Bedeutung
der altchristlichen Kunst ist ja bekannt.

Sollte es eine Utopie sein, wenn ich mich
außerdem der Erwartung hingebe, das;
das Nenerwachen des Interesses an den
ältesten Denkmälern christlichen Glaubens
und Höffens und die Verbreitung der
Kenntnis derselben besonders in den christ-
lichen Künstlerkreisen ein Ferment
werde, um unsere verknöcherte, gedanken-
arme und immer unchristlicher werdende
Sepulkralkunst wieder lebens-
kräftig und glaubensinnig zu
machen? — Um zu zeigen, wie un-
erschöpflich die altchristliche Kunst an
Ideen ist, welche auch heute noch als
Ausdruck unserer Jeuseitshosfnnngen und
als sinniger Schmuck christlicher Grab-
monumente künstlerische Verwertung finden
können, sei mir gestattet, ans dem reichen
Inhalt des Wilpertschen Werkes nur die-
jenigen Gruppen von Darstellungen her-
vorzuheben, welche sich ans die Com-
munio sanctorum oder die gegen-
seitige Fürsorge und F ti r b i t t e
der lebenden und verstorbenen
Mitglieder der Kirche beziehen.

Zum Verständnis der Malereien in den
Katakomben ist es jedoch notwendig, zu-
vor einiges über den Zweck und die Kom-
position derselben voransznschicken. Die
Katakoiubenknnst hat, wie Wilpert aus-
drücklich betont, fast ausschließlich sepnl-
k r a l e n CH a r a kt e r. Die Darstellungen
stehen in engster Beziehung zu den Toten,
die dort bestattet sind. Bald sind sie der
Ausdruck des Trostes der Hinterbliebenen,
indem sie erinnern an den lebendigen
Christusglauben der Verstorbenen und an
den Empfang der heiligen Taufe und
Eucharistie, der Unterpfänder des ewigen
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