Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 24.1906

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Monstranz, ein Ziborium, ein Kreuz mit
einem'Kreuzpartikel, ein Kreuz mit Re-
liquien, zwei Kelche mit Zubehör, zwei
silberne Leuchter, ein silbernes Rauchfaß,
ein Glöcklein, nenn Meßgewänder samt
zugehörigen Korporalen, Kelchtücher und
überhaupt zum Altar gehörige Effekten,
von welchem allein bei der Transportierung
ein genaues Inventar begriffen werden
soll. Um l llhr verließen wir in mög-
lichster Stille das Haus.

Samstag den 26. Sept. nachmittags
37« llhr ließ mich Graf Montmartin zu
lieh rufen und eröffnet« mir, der Herzog
lasse mir sagen, das Schloß am Frisoni-
scheu Gartenhaus, wozu der Schlüssel
fehle, wegmachen zu lassen imb die er-
haltene Ordre zu vollziehen.

Darauf machte ich meine Anstalten.
Den Trabantenlentuant Graf Fugger,
Sergeant Schivebel vom Trabantenkorps,
Sergeant Rose von den Schloßportiers
samt allen noch hier in sechs Mann be-
stehenden Portiers kommandierte ich, bis
abends 8 7a llhr im Schloßhof zu er-
scheinen. Desgleichen erhielt der Kastellan
Elesea, sein Sohn, der Lichterjnnge, zwei
Kastellaneimägde, der Aschenträger Spar-
rer.nnd Johannes Drerler diesen Befehl.
Um 9 llhr mußte der Sei'geant Rose
nebst drei Portiers den bestinnnten Posten
im Schloß besetzen. Einer hatte den
Posten, die zivei andern hingegen mußten
fleißig im Schloßhof patrouillieren, um
in Zeiten dient vorzubeugen. Des Kastel-
lans Sohn hingegen hatte in den zum
Depot gewidmeten Zimmern zu verbleiben,
um sogleich alles, ivas hereingeschafft
wurde, genau aufznschreiben?)

(Fortsetzung folgt.)

Der neue protestantische Dom in
Berlin.

Von K. K.

(Schluß.)

Soviel geht aus allen ernst zu nehmen-
den Aeußernngen und Urteilen von pro-
testantischer Seite über den neuen Berliner
Doiu unzweifelhaft hervor, daß dort die
Freude nicht ungemischt ist. Ja man be-
findet sich förmlich in Verlegenheit, wenn

U Der Lichterjnnge war, wie aus dem nach-
stehenden erhellt, auch bei der Leerung der Kirche.

inan über dieses Prachtbauiverk int Ver-
hältnis zu seinem Zwecke sprechen soll.
Sehen wir uns zu diesem Behuf« den
Aufsatz im „Christlichen Kunstblatt", Or-
gan des protestantischen württembergischen
Kirchenkunstvereins, etwas an. Darin ist
gar alles intb noch Einiges gesagt, und
schließlich hat man trotz alledem nichts
Positives, nichts Klares, kein Urteil: der
beste Beweis dafür, daß in den nicht
höfischen Kreisen des Protestantismus die
Enttäuschung über den Berliner Dom
nicht gering, das Mißbehagen groß ist —
was lvürde erst alles gesagt und nicht
verschwiegen iverden, ivenn es sich nicht
um die Rücksichten auf das protestantische
Kaiserhaus handelte!

Zunächst wird darin protestiert gegen die
„Ueberschätzung der nativnalkirchlichen Be-
deutung des Dontes" und mit Nachdruck
erklärt: „Die Idee eines im Deutschen

Reich obersten Kirchengebäudes ist unpro-
testantisch; vom evangelischen Kirchenbegriff
aits hat der Berliner Dom lediglich keine
Sonderbedentung. Er ist nicht ein-
mal primus inter pares." In diesem
Satz steckt die schärfste Kritik des Dontes;
würde der Bau mit den Vorstellungen und
Anschaltungen protestantisch - theologischer
Kreise übereinstimmen, lvürde er einen
glänzenden Erfolg der spezifisch protestan-
tischen Kirchenbaukunst darstellen, dann
wollten ivir sehen, lvie ihn dieselben Kreise
als den ersten deutschen protestantischen
Dont feiern und erheben würden!

Dann wird konstatiert: „im neuen Ber-
liner Dom scheint nicht die geringste Spur
von modernem evangelischen Kirchen-
baubegriff zum Ausdruck gekommen zu
sein", und es wird dies damit motiviert,
dieser Kirchenbaubegriff sei zur Zeit, da
man die Pläne des Domes beriet, noch
nicht an deit grünen Tisch gelangt; ja er
sei zit jener Zeit noch überhaupt tarnt
vorhanden gewesen.

Dann werden verschiedene Stimmen
aus anderen Blättern zitiert, darunter
auch der rabiate Zorneserguß Willy Pa-
stors in der „Täglichen Rnndschan" HoenS-
broechs (die im gleichen Atemzuge, und
nicht einmal in Parenthese, vom Verfasser
des Artikels, dem Herausgeber des „Christ-
lichen Kunstblatts", Pfarrer D. Koch,
den Lesern empfohlen wird), wobei
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