Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 24.1906

Seite: 56
DOI Heft: 10.11588/diglit.15939.27
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15939.31
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15939.32
DOI Seite: 10.11588/diglit.15939#0067
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1906/0067
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
um Besorgung verschiedener Austrüge in Rom.
G. hatte einen Teil seiner Effekten in Rom zn-
ruckgelassen, für deren Verpackung und Rücksendung
er nun die guten Dienste seines Freundes in
Anspruch nimmt. Ist die Zuschrift auch nicht
von besonderer Bedeutung, so lernt man doch
daraus G. als einen froh- und gutmütigen,
liebenswürdigen Mann kennen. Die Handschrift
Gegenbanrs ist klein und zierlich.

„Wangen, de» 4. Dez. 1835.

Lieber Bravo!

Um Dir nicht eine langweilige Wiederholung
von einem Briese zu machen, welchen ich so eben
an den HE. Kolb') schrieb, und welcher Dir zu-
gleich auch diese Zeilen von mir überbringen soll,
ersuche ich Dich, Dir denselben zeigen zn laßen,
damit Dn ans dem Jnnhalte dessen erkennen
mögest, in welch einer fatalen Verlegenheit ich
mich befinde, mir nehmlich einen großen Theil
meiner in Rom liegenden Effekten hiehcr kommen
laßen zu müßen. — Du bist der einzige, von
dein ich überzeugt bin, daß er mir hierin» mit
Rath lind That an die Hand gehen kann. Ich
bitte Dich also, nnd beschwöre Dich Beim heiligen
St. Antonius, mir dieses Opfer zu bringen, nnd
Dich mit HE. Kolb nnd seinen Leuten über die
Verpackung meiner Sachen gefall, bespreche» zn
ivollen, und wenn es Dir alsdann gelegen seyn
sollte,'bei Anordnung derselben, ein paar Cigarren
auf meinem Zimmer zn rauchen, so überlaße ich
Dir für Dein gütiges Bemühen

1. Die kleine Skitze zu einer liegenden Venus,

2. einen auf weißen Mauergrund, etivas
nnter Lebensgroße, gemalten iveibl. Kopf, so
ivie verschiedene vorhandene Proben in Fresko,
ivenn Du sie annehmen willst, nnd

3. ein paar Stasfelepen, wenn Dn sie brau-
chen kannst, nebst einer runden blechernen
Büchse voll des köstlichsten Rauchtabaks, mit
meinem herzlichsten Tanke.

In der Hoffnung, daß Du meine Bitte nicht
zurückweisen wirst, grüße ich Dich srenndschastlichst,
und bitte zugleich noch alle meine Freunde daselbst
recht herzlich von mir zu grüßen.

Dein

treuer Freund
Gegenbaur.

NB. Roch ersuche ich Dich, ivenn Du mit
meinen Hausleuten sprichst, wegen meines") ...
das mit denselben sehr gut bekannt ist, die in
HE. Äolbs Schreiben") . . . bezeichnete Vorsicht
streng zu beobachten!!!

ackio!"

Adresse (auf der Außenseite):

Seiner

Wohlgeboren des Herrn Bravo,

Malers

') Karl Kolb, geb. zu Aachen 1800, Kunst-
freund nnd langjähriger württembergischer Konsul
zn Rom, in dessen Hanse Gegenbaur viel verkehrte,
-s- in Rom i. I. 1808.

'-’) Die hier gestandenen Worte sind im Originale
des Briefes bernnsgerissen.

Die Aufstellung der Zwiefaltener Orgel
in der Stuttgarter Stiftskirche (807/06.

Von Dr. Giesel.

König Friedrich von Württemberg hatte im
Herbst 1807 verfügt, daß die große Orgel der
1803 aufgehobenen Klosterkirche Zwiefalten in
die Stiftskirche nach Stuttgart versetzt werde.
Abbruch und Uebersührnng derselben vollzog sich
1807/08 unter der Aufsicht des Stuttgarter Hof-
musikdirektors Knecht, dem 4 Orgelmacher bei-
gegeben waren. Die Aufstellung selbst in der
Stiftskirche war dein Hoforgelmacher Pfeiffer
in Stuttgart übertragen. „Sollte bei diesem
Geschäfte wider Vermuten ein schwieriger Fall
eintreten, so sei der Orgclmacher Walker in
Cannstatt, welcher der beste Orgelmacher im
Königreiche sei, zn Rate zu ziehen." Transport-
nnd Äufstellnngskosten beliefen sich ans 7955 sl.

Die Orgeltribüne in Zwiefalten war mit
einem eisernen Brnstgeländer, das ein Meisterstück
der Schmiedeisenkunst war, umgeben. Auch dieses
machte die Wanderung nach Stuttgart mit.

Ärmst.

In der Kunstzeitschrift „Die christliche Kunst"
waren kürzlich verschiedene Werke von Jos.Gnnter-
mann veröffentlicht worden. Dieser Künstler,
ein Westfale, verdient es, daß auf sein Schaffen
auch weitere Kreise aufmerksam geniacht werden.
Sein Deckengemälde in der Aussegnnngshnlle
des östlichen Friedhofs in München ist ein gran-
dioses Werk, nicht minder wirkungsvoll sind seine
Wandmalereien in der Kirche zn Schloßberg bei
Rosenheim. Zur Zeit arbeitet'Guntermann an
einem Kreuzweg für eine katholische Kirche in
Iserlohn i. W. Von all diesen Bildern hat die
Gesellschaft für christliche Kunst in München, die
auch die genannte Zeitschrift herausgibt, eine
Answahl in Form von Künstlerpostknrten in
Mezzotinto Gravüre erscheinen lassen. Es ist
dies sehr zn begrüßen, da durch solch billige
Reproduktionen sich jeder leicht mit hervorragenden
Kunstwerken bekannt machen kann. Die vor-
liegenden Karten sind vorzüglich ansgeführt und
werden gewiß viele Freunde finden. Preis
a 15 Pfennig (die ganze Serie, 10 Nummern
umfassend, kostet 1.35 Mk.).

Annoncen.

feinst polierte, in Messing nnd Rvtgust,
nach Zeichnung des P Herrn Präl. Schwärst
von 19 cm Höhe an;

Msterkeezeulenehier,

bis zn 1,80 m hoch, verfertigt

Aoscph Gedlmgyv,

Metallgießer, Ellwangrn a. d. Jagst.
Preisliste», Entwürfe, Empfehlungen stehen
zn Diensten.

Stuttgart, Auchdruckerei der Alt.-Ges. „Deutsches AollSblatl".
loading ...