Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

Seite: 90
DOI Heft: 10.11588/diglit.15938.46
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15938.48
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15938.49
DOI Seite: 10.11588/diglit.15938#0101
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1905/0101
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
90

(wohl 1493?) ein Druck Dinkmuts: der
Seelen Wurzgart. Gedruckt zu Vliu durch
Conrad Dinkmnth. MCCCCLXXXIII. 4°,
vorliegt. Den Höhepunkt dieser Ilortulus-
Ansgaben bezeichnen die von den K o -
bergeru (Authoni d. Ae. und I. und
Johs. K. ?c.) mit Holzschnitten veran-
stalteten, zuerst lateinischen, dann deutschen
Drucke von Hans Clein, gen. der
„Schwab", vonl I. 1511 ab, welcher
bereits vorn I. 1478—1529 in Lyon als
selbständiger Drucker tätig war. Die
Gattung der illustrierten gedruckten Bet-
bücher wurde zu Anfang des 16. Jahr-
hunderts von Mart. Flach noch vervoll-
kommnet und soll die Zeichnung bczw.
Illustrierung in denselben nach Mnther
und Seidlitz die Hand des Hans Bal-
d u n g erkennen lassen. Dann kam aber
bald die Reformation, welche in vielen
Gegenden Deutschlands diesem Gebet-
bücherwesen, insbesondere dem Marien-
kult, ein Ende bereitete. Und auch sonst
konnten sich in der Folge diese gedruckten
illustrierten Andachtsbiicher infolge der
nach und nach fast allenthalben eingetre-
tenen Verbilligung der Druckerzeugnisse
und infolge der Konkurrenz mit gewöhn-
lichen Gebetbüchern sowie infolge der Stil-
nnd Geschmacksänderung nicht halten oder
sanken zur Handwerksware herab.

Alto Brunnen mit kirchlichen
Beziehungen.

Von Theodor Osterritter in Stuttgart.

111.

Im Münster zu Straßbnrg befand sich
gleichfalls ein — jetzt abgebrochener —
Ziehbrunnen. Der neunseitige Unterbau
erhob sich ans einem durch zwei Stufen
erhöhten Sockel. Diesen Unterbau über-
ragte, ans drei Pfeiler gestützt, ein drei-
schenkliger steinerner Galgen, welcher mit
schönem Maßwerk geschmückt war. — Die
Zisterzienserklosterkirche in Altenberg bei
Köln besaß einen Springbrunnen, der jetzt
leider auch abgebrochen ist.

Die Klemenskirche in W erde n wurde
wegen eines Brunnens, dessen Wasser als
wundertätig galt, erbaut, und zu dem
die Kranken wallfahrteten, um Genesung
zu erreichen. Der Brunnen existiert heute
noch im Innern der Kirche.

Verhältnismäßig flüchtig nur berührte
die Gotik Italien, das Land der Antike
und Renaissance. Was in gotischen
Klöstern und Kirchen an Brnnnenwerken
sich erhalten hat, ist von keinem hervor-
ragenden künstlerischen Wert.

Der Brunnen im Hofe des Krenzgangs
von S. Francesco zu Assisi, der ersten
gotischen Kirche in Italien, deren Ban-
meister ein deutscher Meister namens Jacob
gewesen sein soll, zeigt den einfachen
gotischen Ziehbrunnen, einen viereckigen,
leicht verzierten steinernen Wasserkasten,
über dem sich vier Eisenstäbe im Vogen
kreuzen. Der gotische Brunnen im Hofe
des Krenzgangs von Santa Croce in
Florenz ist einfach, aber vornehm. Das
schön profilierte, weite und hohe Becken
wird von einem einfachen schmiedeisernen
llnsban, welcher mit dem Kreuz gekrönt
ist, überragt.

Mit dem Auftreten der Renaissance in
Italien finden wir auch wieder herrliche
Brunnenwerke in Kirchen und Klöstern;
so hat Bruuellesco 1425 neben der
Sakristei von Sau Lorenzo in Florenz
einen sehr schönen Brunnen geschaffen.
Auch der Brunnen in der Badia zu
F i e s o l e ist ein Werk Brunellescos.
Von Giovanni delln Robbia ist der
Brunnen der Sakristei von S. Maria
Novella in Florenz (1497). Im Hofe des
Klosters von S. Spirito in Nom ist ein
prächtiger Marmorbrnnnen, aus dessen
Becken sich ein runder Ausbau erhebt, der
von Delphinen umgeben ist und die herr-
liche, mit Masken geschmückte Marmor-
schale trägt, ans deren Mitte ein Spring-
brunnen ans einem Granatapfel aufsteigt.
Dieser Brunnen ist jedenfalls ein Werk
von Dom. Fontana, welcher auch den
Brunnen im Hofe von S. S. Apostoli
und den berühmten MoseSbrnnnen in Rom
geschaffen hat.

Mitten aus dem Grün des Kloster-
gartens des kleinen Krenzgangs der Cer-
tosa von Pa via schaut ein reizendes
Brnnnenwerk hervor. Auf einem hübschen
Sockel ruht ein schönes Ründbecken, ans
dessen Mitte sich die reizende Gruppe e nes
auf einem Delphin reitenden Knaben er-
hebt.

Biterbo, das in seinen Mauern noch
so manchen schönen alten Brunnen erhalten
loading ...