Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

Seite: 61
DOI Heft: 10.11588/diglit.15938.31
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15938.33
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15938.34
DOI Seite: 10.11588/diglit.15938#0072
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1905/0072
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
61

kirche läßt aber auch eine» Schluß ziehen
auf die bevorstehende Erneuerung
unserer Stadt Pfarrkirche. Mehr
Licht und hellere Farben! wird die Parole
laute». In Hellen, reinen Tönen ist bereits
die Tanfkapelle zur einstweiligen Auf-
nahme der vor dein Untergänge eben noch
rechtzeitig erretteten beiden Nebenaltäre
ansgemalt worden. Denken wir uns dazu
etwas mehr Licht von außen hereingclassen
und die Altäre in Gold und lichter
Marmorierung erstrahlend, dazu das
schmucklose Aeußere der Kirche durch Pi-
laster und eine würdige Fassade belebt,
dann ist eine herzerhebende Vorhalle des
Himmels ivieder in unserer Mitte.

Möge dem erleuchteten Eifer unsres
hvchw. Herrn Stadtpfarrers uub jetzt
Kirchenrats Ströbele für die Zierde des
Hanfes Gottes kräftige Unterstützung zu
teil werden!

Beck. Das hl. Nachtmahls-Täub-
chen oder die Columba Eucha-
risliea und die Eistulae.

Zn den merkwürdigen hl. Kirchen-
gesäßen gehörte ein früher in der durch
den hl. Bonisaz gegründeten Stiftskirche
zu Erfurt von alten Zeiten her in
Form und Gestalt einer Taube ver-
ivabrtes hl. Kirchengefäß, dessen Abbildung
Falkenstein im I I. Bd. seiner „Thüriugisch-
Nordganischen Alterthümer" unter Beigabe
(ans S. 361—369) folgender Erklärung
gibt: „DieseColumbaEucharistica,
von Silber, ist zum Teil vergoldet, zum
Teil emailliert, wird unter dem kirchlichen
Geräthe anfbewahrt und muß daher ohne
Zweifel ein consecrirtes Gefäß gewesen
sein. In der That war diese Taube ein
solches, inwendig hohl, in nielches eine
Büchse gesetzt, »wrin der Leib unsers
Heilands aufbewahrt und oben über dem
Altar aufgehängt wurde, damit, wenn
ungefähr ein Kranker das heiligste Sakra-
ment des Altars verlangen sollte, derselbe
ohne Anstand und Verzug mit diesem
letzten geistlichen Zehrpfennig versehen
»'erden kannte (Du Kresne, Glossar. 11,
p. 782; Martene de ritibus antiquis
Ecclesiae, I. 648: »In hujus modi

Columba aurea corticea pyxis
Corpus Domini cum recondita habe-

batur apud Cluniäcenses, ut discimus
ex Udalrico. L. II C. 30«; Nippel,
Vedeulnng der Ceremonien der kathol.
Kirche, Erfurt, 1739, S. 126, wo es
heißt: Papst Johann III. habe i. I. 570
die Taube zu diesem Gebrauche abgeschasft
und das Tabernackel bez»'. das Saera-
mentshänschendafür eingeführt;Gara»za,
Lurnrna Concil., p. 35 3 ; Durandus.de
ritibus Ecclesiae Catholicae, p. 108 ; J. A.
S c h m i d i i Diss. de Oblatibus euclia-
risticis quae I lostiae vocari solent, p. 46).
Oben hat diese Taube ans dem Rücken eine
Oeffnnng, wodurch die Büchse mit dem
heiligsten Sacrament hineingesetzt werden
konnte, worüber ein Deckel geht, der mit
einem Eharnier hinten am Halse festge-
inacht ist." Derselbe Falkenstein meint, dieses
Gefäß in Erfurt rühre vielleicht noch ans
der Zeit des hl. Bonifatius her. Es ist dieser
alte Kirchengebrauch schon im 4. Jahrh. nach
Christi Geburt in der christlichen Kirche üblich
und bräuchlich gewesen. Daß man zu dem
Gefäß die Gestalt einer Taube gewählt,
kam vielleicht daher: das Geheimnis dieses
hochheiligste» Sakraments stellt die gött-
liche Liebe unseres Heilands vor, wie die
hl. Väter sagen, welches nicht besser sinn-
bildlich als durch das Bild einer Taube,
die das Sinnbild der Liebe ist, darge-
stellt werden kann. Die Erklärung liegt
aber doch viel näher, daß sich das Sinn-
bild der Taube einfach auf de» hl. Gei st
bezieht. Diese Tauben (auch peristeria
genannt) kommen zuerst in der griechischen
Kirche vor und standen ans einer Schüssel,
die mit den daran befindlichen Kettchen
an einer Schnur von dem Ciborium über
dem Altartische schn'ebend herabhing (daher
auch die allgemeine Bezeichnung Suspensio)
und während der Messe herabgelassen wurde
(s. auch Otte, Handbuch der kirchl. Kunst-
archäologie rc., 5. Anfl., 1883,1, S. 237 f.;
bei Kraus, Realenzyklop. der christl. Alter-
tümer fanden wir die Columba nicht). In
der fürstlichen Kunstkainmer zu Sigma-
riugen ist auch noch eine bei Hefner-
Alteneck auf Tafel 23 abgebildete Columba
erhalten. Ans Württemberg ist mir aber kein
einziges Stück bekannt. Ebenso finden sich in
den „Studien z.Geschichte des christl. AltarS"
von Laib und Schwarz auf Tafel II, 4, 6,
11 gute Abbildungen. Es gibt auch Gießge-
fäße(rnanilia, aquae manilia, Lavabo) zum
loading ...