Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 24.1906

Seite: 44
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lungießen zu lassen, ertheilt.Z Dadurch
mal' das Gcneralrcskript vom 26. Mai
3 732? thatsächlich aufgehoben und das
Monopol der einheimischen Glockengießer
durchbrochen.

<£iu Ziborium

von Hugo Weher, dem Neffen des be-
kannten Inhabers der Werkstätte für kirch-
liche Gerate und Gefäße, Eduard Zieher
iii.Biberach, angefertigt von crsterem Herrn
als „Meisterstück" zum Antritt seines
Geschäftes, bringt die heutige Nummer deS
„Archivs" als Knnstbeilage.

Das Ziborium ist in romanischem
Stile gehalten, wobei freilich die im
Sechseck anfgebaute krönende Tnrmpyra-
niide mit den Krabben schon ganz dem
llebergangSstil zuneigt. Das Material ist
Feinsilber, die Knppa gedrückt, alles übrige
Handarbeit, so insbesondere der Aufsatz,
der durchbrochene Knauf, welcher rein
romanische Motive zeigt, und der Schaft,
welcher teilweise ungewöhnlich reich ge-
schmückt ist, endlich der Fuß mit seiner
ebenfalls reichsten Fülle von Ornamenten
in Tiefgraviernng, Email, Filigranschmnck
und Steincn verschiedener Art und Farbe.
Das alles zusammen hat eine prachtvolle
Wirkung, und, was »och weit mehr wert,
was die Hauptsache ist: cs ist alles solid
und streng nach de» Regeln des Kunst-
handwerks gearbeitet. Das läßt sich leider
durchaus nicht von jedein Stücke moderner
kirchlicher Metallkunst sagen, wenn es auch
nach Umständen recht protzig „wirkungs-
voll" in die erste Erscheinung tritt. Alan
kann die Details an dem Ziborium ge-
nanestens auch mit der Lupe ansehen, so
besonders die überaus korrekten Filigran-
ornamente, man wird finden, daß dies
eine Muster- und Aleisterarbeit ist. Nur
schade, daß die — von einem betreffenden
Geschäft bezogenen drei Figurenmedaillons
ans dem Fuße ttzerz Jesu und Alariä,
der hl. Joseph) auch gar so niodern, sagen
wir fast sentimental gehalten sind — z. B.
der Kopf von St. Joseph — und mit!
dem Stil deshalb nichts gemeinsam haben. I
Auch daraus sei der junge, fleißige und

M Handschriftliche Notiz.

arbeitsbegeisterte Künstler aufmerksam ge-
macht, daß die gravierte Umschrift um die
Knppa modern ist, nicht aber im roma-
nischen Stil gehalten. In diesein Punkte
wird ja, wie wir das schon früher einmal
im „Archiv" beklagt haben, von Malern
und Bildhauern wie von den Metall-
künstlern immer noch oft gegen die primi-
tivsten Grundsätze der Stilknnde gesündigt;
eine bezügliche gedruckte kleine Anweisung
mit Illustrationen wäre dringendst zu
wünschen.

Schließlich noch Eines. Wenn wir mit
Freude uitd ans vollster kleberzeugung
konstatieren können, daß Herr Zieher je.
an dem prachtvollen Ziborium, das ans
seinem Atelier hervorging, sich als Meister
in der praktischen Ausübung seines Knnst-
j Handwerks bewährt hat, so möchten wir
hoffen und wünschen, daß er in der
geistigen Beherrschung der Stilformen
und in der selbständigen Berwer-
tung derselben, wie in der noch größeren
Kunst der Komposition in reinen und voll-
kommenen Verhältnissen, in wirklicher Har-
monie aller Teile es auch zur vollen Bleister-
schnft bringt. Diese Vereinigung der
Meisterschaft im Entwerfen wie in der
Technik findet sich selten; in unserem Lande
bezw. im Gebiete der kirchlichen Metall-
kunst steht Goldschmied Hngger in Nott-
weil nach dem Urteil aller Kenner hierin
immer noch unerreicht obenan; das soll
nicht ans persönlichen Motiven, sondern
im Interesse der wirklichen Kunst kon-
statiert werden.

Annoncen.

Marlenchier,

feinst polierte, in Mrsting und Rvkgusz,

noch Zeichnung des f Herrn Prnl. Schwärs,
von IN cm Höhe an;

DsterKee^euleuchter,

bis zu 1,80 m hoch, verfertigt

Aoseph Nedkmayr,

Metallgießer, Lllwangrm a. d. Jagst.

Preislisten, Entwürfe, Empfehlungen stehen
zn Diensten.

H i e z n eine .U unstbeilage: Gilb e r n e s
Z i b o r i u »i von H. Z i e l> c r, Bibern ch.

Stuttgart, Buchdruckerei der Sllt.-Ecs. „Deutsches Bellsdtutt".
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