Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 23.1905

Seite: 114
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Preis — eleg. gebunden 5 M. — er-
leichtert die Anschasfnng und empfiehlt das
Werk für Geschenkzivecke auch dann, wenn
man über keine reichen Mittel verfügt.

- In wenigen Fallen wird vielleicht der
schwäbische Leser zu den Ausführungen
Rothes' ein Fragezeichen machen. Er wird
sich erinnern, das; Drechsler in seinem
Aufsatz in einein früheren Fahrgang des
„Archivs" eine andere Ansicht über Dürers
Stellung zur. Reformation vertrat und
das; Probst, noch kurz vor seinem Tode
Jnsammenhänge zwiscben der Schiväbischen
und Kölner Schule nachwies, daß also
das Urteil über den künstlerischen Beitrag
Schivabens zur Berherrlichnng Aiariens
günstiger lauten dürfte — aber derartige
Ausstellungen heben den Wert des Buches
nicht auf, und man kann nur wünsche»,
das; der jugendliche Knnstsorscher mit dem
bisherigen Erfolg weilerarbeiten und auch
über den engen Kreis zünftiger Kunst-
kenner hinaus mit den; reichen Wissen,
das er besitzt, anregend und klärend wirken
möge.

Zur Griine'wuld-^orschilug.

Aon Max Bach.

Im Jahrgang 181)1) dieser Blätter Ar. 2
habe ich unter obigem Titel Bericht er-
stattet über einige neu erschienene Literatur
zur (Krünewald-Frage, jetzt tritt Franz
Bock im 54. Hest der „Studien zur Kunst-
geschichte" (11)04) mit einer umfangreichen
Arbeit: „Die Werke des Matthias Grüne-
wald" vor die Oeffentlichkeit. Obwohl
der Verfasser schon in; Vorwort erklärt,
ein Leben Grünewalds könne nicht ge-
schrieben werden, so hat er doch versucht,
ans seinen Werken eine ganze Biographie
zusainmenznlesen. In sechs Kapiteln ver-
folgt er dessen Werke, vom Oberrhein
ausgehend nach Nürnberg, in Aschasfen-
bnrg, wieder an; Oberrhein, wieder in
Aschassenburg und zuletzt in Mainz. Die
Methode, die er einschlägt, ist die der
reinen Stilvergleichnng und Stilkritik,
irgend welche dokninenlarische Belege stehen
ihm nicht zn Gebot. Man staunt über
die Kühnheit des Verfassers, de»; Meiner
Bilder zuzuschreiben, die iveit entfernt sind
von Grünewalds Eigentümlichkeiten, welche
ja sehr deutlich zn erkennen sind.

Da ist gleich das erste Werk, ivelches
Bock als Jngendleistnng Grüneivalds ans-
gibt; zwei Altarflügel im Straßburger
Mnsenin mit den Darstellungen der An-
betung und Verkündigung, ivelches ganz
richtig bisher als der Schule Schonganers
angehörig bezeichnet ivird, gewiß kein
Grünewald. Dagegen scheinen mir die
vier Tafeln in Alt-St. Peter zn Straß-
burg ganz gut ans Grünewald znrückzn-
führen sein. Gewagt und hypothetisch
ist dann aber die Zuwendung einer ganzen
Reihe von Bücherillnstrationen des Basler
Verlegers Bergmann v. Olpe, ivelcher die
Werke des Sebastian Brand verlegte; die
früher Dürer zngeschriebenen Illustrationen
zn Teranz und anderes. Daß Grünewald
mit Dürer gleichzeitig in Basel gearbeitet
haben soll, schließt Bock ans der Erlanger
Federzeichnung, welche einerseits eine hei-
lige Familie, anderseits ein Jngendporträt
Dürers darstellt, das er ohne weiteres
Grünewald znschreibt.

In diese erste Periode des Meisters
stellt dann Bock den Dominiknsaltar in;
Darmstädter Musen»;. Wer die beige-
gebenen guten Photographien aber ver-
gleicht, wird niemals an Grünewald
denken; auch Thode in seiner Abhandlung
über die Malerei am Mittelrhein in;
15. Jahrhundert bespricht die Bilder. Er
sagt ganz richtig: „daß ein so origineller
und schöpferischer Geist selbst in seiner
Jugend so vollständig in den Bann der
Schonganerischen Formensprache geraten
sei, ist schwer denkbar. Was man in
seinen früheste» Werken zu finden erwarten
müßte, weil es das entscheidend charak-
teristische und persönliche seiner Knust
später ist, wäre doch ein ausgesprochen
malerisches Element und eine den; land-
schaftliche» zugewiesene bedeutendere Rolle.
Beides aber findet sich in den Tafeln
nicht."

. Darin muß ich Thode vollständig bei-
pflichten. Uebrigens scheinen mir zweier-
lei Hände bei de»; Altarwerk tätig ge-
wesen. zu. sein; wer die schönen MönchS-
köpfe bei»; Tode des hl. Dominikus ge-
malt hat, kann ivohl kann; die technisch
und zeichnerisch ganz anders behandelten
Passionsdarstellungen gemalt haben.

Bock führt nun den Meister nach Nürn-
berg im Gefolge Dürers. Der Umstand,
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