Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

Seite: 67
DOI Heft: 10.11588/diglit.15938.37
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15938.38
DOI Seite: 10.11588/diglit.15938#0078
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1905/0078
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
67

St. Christophorus, darüber Simson mit
dem Löwen und Judith, und seiner Ge-
mahlin anna luchserin von glaris 1519,
mit St. Anna selbdritt und St. Ursula,
eine ausgezeichnet schöne Scheibe.

N III 13. Eine Figurenscheibe mit
den Heiligen Gervasius und Protasius,
den nebst dem hl. Ambrosius gefeiertsten
Schutzheiligen der Mailänder Kirche, die
zu den berühmtesten Märtyrern der alten
Kirche gehören, weshalb auch ihre Namen
in der Allerheiligenlitanei ausgenommen
sind. Sie waren Zwillingsbrttder, Söhne
des hl. Vitalis und Valeria, weshalb sie
oft zusammen dargestellt werden, Gerva-
sius, wie hier, mit einer Geißel, Prota-
sius mit einem Schwert, iveil elfterer
mit Bleigeißeln, letzterer mit dem Schwerte
getötet wurde. Herrliches Rot und Grün
in den Gewändern, zu Füßen der geist-
liche Stifter mit feinem Wappen; c. 15! 9.

bl III 14. Figuren scheibe mit St. Jako-
bus und St. Jodok, welche beide als
Pilger erscheinen mit Wanderstäben in
den Händen und mit Muscheln an ihren
Hüten; St. Jodok hat drei Kronen als Attri-
but zu seinen Füßen. Eine schöne Scheibe
mit dem Wappen des Stifters: bans
Scherer von baden des Gotzhu(ses)scher
wetingen (im Spruchband); c. 1519.

N VIII 55 — 58. Vier Prachtscheiben.
Nr. 55 und 56 sind Alliancescheiben des
cunrat bachman von zog de zit land
vogt zu baden mit St. Johannes dem
Täufer und St. Konrad als Wappenhalter,
und seiner Gemahlin barbel drincklerin
von zug 1517, mit St. Anna selbdritt
und St. Barbara. Das schöne Wappen
von Zug hat ein weißes Z ans blauem
Grunde mit seiner Damaszierung. Obe»
sieht man St. Oswald und St. Büchel, !
die Landesheiligen von Zng; elfterer trägt
in der Rechten das Scepter, in der Linken
ein Gefäß, worauf der Rabe. Nr. 57,
die vorzüglichste der vier Scheiben, mit
der Anbetung des Christkindes soll eine
freie Nachbildung nach Blartin Schonganer
sein, gestiftet von volrich sorger vicarij
jin wetingen 1517, mit dessen Wappen.
Nr. 58 ist eine Figurenscheibe mit St. Paul
und St. Simpertus, Bischof von Augs-
burg: auf seine Anrufung brachte nach
der Legende ei» Wolf, der ein Kind ge-
raubt hatte, dieses unversehrt wieder zu-

rück, daher der Wolf mit dem Kind als
Attribut vor ihm. Alls den Säulen sieht
man links Maria als Himmelskönigin
und St. Mauritius, zu deren Füßen der
Stifter: Simpertus Kamerer 1521 (Kap-
lan zu Baden) mit seinem Wappen. Das
Silberweiß in den Köpfen der beiden
Heiligen, in den kleinen Figuren und den
Ornamenten besonders brillant, überhaupt
was brillante Farbengebung, flotte Zeich-
nung n. s. w. anlangt, vorzügliche Scheibe.

bl X 74. Fignrenscheibe mit der Krö-
nung Mariä von prächtiger Farbenwir-
kung, ein Geschenk des iacob kaltz wetter
im 1518 iar, der zu Füßen kniet; possier-
lich ist hier, wie Putten an den Umrah-
mungen hinanfklettern. Die Figuren aus
goldenem Grunde und der blaue Hinter-
grund haben vorzügliche Wirkung.

bl Xl 80. Figurenscheibe mit St. Petrus
und Paulus, auf den Säulen St« Katha-
rina und St. Barbara, unbekannter Mönch
als Stifter, 1520. Die Schwarzlotzeich-
nung hat hier schon etwas gelitten, die
Heiligen zeigen sehr schöne, ausdrucksvolle
Köpfe voll Leben.

Nun kommen vier herrliche Scheiben,
welche Dr. Lehmann der Werkstätte des
Meisters Antony in Basel zuschreibt,
welcher dazu Holbeinsche und Urs-Graf-
sche Vorlagen benützt haben kann. Sie
unterscheiden sich schon nach der Technik
von andern Scheiben, indem hier noch
die reinen schönen farbigen Gläser ans-
treten, ein herrliches Violett, ein feuriges
Rot, ein saftiges Grün, alles durchbrochen
von abgetöntem Weiß.

bl X 72. Eine Figurenscheibe mit der
syinbolischen Darstellung, wie durch das
Blut Christi und die Fürbitte der heiligen
| Jungfrau die Menschheit mit Gott dem
Vater versöhnt wird, der das Schwert
in die Scheide steckt Als Stifter kniet
Frater Joannes de Sur, hujus abbaciae
filius 1518 (Konventuale des Klosters,
f 1528) zu Füßen Christi. Im blauen
Hintergründe sieht man eine Landschaft
mit See.

X X 73. Fignrenscheibe mit St. Jo-
hannes dein Täufer, zu dessen Füßen der
Stifter kniet. St. Anna selbdritt und St.
Johannes Ev., gestiftet von Frater Joan-
nes Ochs, hujus monasterii filius 1519
(Konventuale des Klosters, ch 1528). Die
loading ...