Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

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Organ des Rottenbnrger Liözesan-Bereins siir christliche Kirnst.

Herausgegeben und redigiert von Pfarrer vetzel in St. Ltzristina-Raveiisbiirg.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Auiistvereiiis;

Kommissionsverlag von Friedrich Alber in Ravensburg.

Jährlich 12 Nummern. Preis durch die Post halbjährlich M. 2.05 ohne
A Bestellgeld. Durch den Buchhandel sowie direkt von der Verlagshandlung IQO£,
.1:*. ♦ aj-. Friedrich Alber in Ravensburg pro Jahr M. 4.10. ' ^

Alte Brunnen mit kirchlichen
Beziehungen.

Von Theodor Osterritter in Stuttgart.

I.

Schon in der ältesten Form der christ-
lichen Kirche, der altchristlichen Basilika,
finden wir den Brunnen (cantbarus),
der sich in der Mitte des Vorhofes der
Basilika befand und zum Reinigen der
Hände, als Sinnbild der Reinigung der
Seele, bestimmt war. Dieser Vorhof der
altchristlichen Basilika kam aber durch den
veränderten Kultus in Wegfall, indem die
ganze Laiengemeinde freien Zutritt zum
Gotteshause erhielt und der Vorhof mit
dem Kantharus als Aufenthaltsort für
die Katechnmenen und die Büßenden, wie
in den ersten Zeiten des Christentums,
nicht mehr nötig war. Aus dem Vor-
hose der altchristlichen Basilika wurde,
als letzte Reminiszenz, die Vorhalle vor-
dem Hanptportal der ronlanischen Kirche,
das sogenannte Paradies, und derKantharus
wurde zum Weihwasserbecken am Eingang
der Kirche. Der Vorhof mit dein Brunnen
der altchristlichen Basilika aber fand seine
Nachbildung im Krenzgang der Kloster-
und Stiftskirchen.

Wenden ivir uns zunächst — als den
besten Beispielen — den Brunnen im
Vorhofe der alten Basiliken Roms zu.
Die Eingangshalle (Narthex) der altchrist-
lichen Basilika führte in einen mit einenr
bedeckten Sänlengang umgebenen Hof. In
der Mitte dieses Hofes stand der Brunnen,
der den Gläubigen für ihre Reinigung
diente. Das Becken des Brunnens war
oft von Porphyr, vereinzelt überragt von

einer Kuppel aus Stein oder Bronze und
mit Löwen als Wasserspendern oder Aehn-
lichem. Der berühmteste von diesen Brunnen
war derjenige, welchen der hl. Leo der
Große für die Basilika 3. Paolo fuori
le lVIura errichten ließ. — Von dem Brunnen
im Vorhofe der alten vatikanischen Basilika
schreibt Paulinus von Rola, daß derselbe
— ein herrliches Werk — mit einer
massiven Bronzekuppel, die von vier
Sänlen getragen wurde, überdeckt war.
Diese Art von Monnmentalbrunnen war
natürlich nur vereinzelt, der gewöhnliche
Typus war ein höheres oder niedereres,
zylindrisches Becken, meist mit altchristlichen
Ornamenten geschmückt, wie er sich noch im
12. Jahrhundert im Hofe des von Vas-
sallettns erbauten Kreuzgangs von S. Gio-
vanni Laterano erhalten hat.

Wie schon oben erwähnt, fand der
Vorhof der Basilika mit seinem Brunnen
seinen Nachfolger im Kreuzgang mit dessen
Brunnen. Dieser Brunnen fand sich teils
in der Mitte des Hofes des Kreuzgangs,
teils im Kreuzgang selbst, teils in einem
eigenen Brunnenhaus, das in Form eiltet
kleinen Kapelle in den Hof hinaustrat.
Diese Brunnenkapelle tritt in Deutschland
zum erstenmal im II. Jahrhundert auf,
und zwar bei Liebfrauen in Magdeburg,
dann später bei St. Peter in Hirsau
und vor allem bei den Kreuzgängen der
Zisterzienserklöster. An vorgeschriebener
Stelle befand sich die Brunnenkapelle mit
dem Brunnen, nämlich in der Mitte des
der Kirche gegenüber parallel laufenden
Teils des.Kreuzgangs. Hier wurde den
Mönchen alle drei Wochen Haar und Bart
geschoren und am Gründonnerstag die
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