Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

Seite: 26
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das Begräbnis gestattet werden außer dem
jeiveiligen Kaplan und Oberamtsverwalter
Johann Vinzenz Höcht nnd dessen Haus-
frauen, aber nur mit Erlaubnis des Or-
dinariats in Konstanz. Der katholische
Magistrat in Ravensburg sollte das nötge
Bau- und Brennholz umsonst liefern, die
Mochenwanger aber, weil ihnen durch die
Stiftung einer Kaplanei der beschwerliche,
bergige nnd weite Weg abgenommen werde,
sollten dasselbe hauen und durch die,
welche Pferde und Ochsen besitzen, kostenlos
geführt werden.

Im Jahre 1868 wurde in Mochen-
wangen eine Papierfabrik erbaut und die
Folge davon war, daß der Ort sich ver-
größerte und auch das Bedürfnis einer
größeren Kirche sich schon ziemlich fühlbar
machte. Daß mau aber damals noch nicht
hoffte, irgendwie die Mittel zn einem
Neubau der Kirche — an eine Erweiterung
derselben konnte infolge ihrer Lage nie-
mals gedacht werden — zusammen zn
bringen, geht schon daraus hervor, daß
man noch im Jahre 1878 das alte Kirch-
lein neu ausmalte. Der erste Fonds zn
einem Neubau der Kirche wurde 1883
gelegt nnd zwar durch einen Beitrag des
hochsel. Bischofs v. He feie im Betrag
von 2000 Mark. Am 1. April 1891
belief sich der Banfonds auf 5080 Mark.
Nun aber bekam im Mai 1891 die Pfarr-
gemeinde Mochenwangen in der Person
des P f a r r e r s und S ch u l i n s p e k t o r s
Ei feie einen neuen Seelsorger nnd dieser
nahm sich alsbald mit aller Energie nnd
Ausdauer des Neubaues der Kirche an;
er veranstaltete Sammlungen in der Ge-
meinde nnd gründete alsbald einen Kirchen-
bauverein, auch erwirkte er 1901 von der
Kgl. Negierung die Erlaubnis zn einer
Lotterie, welche die Barsnmme von 33 000
Mark ergab. Am 1. April 1903 betrug
der ganze Fonds rund 80 000 Mark nnd
nun wurde der Bau in Angriff genommen.
Es wurde zugleich der Vorstand des
Diözesankunstvereins beauftragt, für die
innere Ausstattung einen Kostcnüberschlag
zu machen und kani derselbe auf die Summe
von 25 000 Mark. Zur Uebernahme dieser
ganzen großen Summe nun aber fand
sich ein Wohltäter in der Person des
hochw. Herrn Pfarrers Kais e r in
A in tz eil, der von Mochenwangen ge-

bürtig ist und seiner Heimatgemeinde damit
ein großartiges, die Pfarrangehörigen zu
immerwährendem Danke verpflichtendes
Geschenk gemacht hat.

Was die Lage der neuen Kirche betrifft,
so konnte diese erste Frage bei Beginn
des Baues sehr günstig gelöst werden.
Fast mitten im Orte und an bevorzug-
ter Stelle findet sich ein Hügel, den vor-
her ein altes, malerisches Bauernhaus
besetzt hatte nnd mit den anstoßenden
Bauerngärten so viel Ranm bot, daß der
Neubau eine auf allen Seiten vollkommen
freie Lage erhielt.

Welchen Stil sollte die neue Kirche
erhalten? Jedenfalls einen solchen, der
bei möglichst haushälterischen Kosten für
die sich stets vergrößernde Pfarrgemeinde
auch späterhin noch Raum genug böte.
Architekt Endes in Stuttgart, der Er-
bauer dieser Kirche, der diesem praktischen
Wunsche in unserm Lande schon so oft
nachgekommen, wußte auch hier zn helfen
und mit praktischer Lösung zugleich archi-
tektonische Schönheit und monumentalen
Charakter zu verbinden. Die neue Kirche
repräsentiert eine einschiffige, g o t i s ch
gewölbte Halle, mit innen, durch
Quertonnen versteiften Deckenstntzen. Es
folgte hier der Baumeister der altitalieni-
schen Tradition, die Mauern in stützende
und raumabschließende Teile zu zerlegen,
wobei die Mauern verhältnismäßig dünn
gehalten werden konnten, weil die nach
innen gezogenen Streben die massiven
Decken tragen. In der ganzen Anlage
der Kirche aber greift der Architekt eigent-
lich ans die älteste Zeit des Kirchenballes,
ans die konstantinische Bauart zurück. In
der konstantinischen Basilika haben wir
nämlich bereits die fertige Kirchenform
vor uns und obgleich keine der noch be-
stehenden Basiliken aus der Regiernngs-
zeit Konstantins unversehrt erhalten ist,
können wir uns doch von ihnen ein ziem-
lich genaues Bild machen. Es treten da-
nach in dem Grundplane dieser Basiliken
manche Verschiedenheiten hervor: wir
treffen Grundpläne mit und ohne Qner-
schisf und Atrium, Pläne mit einer oder
mehreren Apsiden, namentlich aber finden
wir schon in dieser konstantinischen Zeit
ein - und mehrschiffige Anlagen. Während
nun der Norden von der lateinischen, drei-
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