Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 24.1906

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anderen Zeiten waren diese Orte van
Andächtigen nnd Wallfahrern besucht.
Ein Rund- oder Polygonal bau
eignete s i ch f ii r derartige Z w e cf e
ganz besonders, wenn es auch nicht
der ausschließliche Typus war, indem man
nebenbei zu der ungleich bedeutsameren
Kreuzgestalt griff.

Die Mitte eines solchen Zentralbaues
bat einen schicklichen Platz für Aufstellung
eines Sarkophags oder sonstigen Denk-
mals, wie sich denn bekanntlich auch das
heilige Grab in der Mitte des Rundbaues
zu Jerusalem befand. In letzterem sollte
die Erinnerung an die Erlösung gefeiert
werden, er hat deshalb die durch die
Rücksicht auf das Opfer bedingte Anlage
erhalten/) die Form eines architektoni-
schen Grabdenkmals — die Zentralform.

Manchem sonst noch vorhandenen kirch-
lichen Gebäude dieser Art mag die Idee
des Martyriums zu Grunde liegen. Es
ist eine für das Einzelgebet oder für be-
sondere Feierlichkeiten bestimmte Form;
denn noch nicht zur regelmäßigen Dar-
bringung des heiligen Opfers, nicht zur
Teilnahme der ganzen Gemeinde ist dieser
Raum vorhanden. D i e G r a b k i r ch e
i st ii o ch n i ch t Gemeindekir ch e.
Kein selbständiger Ort für die Kathedra
und die Sitze eines zahlreichen Presbyte-
riums, kein Ambo, auch nicht das für die
Aufnahme der ganzen Gemeinde berechnete
langgestreckte Schiff, noch die Halle der
Büßer ist da erforderlich. Es ist auch
kein ausgedehnter oder gar geteilter Chor
nötig; die Grabkirche nähert sich noch,
wie I. B. S. Lorenzo in Mailand, dem
reinen, konsequenten Zentralbau und ist
keineswegs den liturgischen Vorschriften
konform. Erst durch ein besonderes Altar-
haus, wie es die Kirche der heiligen
Sergius nnd Bacchus in Konstantinopet
und S. Vitale in Ravenna zeigen, werden
die Grundlinien des Zentralbaues zerstört,
wird gewissermaßen eine Trübung des
reinen Formengedankens hervorgerufen.

(Schluß folgt.)

Reliquienschatz des Liebfrnuenmünsters zu Aachen.
Aachen 1860. S. 43.

M Jakob, G., Die Kunst im Dienste der Kirche.
Ein Handbuch für Freunde der kirchlichen Kunst.
Vierte, verbesserte Auflage. Nebst Titelbild und
20 Tafel». Landshut I88.r>. S. 31.

Die Glockengießerkunst iit Stuttgart.

Von Theodor S ch ö n.

In der Residenz der Grafen von
W ü r t t e m b e r g, S t u t t g a r t, begegnen
uns frühzeitig Glockengießer. Die größte
Glocke in Württemberg, die 138 Zentner
schwere „Hosanna" in Weingarten, OA.
Ravensburg, wurde im Jahre 1490 von
Johann Ernst in Stuttgart gegossen.
Sie trägt die Inschrift:

Osanna heis ich
den Todten pfyf ich/)

Erst im Jahre 1552 erscheint wieder
in Stuttgart ein Glockengießer. Die be-
sonders große und schön klingende Glocke
in Aidlingen, OA. Böblingen, hat die
Inschrift:

Anna Josanna heis ich
ans dem Feuer flos ich
Friedrich K e ß l e r von Stuotgarten
gos mich. 1552.

Auf der mittleren Glocke in Weil im
Schönbuch, OA. Böblingen, steht:
Josanna heiß ich

Friedrich Keßler von Stuttgarten
gosz mich.

ANNO IVSZ (1552?).

Die erste Glocke in der Stadtpfarrkirche
zu Balingen hat die Inschrift:

aus dem Feir flos ich.

Friderich Kesler zu Stntgart gos mich
Anno 1557.

Die größere Glocke in .Dürrenmett-
stetteu, OA. Sulz, trägt die Inschrift:

Gott allein die Er.

Zn Stuttgart gos mich Friedrich
Keßler. 1563»

Auch goß Friedrich Keßler 1568 eine
Glocke zu Leidringen, OA. Sulz.

Die Hauptgußstätte für Alt-Württem-
berg scheint in jenen Jahren die des Fried-
rich Keßler in Stuttgart gewesen zu sein/)

Nach v. Georgii-Georgenan, württ.
Dienerbuch, S. 564 war: „uff Georgii
1607 Bichßengießer Friedrich Keßler,
-j- 1616 22. Sept. Mittags zwischen
11 nnd 12 Uhr."

/ „Diözesanarchiv" 10. 44. — Nach Pfister,
Uebersicht der Geschichte von Schwaben, Seite 331,
war dieser Hans Ernst von Heiinsheini, Ober-
amt Lconberg.

/ A. Klemm in „Aus dem Schwarzwald" II,
S. !>4.
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