Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

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deutschlands. Aus einem achteckigen Becken
erhebt sich der kraftvolle Steinzylinder,
der das unterste, größte Bronzebecken, das
mit kleinen Reliefs deutscher Kaiser ge-
schmückt ist, tragt. Aus diesem entwickelt
sich das zweite, kleinere, wappengeschmückte
Bronzebecken und aus diesem wieder das
dritte oberste und kleinste, welches gleich-
falls ornamentiert ist. Den obersten Ab-
schluß bildet ein tabernakelartiger Aufsatz,
unter dem sich die Statue der heiligen
-Jungfrau befindet.

Ans der Mitte des 15. Jahrhunderts
stammt der Brunnen ans dem Fischmarkte
in Basel. Aus seinem polygonalen
Becken entwickelt sich ein starker, zylind-
rischer Pfeiler, über dem sich ein taber-
nakelartiger Aufsatz mit Heiligenfiguren
aufbaut. Derselben Zeit gehört auch der
herrliche Brunnen in Rotten bürg
an, der von Mechthild, der Gemahlin
des Grafen Ludwig von Württemberg,
1470 errichtet wurde. Die herrliche
Brnnnenpyranlide ist mit ausgezeichneten,
edel und charakteristisch durchgebildeten
Figuren geschmückt, die zu den hervor-
ragendsten Arbeiten der deutschen Spät-
gotik gerechnet werden dürfen. Die
Figuren in der untersten Reihe stellen
dar: Kaiser Friedrich III., Erzherzog
Albrecht und Pfalzgraf Ludwig, die in
der nächsten, mittleren Reihe: St. Martin,
St. Georg und die heilige Jungfrau,
oben: Christus als Ecce homo, Maria
als Mater dolorosa und St. Johannes.

Dem Ende des 15. Jahrhunderts ge-
hört der schöne Monumentalbrunnen in
Freibnrg in Baden, der sogenannte
Fischbrnnnen, an, an deur besonders auch
der Figureuschmuck bemerkenswert ist. In
den vier mit Wimpergen geschmückten
Nischen, welche die Brunnensäule, die mit
einer hübschen Fiale gekrönt ist, in der
unteren Hälfte umgeben, sind die Figuren
des jetzigen Stadtpatrons, des hl. Lam-
bertns, des früheren Stadtpatrons, des
hl. Georg, Marias mit dem Jesusknaben
und des hl. Leopold. In der oberen
Hälfte der Brunnensäule sind unter
hübschen Baldachinen die Figuren der
Kirchenväter Ambrosius, Gregorins,
Augustinus und Hieronymus. Aus der-
selben Zeit stammt auch der prächtige
Marktbrunnen in Urach mit seiner schlank

aufstrebenden und zierlich durchbrochenen
Pyramide, als dessen Schöpfer Peter von
Koblenz und Christoph von Urach genannt
werden. In der Hauptnische steht die
Figur des hl. Christophorns.

Hall besitzt aus dein Anfang des
16. Jahrhunderts seinen berühmten Fisch-
brnnnen mit dem Pranger. Der Brunnen
bildet einen großen viereckigen Wasser-
kasten mit einer steinernen Rückwand,
welche drei Nischen mit Figureugruppen
trägt. Die mittlere Nische mit deur Erz-
engel Michael als Drachentöter, links da-
von Simson, der den Löwen zerreißt, und
rechts St. Georg, den Drachen tötend.
Aus beut Rachen der Tiere treten Röhren
hervor, welche das Wasser in den Wasser-
kasten spenden.

St. Wolfgang in Oberösterreich hat
einen interessanten Brunnen aus der
Uebergangszeit der Gotik zur Früh-
renaissance, der wahrscheinlich 1515 er-
richtet wurde. Der Brunnen ist in Erz
gegossen und erhebt sich in einer acht-
eckigen Säule über dem durch zwei
Stufen erhöhten polygonalen Sockel. Das
die Brnnnensäule umgebende Bronzebecken
ist, wie auch die ganze Brnnnensäule,
reich ornamentiert. Vier originelle Masken
sind am oberen Teil der Säule als
Wasserspender angebracht. Gekrönt wird
der Brunnen durch die Statue des hl. Wolf-
gang, der in der linken Hand das Modell
einer Kirche, sein Attribut, trägt.

Dem hl. Theobald ist der hübsche
Brunnen in Thann im Elsaß gewidmet,
dessen Statue sich auf einer Säule in-
mitten des Beckens erhebt.

Auf dem Marktplatz in Mainz steht
der sogenannte Judenbrunnen von 1526,
ein dreiseitig überbauter Ziehbrunnen in
deutscher Renaissance, dessen Oberbau auf
drei reich ornamentierten Pfeilerstützen
ruht. Der reiche Oberbau trägt einen
dreiseitigen, mit Nischen versehenen Auf-
satz, in dem sich Bischofsgestalten befinden,
überragt von der Statue der heiligen
Jungfrau.

Interessant ist der Siebenrohrbrnnuen
von 1541 in Heilbronn. Auf einer
Steintafel ist in Relief Jesus und die
Samariterin am Jakobsbrunnen dargestellt.
Die Inschrift über dem Haupte Jesu
lautet: „Das Wasser, das ich gebe, Wirt
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