Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

Seite: 93
DOI Heft: 10.11588/diglit.15938.52
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15938.53
DOI Seite: 10.11588/diglit.15938#0104
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1905/0104
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
kscrausgegebcii und redigiert von Pfarrer Dctzel in St. Lbristina-Ravensbiirg.

Verlag des Rottenlnirgcr Diözesaii-Ailiistvereiiis;
Aommissioiisverlaa von Friedrich Alber in Ravensburg.

Jährlich 12 Nummern. Preis durch die Post halbjährlich M. 2.u5 ohne
IO Bestellgeld. Durch den Buchhandel sowie direkt von der Verlagshandlnng IQOs,
Friedrich Alber in Ravensburg pro Jahr M. 4.10. ' ^

Die Lcksche Kapelle und die darin
aufgedeckten alten Malereien iu
Mergentheim.

Von Pfarrer Detzel.

An die dem hl. Johannes dem Täufer
geweihte Stadtpfarrkirche zu Mergent-
heim (1250—1270), in cdtenl, früh-
gotischem Stile erbaut und in neuester
Zeit gelungen restauriert und durch Maler
Loosen schön ausgemalt, ist nördlich die
sogenannte Eck sehe Kapelle angebaut,
oder vielmehr — sollte man sagen — ist
die Kirche an die (früheste) Kapelle ange-
baut, da diese viel früher als die Kirche
existierte. Wie nämlich Herr Dekan Zeller
in Mergentheim mit vieler Mühe und Sach-
kenntnis ans dem Mergeutheimer Archiv
eruierte, nimmt die Stadt Mergentheim
ihren Ursprung von einem Marienbilde,
das ein Schafhirte aus Holz gefertigt
haben soll, und welches ungefähr im 8. und
9. Jahrhundert in einer Kapelle ausgestellt
war. Diese Kapelle wurde im 9. Jahr-
hundert von den Hunnen zerstört, aber
durch Beiträge frommer Christen wieder
aufgebaut. Zn der wieder errichteten

Kapelle und dem darin vorhandenen Bilde
entstanden bald aus verschiedenen fernen
Gegenden große Wallfahrten, welche Ver-
anlassung gaben, daß sich mehrere Men-
schen iu der Nähe dieser Kapelle ansiedel-
ten (Chronik 1160 — 1170), woraus dann
Mergentheim entstand. Im Jahre 1170
übergab einer der Gaugrafen des Tauber-
grundes, die unter den fränkischen Herzogen
standen, die Kapelle dem Stifte Würzburg
zu Lehen. Nach Erlöschen des fränki-

schen Herzogtums kam Mergentheim an
die Grafen von Hohenlohe.

Da die Wallfahrten zu der berühmten
Kapelle mit jedem Jahre znnahmen, wurden
von dem Hochmeister des Deutschherren-
ordens, Heinrich von Hohenlohe, einige
Dominikaner von Würzbnrg im Jahre
1243 hieher berufen, die dann ein eigenes
Kloster errichteten und in demselben ans
einem besonderen Altäre das vorher in
der Liebfrauenkapelle aufgestellte Marien-
bild aufstellten. Wenn auch nicht bestimmt
angegeben werden kann, ob im 12. Jahr-
hundert ein Priester bei der vorerwähnten
Kapelle angestellt war, so ist doch gewiß,
daß nebst der Kapelle, in welcher das
Marienbild aufgestellt war, noch eine
andere Kirche hier bestanden hat, und daß
im Jahre 1207 die Pfarrei mit vielen
Gütern, Gefällen und Patronat vom
Grafen Albrecht von Hohenlohe dem
Johanniterorden übergeben wurde. Von
den Johannitern wurden sechs Priester,
wovon einer Pfarrer war, in einem eige-
nen Hospiz mit Kost, Kleidung und Geld
verpflegt.

Die jetzige Pfarrkirche wurde in den
Jahren 1250 — 1273 im frühgotischen
Stile erbaut und es mußte schon im
Jahre 1282 diese neuerbaute Kirche er-
weitert werden. Der Umstand nun, daß
das nördliche Seitenschiff dieser Stadt-
pfarrkirche gegen Osten nicht durch eine
eigene Mauer, sondern durch die jetzige
Sakristeimauer, über welcher die Hoch-
meisterkapelle aufgebaut ist, abgeschlossen
ist, berechtigt wohl zum Schlüsse, daß die
Stadtpfarrkirche au die alte Kapelle an-
loading ...