Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

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1526 gestorben. Meister Peter v. Brei-
s n ch war hienach 1496 der Stadt Reut-
lingen Werkmeister, 1503, 1505 der Stadt
Werkmann, mar Bürger intb Steinmetz in
Reutlingen, verheiratet,besaß zwei Häuser in
der Stadt in der Barfüßergasse und einen
Weinberg in der Sommerbalde und baute
1505 die Kirche in Calw. Das ist alles
was mau sicher von ihm iveiß. Dazu
kommt seine Tätigkeit in der Marienkirche
als Bildhauer, die, wenn auch nicht ab-
solut sicher nachweisbar, doch höchst wahr-
scheinlich ist.

A. Klemm, rviirttembergischer Baumeister
und Bildhauer in württembergischen Bicrtel-
jahrshesten 1882, S. 124 identifiziert Mei-
sler Peter v. Breisach mit Walter Peter
von Cannstatt (1484—1519), diesen wie-
der mit Meister Peter v. Waiblingen
(1520) und (S. 128) mit Meister Peter
von Koblenz (in der Schweiz). Letzteres
ist entschieden falsch, denn der bei den
Restaurationsarbeiten der St. Amandus-
kirche in Urach aufgefnndene Grabstein
hat die Inschrift: anno Com. 1500 starb
der erbar Meister Peter, Stainme(tz) vo(n)
Koblenz. Der 1500 gestorbene Meister

Peter v. Koblenz und Meister Peters von
Breisach, der 1515 noch lebt, können
unmöglich eine Person sein. Aber auch
für die Identifizierung Meister Peter von
Breisach mit Peter Walter von Cannstatt
und Meister Peter v. Waiblingen fehlt
jeglicher stichhaltige Grund.

Literatur.

V o m R omanis ch en b i s z n m E m pire,
eine Wanderung durch die Kunstfornie»
dieser Stile von Anton Genemei», Kgl. Pro-
fessor und Direktor in München. Erster
Teil: Roinanischer Stil und Gotik, 144 Sei-
ten mit 295 Abbildungen. Preis karto-
niert Mk. 2.— .

Das Werk soll in zwei Teilen erscheinen, wo-
von der vorliegende de» romanischen und goti-
schen Stil enthält. Es verdankt seine Entstehung
„den vielfachen Nachfragen meiner seit bald
30 Jahren unterrichteten Schüler nach einem
kurzgefaßten, übersichtlichen Lehrbuch, welches alle
Formen vor Augen führt, die zum Erkennen eines
Stiles und dessen Einzelnperioden wichtig und
bedeutungsvoll sind". Das Buch ist in Text und
Illustration so praktisch belehrend, daß es auf
lebhaftes Interesse nicht nur bei den Jüngern
der Kunst und des Kunstgewerbes, sondern auch

! bei der Laienivelt Anspruch machen darf. Um
das Verständnis jedweder Kunstform zu erleichtern
! »nd auf die Dauer zu sichern, ist die Vorführung
dieser Formen in innstcrgültigen Reproduktionen
eine vergleichende und entwicklungsgeschichtliche.
Ter Verfasser begnügt sich nicht mit der Dar-
stellung und Erklärung der einzelnen Formen
als solche, sondern betrachtet sie als das Produkt
einer slntigen Entwicklung, bezw. eines fortschrei-
tenden Aus- und Niederganges, deren Zwischen-
stufen in fortlaufender Reihe veranschaulicht
werde». Es soll der Leser in den Stand gesetzt
werden, die täglich und stündlH vor Augen tre-
tenden Erzeugnisse der Architektur und des Kunst-
; gewerbes dieser Stilperioden richtig beurteilen
und eingliedern zu können. Der zweite Teil soll
in gleicher Anordnung und in gleicher Weise die
Stile von der italienischen Renaissance bis
: zum Empire behandeln. Wir sehen diesem zwei-
ten Teile mit besonderem Interesse entgegen, weil
eine praktische Vorführung der Spätstile in Wort
j und Bild heute ein ausgesprochenes Bedürfnis
ist. Was die Illustrationen anlangt, hat der
Verfasser sic zum größten Teile den verschieden-
sten kunst- und stilgeschichtlichen Werken entnommen
und diese am Ende eines jeden Bandes zusam-
inengestellt. Das Büchlein scckl rasch und sicher
in die Formendetails eines tausendjährigen Zeit-
raums einführen und wird sicherlich Interesse
und Verständnis für alle architektonischen und
kunstgewerblichen Schöpfungen wecken, ivelche ent-
standen find:

„Vom Romanischen bis zum Empire".

Detzel.

Die heilige Elisabeth. Ein schlichtes
Lebensbild zu den Wandgemälden Dl. v.
Schiviads im Elisabethengang der Wart-
burg von M a r i e 91 a s ch. Leipzig, Ver-
lag von Friedrich Jansa. Preis M. 1.50.
Ein überaus hübsches Büchlein. Die Fresken
von Moritz v Schwind, welche das Leben der
heiligen Elisabeth auf der Wartburg vorführen,
werden von dem Grafen v. Schack zu den schön-
sten Erzeugnissen deutscher Malerei gerechnet, als
Werke voll Kraft der Darstellung und Tiefe der
Empfindung. Hier haben wir sechs Darstellungen
in Farbeureprvduktion, welche uns sowohl die
herrlichen Kompositionen zeigen als die Farben-
schönheit der Originale ahnen lassen. Der Text
gibt ein wirklich schlichtes, kurzes, aber sehr an-
sprechendes Lebensbild der Heiligen. Alan hat
das Papsttum verantwortlich machen wollen und
Elisabeths Beichtvater die Schuld an ihrem frühen
Tode beigemessen — inan hat gesagt, daß
inan „eine Heilige mehr, aber eine Fürstin und
Mutter weniger gehabt durch ihn" — man hat
sie überspannt, ja geisteskrank genannt, unwcib-
tich selbst in ihren religiösen Schiväriiiereien.

Wie schön, ivie versöhnend klingt gegen solche
Betrachtungen und Anschuldigungen des Dichters
(Scheffel) schlichte Rede, die er der rosenstreuen-
den Ahnfrau in den Mund legt: „Verehrt ihr
mein Gedächtnis, so tut, wie ich getan, mein
heiliges Vermächtnis ist jeder sieche Alaun.. .."

Stuttgart, Buchdruckcrel der Akt.-Ges. »Deutsches Volksblait'^
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