Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

Seite: 63
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— In einigen protestantischen Kirchen ist
sogar der Gebranch, das Abendmahl des
Kelchs durch ein Nöhrlein zn empfangen,
noch lange im Gang gewesen, z. B. in
der Mark Brandenburg noch i. I. 1698,
worüber der allezeit fertige Theologe
Spener in seinen „Theologischen Be-
denken", II, S. 199, „von denen in der
Administration des Kelchs gebrauchten
Röhrchen" sein Bedenken geäußert und
für die Abschaffung des Röhrleins sich
ans mancherlei Gründen, unter welchen
auch diese sind, daß man nicht wisse, ob
Einer trinken möge oder nicht, oder es
nicht verstehe (!), erklärt hat. — Heutzu-
tage gehören diese längst außer Gebrauch
gekommenen kirchlichen Gefäße, Nacht-
mahltänbchen wie Eistulae, bloß noch zu
den kirchlichen Kunstaltertümern und sind
selbst als solche wenig mehr bekannt.

Zur Darstellung der hl. Drei-
faltigkeit.

Von Deka» Reiter.

Man spricht von einer dogmatischen
Darstellung der hl. Dreifaltigkeit und
rechnet dazu auch jene, welche meistens
den menschlichen Kopf mit drei Gesichtern
zeigt, zwei im Profil und eines en face.
Dieser Typus kam besonders gegen das
Ende der gotischen Periode in Aufnahme,
wurde aber von Papst Urban Vlll. und
von Papst Benedikt XI V. verboten.

Als Urheber oder Erfinder desselben
wird bisweilen Abälard bezeichnet; doch
scheint es wahrscheinlich zu sein, daß er
aus deni Griechischen stammt und sich an
das Wort prosopon anlehnt, welches so-
wohl Antlitz als auch Person bedeuten
kann.

Wo finden sich nun Bilder der hl. Drei-
faltigkeit in der eben genannten Anf-
fassung?

Detzel nennt in seiner Ikonographie l
S. 60/61 den Zinuaer Marienpsalter von
1449, ein Wandgemälde von 1512 in
der ehemaligen Spitalkirche zn Bozen und
eine Darstellung in einer französischen
Miniatur des 16. Jahrhunderts.

Wir können noch einige andere Bei-
spiele namhaft machen. Zuerst sei ge-
nannt die Abbildung der hl. Dreifaltig-

keit in der Hospitalkirche zn Tübingen
mit der Inschrift: Mag. Conr. Brodbeck,
Diakonns in Metzingen 1673 —1683.

In zweiter Linie verweisen wir ans '
das Buch: „Die katholische Kirche unserer
Zeit und ihre Diener in Wort und Bild"
von der Leogesellschaft in Wien. Auf
Seite 332 des zweiten Bandes ist das
Relief einer aus dem 15. Jahrhundert
stammenden Glocke in Laibach wieder-
gegeben, das nicht bloß die drei Antlitze
schallen läßt, sondern auch noch eine in
mehrfacher Hinsicht interessante Umschrift
aufweist, durch welche die Darstellung zu-
gleich auch als dialektische oder logische
Darstellung gekennzeichnet ist.

Endlich sei noch die Heiligkreuzkirche in
Rottweil aufgeführt, welche — nebenbei
gesagt — es wohl verdienen würde, in
allen ihren Einzelheiten genau beschrieben
zu werden, was vielleicht aus Anlaß oder
vielmehr nach Abschluß der geplanten
Restauratiou geschehen könnte. Dort er-
blickt man auf einem Säulenkapitäl einer
südlichen Kapelle drei Gesichter und in
der Nähe den grünfarbigen Teufel, mit
Schnabel, Krallen und Löwenmähne (nicht
iveit davon einen jugendlichen Kopf lind
dann wieder einen Totenkopf mit deni
Spruch »meine,llo mori« —).

Im Maßwerk der Rosette am Rord-
portal der Heiligkreuzkirche ist die hl. Drei-
faltigkeit in der mit drei Blättern (Fisch-
blasen) geschloffenen Rose sinnbildlich dar-
gestellt. Die zwölf Apostel sind ebenfalls
symbolisch als Blätter darum gelegt, „was
man ganz richtig als clivisio apostolorum
in Verbindung mit der hl. Dreifaltigkeit
gedenket hat."

Der Adler auf dem Wandtabernakel
der Stadtpfarrkirche wird der städtische
Reichsadler sein, was sich aus der Ban-
geschichte leicht sollte ermitteln lassen; er
würde aber auch nach Analogie eines
Bildes in der Kathedrale zu Lyon als
Symbol der Auferstehung genommen
werden können. Ans dem Lyoner Bild
fliegt der junge Adler einer Sonne ent-
gegen, in deren drei Hauptstrahlen drei
alte Adler sitzen, welche die Dreifaltigkeit
bedeuten sollen.

Die städtische Altertümersammlung zu
Freiburg im Breisgau besitzt einen aus
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