Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

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der Mitte des 15. Jahrhunderts stammt
aus dem hällischeu Dorfe Rieden. Im
Kasten sieht man in der Mitte die Geburt
Christi, rechts die Anbetung der Könige
und links die Vermählung der Maria in
kleinen plastischen Figuren. Originell ist
die Felsenlandschaft bei der mittleren
Scene; die durchweg vergoldeten Felsen
tragen kleine Burgen auf der Spitze, der
Stall ist in den Felsen gebaut, aus wel-
chem durch zwei Oeffnungeu Rinder Her-
vorschauen. Trefflich ist die durchweg
vergoldete Architektur der Baldachine, der
mittlere Teil ist erhöht, unter ihm sehen
wir Gott Vater mit der Weltkugel auf
die Scene herabschauend. Auf den Flügeln
ist Mariä Tempelgnng und die Darstellung
Christi im Tempel von einem, handwerks-
mäßigen Künstler gemalt, außen die Ver-
kündigung auf rotem Grund. Reizvoll
sind die kleinen Figürchen an den oberen
Flügelchen, sie stellen Christus mit der
Weltkugel und Maria dar, außen die
Heiligen Katharina und Barbara. Der
Stil des Altars stimmt mit der Erbau-
ungszeit der Kirche überein, welche 1436
begonnen und ca. 1450 vollendet wurde.
Der Altar soll früher links vom Chor-
bogen an der Wand gestanden haben und
wurde dann später in den Chor versetzt,
welcher jetzt noch den 33 Fuß hohen Hoch-
altar, der Jungfrau Maria geweiht, ent-
hält.

Ein Altar aus S ch n a i t im Remstal
zeigt in der Mitte die schönen Schnitz-
figuren Maria, zu den Seiten Gott Vater
und Christus, welche ihr eine Krone auf-
setzen ; darunter die Schrift: Sancta Maria
de genitrix, ora pro nobis Deum. Auf
den Flügeln gemalt die Heiligen Bartho-
lomäus und Martin, Konrad und Jako-
bus, außen die Heiligen Dionysius und
Gervatius, würdige Gestalten der spät-
gotischen schwäbischen Schule.

Von hohem Interesse sind die Reste
eines Flügelaltars von Unterlimburg
bei Hall von 1491: Maria mit beut Kind
von Engeln gekrönt unter einer Schar
von Heiligen, die sämtlich ditrch ihre At-
tribute kenntlich gemacht sind. Die oberen
Bilder zeigen die Heimsuchung und Krö-
nung Mariä, auf der Rückseite die Heiligen
Georg und Ulrich. Vielleicht gehören die
Gentälde ztt dem jetzt noch in der Kirche

St. Urban vorhandenen, seiner Flügel be-
raubten Hochaltar.

Ein Altärchen atts Tnllatt von zirka
1520 zeigt Atari« mit dem Kind, zu den
Seiten zwei weibliche gekrönte Heilige,
oben die Verkündigung. Auf den Flügeln
innen: Heimsuchung unb Geburt, Beschnei-
dung und Anbetung der Weisen; außen:
Christus als Schmerzensmann und die
mater dolorosa. Alls derselben Kirche
stanunt ein kleines Eekaltärchen mit den
Holzfiguren der Heiligen Wolfgang und
Nikolaus, auf den Flügeln die vier Evan-
gelisten, aitßen die bekannten Symbole in
dekorativer Form.

Ein mit beit Namen des Meisters
Hans Eurer (Syrer) und der Jahres-
zahl 1521 bezeichnetes Werk ist von
besonderem Interesse. Der Altar stammt
von Ohmenhanseu, OA. Reutlingen,
und ist unten überdies noch mit dem
Reichsadler und den beiden Rent-
linger Schilden bemalt. Im Schrein
stehen die sehr anmutigen Figuren der
hl. Maria mit dem Kind und die Heiligen
Andreas und Nikolaus. Ans den Flügeln
innen, rechts Margareta mit dem Drachen
und die hl. Dorothea, außen ein Heiliger
im Priestergewand mit Schwert und Buch,
die andere Seite ist zerstört.

Ein Altärchen ans Großaltdor f,
OA. Gaildorf, enthält im Schrein Maria
mit Kind in Strahlenglorie, ans den Flü-
geln Margareta und Johannes den Evan-
gelisten, außen der englische Gruß. Sehr
gute Schnitzfiguren enthält ein kleines Altär-
chen ans R o ß w a g, OA. Vaihingen, die
Heiligen Brenz, Veit und den hl. Burk-
hard ?

Auch aus B r a u u s b a ch, OA. Künzels-
an, ist ein kleines Altärchen vorhanden,
welches im Schrein zwei Bischofsfiguren
und den hl. Georg enthält, auf den Flü-
geln in Relief Katharina und Barbara,
außen je ein Bischof mit Buch. Schließ-
lich sei noch ein kleines Altärchen aus
W e r n e r b e r g bei Freudenstadt erwähnt,
ans der ehemals Paulusschen Sammlung
stammend, enthaltend zwei noch frühe Holz-
figuren. Eine Predella, Christus mit den
zwölf Aposteln in dramatischer Komposition,
vielleicht Ulmer Schule, stammt aus der
Kirche zu E h n i n g e u, OA. Böblingen.
Sie wird schon in Heideloffs „Kunst des
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