Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

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Balnea cum venere tune nullum constat liabere. j
Potio sit Sana, atque minulio bona.

Dezember.

Sane sunt meinbris calide res mense Decembris,
Frigus vitetur: capitalis vena secetur.

Lotio sit sana : sed vasis potio cara.

Sit trepidus potus frigore contrario totus.
(Schluß folgt.)

Neue Altarwerke

i m M u s e u m v a t e r l ä n d i s ch e r A l t e r-
tümer in Stuttgart.

Von Max Bach in Stuttgart.

Ju der K. Altertüluersanlmluug sind iu
letzter Zeit eine ganze Reihe Altarschreine
zur Aufstellung gelaugt, welche teils neu
augekauft, teils dem Magazin entnommen
n'urden, wo sie seit Jahren im Verbor-
genen ruhten, da sie wegen ihres viel-
fach ruinösen Zustandes nicht ausge-
stellt werden konnten. Die Direktion der
Altertümersammlnng hat nun durch ihre
bewährten Kräfte, die Herren W i t s ch e r
junior und Maler Wennagel, diese ver-
borgenen Schätze, soweit tunlich, restau-
rieren und wiederherstelleu lassen.

Betritt man den sogenannten Kirchen-
saal (Qnersaal im linken Flügel des Ge-
bäudes), so tritt uns zunächst der Altar
von Alt Hansen, OA. Mergentheim,
entgegen. Ein reichhaltiges Werk vom
Jahre 1506. Im Schrein stehen drei
Heilige, deren Attribute fehlen und da-
her schwer bestimmt werden können. In
der Mitte ein bärtiger Mann mit Buch,
vielleicht Johannes, zn den Seiten je
ein weiblicher und männlicher Heiliger,
letzterer eine Mütze in der Hand haltend
(Kosmas?). Auf den Flügeln sieht man
links den hl. Martin mit dem vor ihm
knienden Bettler, rechts: Bischof mit
Buch. Außen links: Katharina und
Bartholomäus, rechts: Erasmus und Se-
bastian. An den Seiten des Schreines
sind ans unbeweglichen Flügeln noch der
hl. Leonhard und der hl. Rochus? gemalt.
In der Predella sieht man in Brustbildern:
Maria mit Kind, zu den Seiten die Hei-
ligen Barbara und Dorothea. Auf den
Flügeln ist außen Christus mit den zwölf
Aposteln gemalt, innen die vier Evange-
listen mit ihren Attributen. Unten auf
der Leiste die Jahreszahl 1506. Die
Schnitzerei ist gut, die Gemälde hand-
werksmäßig.

Ein zweites Werk, der Altar von Mist-
lau, OA. Gerabronn, ist durch eine Be-
schreibung im Jahrgang 1850 der Zeit-
schrift „Wirtembergisch Franken" schon
früher bekannt worden. Die Kirche ist
dem hl. Nikolaus geweiht, daher auch der
Altar dem Heiligen und seiner Legende
gewidmet ist. Im Schrein, stehen die
Figuren des hl. Nikolaus und hl. Aegy-
dius und ein Bischof mit einem zwei-
türmigen Kirchenmodell. Auf den Flügeln
rechts erscheint ein heiliger König mit
Becher und Scepter, links der hl. Martin
mit dein Bettler, außen ist die Legende
gemalt, wie die drei Jungfrauen im
Bette liegend durch den hl. Nikolaus von
ihrem ans Not betretenen Lasterwege be-
freit werden, indem er unbemerkt, durch
das Fenster, goldene Kugeln auf das Bett
wirft. Unter dieser Scene kniet der Vater
der Mädchen, trauernd über das Schick-
sal seiner Kinder; rechts sieht man auf
die Straße einer Stadt mit Ziehbrunnen,
ein anmutiges perspektivisches Bild. In
der Predella stehen die Büsten dreier weib-
licher Heiligen, welche ans der Brust Ein-
schnitte für Reliquien haben. Auf den
Schiebdeckeln ist Christus als Schmerzens-
mann und die niater dolorosa gemalt,
an den Seiten Engel mit den Marter-
werkzeugen.

Ein weiteres originelles Altarwerk ist
der Altar von Haslach bei Herrenberg,
in der Literatur bis jetzt nirgends er-
wähnt. Im Schrein Maria mit dem
Kind, zu den Seiten die Heiligen Jako-
bns und Nikolaus. Unten die Schrift
mit Bezugnahme auf die Darstellung der
Verkündigung an den Außenflügeln: Ave
gracia plena Dominus tecum 1493 ; die
Flügel zeigen innen die Heiligen Johannes
den Täufer und Barbara, Katharina und
den Antonius den Eremiten mit Glocke
»nd Schwein. Auf der Rückseite ist das
jüngste Gericht gemalt; ein Engel bläst
die Posaune, auf einem Schriftband steht:
„es sind verurteilt ewiglich." Oben Christus
auf der Weltkugel, zn den Seiten Maria
und Johannes. Unten rechts ziehen zwei
Teufel die Verurteilten in die Hölle, links
die Seligen, von welchen eine dorthin sich
verirrte Seele vom Teufel mit einem Haken
abgezerrt wird.

Ein sehr schönes, kleines Altürchen ans
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