Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

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slndt. Es ist wohl nicht zu bezweifeln,
das; Meister Peter v. Brei sach den Tanf-
ftciu und das Heilige Grab geschaffen hat,
denn der am 12. Dezember 1474 im Zius-
bnch des Klosters Bkariaberg^) eingetragene
Wagner, der Bildhauer in Reut-
lingen, ist wohl zu alt, um diese zwei
Kunstwerke geschaffen zu haben. Bei Mar-
tin Bildhauer, welcher 16. Februar
1489 nach den; Zinsregister des Spitals
in Reutlingen^) ein Haus in der Kremer-
gasse besaß, ist Bildhauer wohl Fami-
lien- nicht Berufsname. Der 17. April
l 497 genannte Melchior Steinmetz^) ist,
falls bei ihm Steinmetz nicht auch Familien-
name ist, wohl eine Person mit dem 14. Ja-
nuar 1514 in Freiburg im Breisgan genann-
ten Bildhauer Melcher von Rüblingen
(Reutlingen)^) und den; 9. September 1554
genannten Melchior Sattler, Stain-
metz, Bürger in Reutlingen, welcher an
Benedict Grötzinger und Conrat
e p s e r den Maler, Pfleger des Spöh-
lins Almosen 1 Gulden rheinisch Gült
ans nativitario Mariae (8. September)
aus 1 '/'2 Atnnnsmnhd Baumgarteu hinter
St. Peter um 20 Gulden verkauftes) da
er 1554 noch lebte, war er 1497 noch
sehr jung und jedenfalls zu jung, um
1499 ein solches Meisterwerk, wie es der
Taufstein ist, zu schaffen. Es bleibt so-
mit als Verfertiger von Taufstein und
Heiligem Grab nur übrig: der Meister
Peter v. Breisach, dessen Anwesenheit
in Reutlingen sich von 1489 bis 1505
urkundlich belegen läßt. Er ivar wohl
kein geborener Reutlinger, sondern stammte
ans der Stadt Alt-Breisach.

Am 16. Februar 1489 wird im Ver-
zeichnis der Zinsen des Spitals in Reut-
lingen, S. 21, erwähnt: Thomas Krns
zinst ans 1 Hans in der Barfüßergassen
von Meister Peter v. Brpsach Hus über
Hanns Hann°). Am 19. März 1496
schrieben Bürgermeister und Rath zu
Reutlingen an Bürgermeister und Rath
zu Eßlingen: unnser Werckmaister Peter
v. Brysach hat den Kirchenthnrn in

') Kgl. geh. Haus und Staatsarchiv itt Slult-
gart.

Kircheupflegearchiv in Reutlingen.

") Stadtarchiv inÄieutlinge»,Lade 70,Faszikel 8.
') Oberrhein. Zeitschr., 3 S. 64.
b) Kirchenpflegearchiv in Reutlingen.

°) Kirchenpflegearchiv in Reutlingen.

unser Stadt, der schadhasst gewesen nnnd
im zu machen verdingt ist, nsfgesezt.
Deshalb wir eners Werckmeisters, des
Stainmetzen, der sollichen Thnrn vor
auch gesehen hat, notdurfftig sin, densel-
ben Thnrn sambt andern zilo besichtigen,
ob der denl Verding gleich nnnd nanch
Notdurfft gemacht sig. Deinnach bitten
wir euer ersam Weißhait unns denselben
euern Werckmaister znezeschicken nnnd zu
bevelhen, uf Montag liegst (21. Maerz)
herin unnser Stadt zue reisten nnnd
hierynnen zue halten, das sich gepüren
wirbt.') Am 20. Februar 1503 ver-
kaufte Peter v. Brysach, der Steinilietz,
Bürger und Statt - Werckman zu Reut-
lingen an Peter Über, Bürger zu Reut-
lingen, i Pfd.HellerWährung Zins auf St.
Katharina (25. November) aus feinem
Haus, gelegen zu Reutlingen in der Bar-
füßergassen, oberhalb dem Barfüßerkloster
und unterhalb deni Landtag an seinem
(Meister Peter's) andern Haus (und ist
ein Ort- d. h. Eck-Haus gegen den Gäß-
len) mit 14 rheinische Gulden.

(Schluß folgt.)

Lin alter Aelch.

Von Dekan Reiter in Vollniaringen.

Die Kirche in Wildberg, OA. Nagold, besitzt
einen alten gotischen Kelch, welcher aus dem ehe-
inaligen Doininikanerinnenkloster Reutin bei Wild-
bcrg stammen soll. Die Cuppa ist ganz glatt;
ihre Höhe beträgt 8, ihr oberer Durchmesser t t cm.
Auf dem Fuße ist das Bild Mariens mit dem
Jesuskinde und das Bild einer Aebtissin ein-
graviert, desgleichen die Jahreszahl 1465.

Der Ring über deni Rodus zeigt die Worte:
ave maria, der unter ihm das Wort: graiia, der
Nodlls selbst weist die Buchstabe» a. e. i. <>. u. auf.

Was sollen diese Buchstaben bedeuten?

Wir haben schon gelesen, daß die Habsburger
die Wappcndevise ». e. i. o. u. führen, was
man also erklärt hat: „Austriae est, imperare
orbi universo". Es dürfte aber die Devise anders
zu erklären und auf die alte Legende bei dem
Bilde des hl. Christophorus, welches auch als
das Salvatorbild der Zisterzienser des 12 Jahr-
hunderts betrachtet worden ist, znrückzuführen
sein: „a<l ejus imaginem oculos verte". Bei
unserem Kelche konnte man nun die Buchstaben
auf Maria mit dem Jesuskinde beziehen; es
dürfte aber auch nicht ausgesMossen sein, an
eine Stifterin oder eine Stiftung aus dem
Hause Habsburg zu denken, welches später Rechts-
nachfolger der Grasen von Hohenberg geworden
ist, die um 1252 das Kloster Reutin gestiftet haben.

') Stadtarchiv in Eßlingen, Lade 320, FaS-
zikel 449.

Stuttgart, Buchdructerei der Akt.-Grs. »Deutsches Volkibla!!",
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