Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

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eilte schalkhafte Gesellschaft kleiner Putti;
ans dem Fahnentuche des Trompeten-
bläsers das Wappen von Unterwalden,
c. 1520.

Die dritte A b t e i l u n g unserer
Seheibengrnppe sind Geschenke be-
freundeter K l ö st e r. Gerade die
Klöster und kirchlichen Stiftungen finden
wir besonders oft als Geschenkgeber von
Fenster- und Wappenscheiben und es hat
dies seine natürliche Erklärung auch da-
rin, daß sie selbst reichlich bedacht wur-
den von Ständen und Städten und des-
halb ihre Verwaltungen in Gegengeschenken
nicht znrnckbleiben konnten. Abteien und
Stifte, überhaupt kirchliche Anstalten aller
Art. beteiligten sich äußerst lebhaft an den
wechselseitigen Gaben, zuerst die größeren
dann die kleinen. Selbst nach den Hän-
deln tlnd Wirren der Glaubensspaltnng
wurde ohne Zaudern bei Vernichtung
früherer Fenster bereitwillig Ersatz geleistet.
Gerade in unserem Kreuzgange zu Wet-
tingen süid unter den prächtigen Stan-
desscheiben der 13 Orte, auf die wir noch
kommen werden, nach wie vor die prote-
stantischen Kantone durch ihre alten Schutz-
patrone und Landesheiligen vertreten. Zahl-
reiche Klosterscheiben sind erhalten geblieben.
So finden wir unter dieseit Denkmälern u. a.
die Ehrenschilde der Abteien und Klöster
Wettingen, Muri, Kappel,Jttingen, Engel-
berg, Frienisberg, Einsiedeln, Fischingen,
des Chorherrenstistes Schönenwerd, des
Kollegiatstiftes St. Verena in Znrzach, der
Abteien St. Urban und St. Gallen. Mehr-
fach auch findet man die Namen Dänikon,
Gnadenthal, Franenthal, Hermelschwpl,
Magdenan, Wnrmspach, Rheinau, Rat-
Hausen, Salmansweiler, Allerheiligen und
St. Blasien im Schwarzwald; letztere beide
werden besonders häufig genannt. Kirchen
tliid Klöster beschenkten sich nicht nur in
gegenseitigem Austausch, sondern sie ver-
teilten ihre Gaben nicht minder ans städtische
Bauten und auf die Häuser von Einzel-
personen. Sie bedachten ihre Lehensleute,
Zinsbauern und die ihnen gehörigen Wirts-
stnbe». Es schenkten aber nicht bloß die
Ktö er als Gemeinschaften, sondern auch
ihre Aebte, Prioren und Aebtissinnen, des-
gleichen auch einzelne Konventnalen, dann
auch die Stiftspröpste, Dekane und Chor-
herren. Eine hervorragende Anteilnahme

an dieser Schenksitte zeigt sich auch bei
der Weltgeistlichkeit. Im Landesmuseum
zu Z ü r i ch bewahrt man Scheiben von Papst
Urban VIII. und dem päpstlichen Nuntius
Grafen Seotti von Piacenza von 1638,
von Kardinal Schinner, damals noch Bi-
schof von Sitten, von 1500 sowie die
Geschenke des Nuntius, des Domdekans
und des Kapitels zu Konstanz an das
Kloster Rathausen, mehrere Scheiben der
Bischöfe von Konstanz uitb von Sitte,
ii. s. w. Als Geschenke befreundeter Klöster
finden wir in Wettingen die gestifteten
Scheiben der Zisterzienseräbte von Sal-
mansweiler, Kappel und Wettingen, es
ist je ein Scheibenpaar, wovon das eine
Stück jeweilen die Wappen, das andere
eine figürliche Darstellung enthält.

3 II 3. Wappenschilde des Klosters
Salmansweiler mit zwei Engeln in Dia-
konentracht als Wappenhalter. Die Wap-
pen sind: 1. Citeaux, 2. Bistum Salz-
burg (Erzbischof Eberhard, zweiter Stifter
von Salem), 3.Gnnlram von Adelsreuthe,
Stifter des Klosters, 4. Wappen des Abtes
Jodok II. Necker. lieber diesen Wappen
zwei kleine Darstellungen, wie König Salo-
mon verführt wird, einen Götzen anzubeten
und tvie Simson von Delila seines Haares
beraubt wird, 1521, Monogramm L W.

S II 4. Die Fignrenscheibe dazu mit
der Madonna und St. Bernhard, zu dessen
Füßen der Donator Abt Jodok II. Necker
von Salem (1510—1529), neben seinem
Familienwappen kniet. Darüber: Mariä
Verkündigung. Ans dem Spruchbande
des Engels: ave gracia etc. MII1IIXX
und 1521.

WV 11. Wappenscheibe des Klosters
W et tin gen, links St. Bernhard (Kopf ein-
gesetzt: Gott Vater) mit Wappen von
Citeaux, rechts St. Urban mit dem Wap-
pen von Wettingen, restauriert, 1522,
Monogramm: verschlungenes 14 und 6
(H. F. Griebel von Bern). St. Urban als
Papst mit der Traube.

W V 12. Die Figurenscheibe dazu, die
Anbetung der heiligen Könige, nach einem
oberdeutschen Meister. Schöne Köpfe, nur
der der heiligen Jungfrau schlecht gezeich-
net, wohl von anderer Hand, 1522, Mono-
gramm wie Nr. 11.

W IV 10. Wappenscheibe des Klosters
Kappel. Zwei Engel halten die Wappen
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