Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

Seite: 44
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Diejenige Deutung, welche wohl am
besten den Sinn des Znschriftensymbols
trifft, wird darin liegen, wenn wir in
dem Esel die Angabe des Gewerbes, welches
der Verstorbene betrieb, erblicken. Er
handelte wohl mit Eseln oder war Esels-
fuhrwerkbesitzer. Wer die campagna ro-
mana kennt, wo der Vignolenbesitzer statt
des Pferdes oder Maultieres einen Esel sich
halten kann, wird darin nichts Auffallendes
finden. Als Illustration konunt mir eine
zweite Inschrift ins Gedächtnis, welche
gegenüber jener ältesten Kammer in der
Katakombe der hl. Domitilla sich befindet,
und ans welcher ein Mann dargestellt ist,
der neben einem lasttragenden Esel ein-
hergeht. Auch jene Inschrift, ans wel-
cher der Vetturino (Pferdekutscher) mit
seinen beiden Pferden Barbarns und
Germanus eingemeißelt ist, mag dartnn,
wie Tiere zur Versinnbildung des Hand-
werks des Verstorbenen verwendet wurden.

Entwürfe zu einem Glasgemälde
und einem ^Nosaikbilde.

Wir reproduzieren in unserer Beilage
zwei ganz eigenartige Entwürfe, die der
Kunstmaler Bernard Rice, an der
Tiroler Glasmalereianstalt in Innsbruck,
ausgeführt und uns zur Verfügung ge-
stellt hat. Dem ersten Entwürfe, der zur
Ausführung in einem Glasgeniälde
bestimmt wäre, gibt der Meister den Titel
„Liebet einander". Wir sehen als
Hauptfigur im Vordergründe Christus den
Herrn als Vorbild der größten Liebe zu
uns Menschen; er hält als „Symbol der
Schlichtheit" eine einfache Gänseblume in
der Hand, klm sein Haupt laufen zahl-
reiche Ringe als Nimbus, welche das
„ohne Anfang und Ende" bedeuten; von
diesen Ringen aus geht über dem Haupte
ein Flammenkreuz aus, sein Leiden an-
dentend. Auch auf dem Gewand sind
gleichsam als Damastgrund die Ringe mit
gleicher Bedeutung angebracht. Vor dem
Heilande zunächst sehen nur nach Erklärung
des Künstlers den Kopf von einem armen
Volksbrnder, der allein die Hände betend
gegen Gott aufhebt, andeutend, daß er
anr meisten empfindet, was die Liebe
Gottes sei. Gleich neben ihm schauen
mir den Kopf eines reichen, jungen Man-

nes , der halb in Schatten gestellt ist;
dieser scheint etwas gleichgültiger zu seinem
Gott und Herrn hinzusehen, weiß aber
gleichwohl, daß er ohne seine Liebe nichts
wäre und nichts vermöchte. Weiterhin

sehen wir den ernsten, auf Christus blicken-
den Kopf eines Hohenpriesters, der hart,
ja fast starr in die Augen des Heilandes
sieht, um die große Liebe Gottes daraus
zu suchen. Neben diesem scharfen Profil
erblicken wir einen weiblichen Kopf, den
Ausdruck der Poesie, erkenntlich an dem
Lorbeerkranze ans dem Haupte; mit mil-
dem Antlitze durchschaut sie bewundernd
die große Gottesliebe, welche sie schon so
oft den Menschen ins Herz zu legen ge-
sucht hat. Hinter dieser Gestalt sieht man
eine Insul und einen Bischofsstab, dessen
Träger als Vertreter der Religion anzn-
sehen wäre. Zn hinterst ein Krieger mit
einer Lanze, ansdrückend: nicht Krieg,
sondern „Liebet einander" soll die Parole
sein. Noch sieht man einen Pilgerstab
und ein Srepter, das Symbol eines
Königs. Ueber die ganze Gruppe ist ein
Lindenbaum in dekorativer Weise gezogen.
Die Grundidee des Ganzen ist: alle diese
Stände, vom Armen bis zum Neichen,
vom Bischof bis zum Pilger, vom König
bis zum Krieger, alle sollen einander
lieben, so wie Gott alle Menschen liebt.

Der zweite Entwurf, zu einem Mutter-
gottesbilde, wäre zur Ausführung in
Mosaik. Die hl. Jungfrau ist darge-
stellt mit ihrem göttlichen Kinde, das die
Rechte segnend erhebt, in der Linken die
Weltkugel hält, welche auch die hl. Gottes-
mutter' tragen Hilst; sie steht in einem
Kreise, welcher wieder das „ohne Anfang
und Ende" nndeutet, und hinter ihr
wachsen Lilien, in antiker Form gezeichnet.
Die Muttergottes ist in der Farbe als
weiß ans blauem Grunde, die Umhüllung
des Kindes als rot gedacht. Beide Ent-
würfe, in der sinnreichen Zeichnung des
Künstlers in Farbe übertragen, müßten
eine herrliche Wirkung erzielen. Detzel.

Ratakombenmalerei und moderne
Eepulkralkunst.

Von Pfarrverw. D r e x I e r in Heudorf bei Menge».

(Schluß.)

Kaum wird in einem bescheidenen
Kreüzchen, einer Palme oder ähnlichem
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