Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 24.1906

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Meßgewand befindet sich das toskanische
Wappen.

Im herzoglichen Schloß ans dem ober»
Boden des vorderen Geheiinsekretariats
befinden sich: die zum heiligen Grab er-
forderlichen Bögen, Kugeln, Lampen und
was noch dazu gehört; die zu Aufführung
einer Krippe erforderlichen Reguisiten.

Bald kamen wieder bessere Zeiten für
die hiesigen Katholiken. Die Aufklärungs-
Periode des ausgehenden 18. Jahrhunderts
ging auch au Altwürttemberg nicht spnr-
los vorüber. Vom Jahre 1776 au finden
wir hier ein förmlich geführtes Toten-
register, die Kranken und Sterbenden wer-
den rechtmäßig versehen und überhaupt
stellen sich auch die Zeichen der öffentlichen
Religiousübnng wieder ein. Die Leiche
der 1777 -[- 19jährigen Maria Katharina
Tambnrini begleiteten sowohl Katholiken
als Protestanten, bei 409 Personen. Ihr
Todestag wird in der Kapelle öffentlich
verkündet und mit einer heiligen Messe
gefeiert. Ebenso wurde es bei der 1799
ch Frau Margareta Ringler, geb. Walcher,
Frau des Direktors der Porzellanfabrik,
die in Hofen beerdigt wurde, gehalten.

Am 20. Februar 1783 starb das Fräu-
lein Luise von Martinengo, des Eimsen
von Martinengo Tochter, und am 21. März
dessen Sohn Alexander. Auf seine Bitte
wurde gestattet, bei beiden Leichen mit der
großen Glocke (zum erstenmal bei einem
Katholiken) auf der Stadtkirche läuten
lassen zu dürfen. Am 26. Januar 1784
erhielt Hofprediger Probst (wohnte im
Pavillon der eingegangenen katholischen
Kirche) durch den Hofkaplan Schluß die
Willensmeinung des Herzogs, daß man
sich für die Zukunft der Kapuziner ent-
halten solle. Der Chronist setzt bei: Nec
Stutgardiae nec hic observatur. lleber-
hanpt spürte man auch hier den Geist des
Josephinismus. Es durfte kein heiliges
Grab mehr errichtet werden, Kerzen da-
gegen könne man anstecken, so viel man
wolle. Die Feierlichkeit Corporis Christi
soll ans die gewöhnliche Art hier abge-
halten werden.

Unterm 20. Juni 1785 erhielt die
Hofkapelle vonr Herzog die Erlaubnis,
die Orgel schlagen lassen zu dürfen. Das
erstemal wurde sie geschlagen am Feste
Johannis des Täufers.

cl) BoIN Tode des Herzogs Karl
Eugen 1 79 3 bis znm Wiede rein-
zng in die Schloßkapelle 1 82 9.

Mit dem am 23. Dezember 1 797 er-
folgten Absterben des letzten katholischen
Herzogs Friedrich Eugen hörte der katho-
lische Gottesdienst in der Schloßkirche ans
und an Pfingsten 1799 wurde der erste
evangelische in derselben gehalten.

Den Katholiken Lndwigsbnrgs aber
wurde mit Dekret voin 19. Februar 1798
zu ihrem Gottesdienste ein Saal in der
jetzigen Kanzleikaserne (Kasernenkirchlein
im Ringhof) eingeränmt. „Das gerade
Unentbehrlichste an kirchlichen Gerätschaften
und Ornaten" durften die hiesigen Katho-
liken und die Katholiken Stuttgarts ans
der Ludwigsburger Schloßkirche in ihre
Betsäle mitnehmen. Der größte Teil aber
des Kirchenschatzes wurde laut Zeugnisses
des katholischen Hofpredigers Mercy am
25. Mai 1798 an die Gewölbsverwal-
tnng in Stuttgart abgegeben:

1. Ein reicher Ornat, bestehend in
1 Pluvial von schönem Zeug ohne Borten
mit einem silbervergoldeten Schloß und
einer großen, goldenen Kreppinqnaste;
I Meßgewand, 2 Levitcnröcke mit bunten
Blumen, ohne Borten, an jedem 3 goldene
Kreppingnasten nebst 2 Stolen, 2 Mani-
peln, Kelchtnch und Znbehörde. 1 Meß-
gewand, 2 Stolen, 2 Manipel und Kelch-
tuch wurden zur Ausstattung des Sarges
der lotgeborenen Prinzessin abgegeben.

2. 2 Levitenröcke, mit bunten Blumen
und goldenen Borten besetzt, nebst I Ma-
nipel. Laut Urkunde vom 20. August
1798 an den Inden Veit Hahn für 132 fl.
verkauft.

3. Einreicher roter Ornat mit goldenen
Blumen und goldenen Borten, bestehend
ans 1 Meßgewand, 2 Levitenröcken, 2
Stolen, 2 Manipeln und 1 Kelchtnch nebst
Zubehörde.

4. 2 Levitenröcke, mit bunten Blumen
und goldenen Borten besetzt.

5. 2 Levitenröcke, mit goldenen Borten
besetzt.

6. 2 grüne Levitenröcke, mit silbernen
Borten besetzt.

Nachdem von Nr. 3, 4, 5 und 6 die
Borten abgetrennt und zur Münze abge-
geben worden waren, wurden die Meß-
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