Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 24.1906

Seite: 63
DOI Heft: 10.11588/diglit.15939.33
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15939.36
DOI Seite: 10.11588/diglit.15939#0074
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1906/0074
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Velum 1 Stück, Levitenröcke 5 Stücke,
Manipeln 3 8 Stücke, Stolen 19 Stücke,
Kelchdeckel 45 Stücke.

V o l! M e r yi enlhei m (Deutschorden
und Klöster): Dießgeivänder 175 Stücke,
Levitenröcke 38 Stücke, Pluviale 19 Stücke.

Zn bemerken ist, daß nur die Pracht-
stücke ans den aufgehobenen Klöstern nach
Stuttgart abgeliefert werden mußten. Das
Minderwertige blieb an Ort und Stelle
zurück. Der damalige Hoftapezier Richard
benützte die kostbaren kirchlichen Gewänder
und Paramente zu Drapierung der Thion-
hinnnel, Sessel, Fenstervorhängen rc. der
Schlösser in Stuttgart und Lndwigsburg.

Eine Gottesdienstordnung wurde damals
festgesetzt. Sonntag morgens 8 Uhr wird
eine Messe gelesen, sodann der evangelische
Gottesdienst von 9—10'/* Uhr gehalten.
Die übrigen Vormittagsstunden werden
den Katholiken zu einer Predigt unb j
zweiten Messe wenn solche von Nöte», 1
überlassen. Nachmittags wird der evan- |
gelische Gottesdienst von 1—2 Uhr ge-
halten, worauf die katholische Vesper-
andacht beginnt. Diese zwischen der pro-
testantischen Militärgemeinde und den '
hiesigen Katholiken gemeinsame Benützung j
der Kirche dauerte bis znm Jahre 1829. '
Am 11. Oktober dieses Jahrs wurde den
Katholiken Lndwigsbnrgs vermöge höchster
Entschließung die, wie oben gesagt ist, |
bis znm Jahre 1798 zum katholischen
Gottesdienste benützte Schloßkirche als
Pfarrkirche eingeränuit. Voraussichtlich
zieht im Laufe des Jahres 1906 die
katholische Gemeinde Lndwigsbnrgs in die
alte Garnisonkirche — seit 1903 ist von j
der evangelischen Militärgemeinde die neu .
erbaute Garnisonkirche auf dem Karls-
platze bezogen — als in ihre nunmehrige
Pfarrkirche wieder ein. Somit sind
77 Jahre verflossen, seitdem diese Kirche
anfgehört hat, katholische Pfarrkirche zu
sein.

Die Lndwigsburger katholische Gemeinde
ist die älteste altwürttembergische katho-
lische Gemeinde, da seit 1710 hier un-
unterbrochen katholischer Gottesdienst ge-
halten wurdx. Von den katholischen Fa-
milien, die im 18. Jahrhundert hier an-
sässig waren, gehören noch bis ans den
heutigen Tag die Familien Probst und
Brentano der katholischen Kirche an,

während die Familien Frisoni, Ringler,
Walcher, v. Phull und Brost schon bei
Schluß des 18. Jahrhunderts infolge von
Mischehen zur evangelischen Kirche zählen;
ein Mainone von hier war 1785 Reichs-
kannnergerichtsprokurator in Wetzlar.

Weiter wurde im Zucht- und Waisen-
haus und für die Soldaten auf dem
Asperg katholischer Gottesdienst eingeführt.

Im Jahre 1746 um die österliche Zeit
wurde der Hofkaplan in das Zucht- und
Waisenhaus berufen,, um die dortigen
Katholiken Beicht zu hören. Seit An-
fang des Jahres 1811 wurde auch hier-
ein eigener Gottesdienst eingefnhrt und
der Garnisongeistliche mit Haltung des-
selben beauftragt. Die noch abgängigen
kirchlichen Gerätschaften und Paramente
wurden aus aufgehobenen Kirchen und
Klöstern geliefert. So stanunen ans der
Schloßkapelle zu Kapfenburg ein altare
portatile, drei Meßgewänder und zwei
Chorröcke, aus der Schloßkapelle in
Neckarsnlm drei Meßgewänder, ein silber-
vergoldeter Kelch und ein hölzernes Kru-
zifix und aus der Schloßkapelle in Kochen-
dorf ein weiteres Kruzifix.

Am 27. Mai 1779 wurde Hofkaplan
Seiz von dem Oberst und Kommandanten
v. Rieger auf die Festung Asperg befohlen,
nur daselbst nebst einigen Soldaten die
Galioten Beicht zu hören und zu kom-
munizieren. „Das war der erste Akt dieser
Art." Derselbe wiederholte sich am 29. De-
zember desselben Jahres, uw in einem
dazu bestimmten Zimmer ein Altar anf-
geschlagen und Messe, auch eine Anrede
gehalten wurde: Alles clausis januis

und in möglichster Stille. Hofkaplan Seiz
bemerkte: Gratiosissimo d. de Rieger
sit honor et gratiarum actio pro tanta
pietate!

DerKaisersheimerExkonventnal Cölestin
Eichner, Stadtpfarrer von Ludwigsburg
1812—1832, bemühte sich gleich im ersten
Jahre seiner Anstellung, die lästige Pasto-
ration der Festung Hohenasperg abzn-
wälzen, die damals 356 Katholiken zählte.
Unterm 24. Dezember 1812 wurde ihnt
ein beständiger Vikar beigegeben, der die
Seelsorge auf Hohenasperg übernehmen
mußte. Znm ersten Pfarrvikar wurde
Lndivig Ochs ans Oedheim, Vikar in
Neuhansen auf den Fildern, ernannt. Das
loading ...