Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 24.1906

Seite: 73
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cöhservatorib(us) eorum. . . .« Auch
Altäre scheinen i» den Scholae aufge-
stellt gewesen zn sein. Eine Schola
aus Lambnesa trägt die Inschrift:
»6enio scliolae I,. Jul(ius) Crescen-
lian(us) qfuacstor seil, collegii) arulas
cum statunculis coll(egio) donavit.«

Diese Scholae, oblonge Rännie mit
anschließender Apsis, waren nach Lange
die Vorbilder der ältesten christlichen
Betsäle und Kirchen. Landes Standpunkt
in der Frage ist von Einseitigkeit in-
sofern frei, als er auch den antiken
öffentlichen Basiliken einen her-
vorragenden Einfluß ans die Bildung des
christlichen Basilikenstiles einräumt. „Das
epochemachende Ereignis für die kirchliche
Baukunst" war nach seiner Ansicht der
„Uebergang von dem einschiffigen Saale
zu dem dreischisfigen, von der Schola
zur Basilika" (S. 309). Ob freilich die
beiden Bauarten zeitlich so streng ge-
schieden iverden können, wie Lange dies
tut, scheint uns fraglich zn sein. Wenn
er meint, daß die ca. 40 Kirchen, welche
in den ersten Jahren Konstantins in Nom
bestanden, nur einschisfige Räume mit
halbrunden Apsiden, also Nachbildungen
der Scholae gewesen seien, so scheint uns
dieses eben nur eine Vermutung zn sein.
Aber darin können wir mit Lange nberein-
stimmen, wenn er nicht nur die öffent-
lichen, sondern auch die privaten Basiliken,
d. H. die Prachtsäle des römischen Hauses
als ein Glied in der Entwicklung der >
altchristlichen Basilika gellen läßt. „Die
Kombination von einschiffigem
Oblong und h a l b r n n d e r A p s i s
war in der römischen Architektur
nberha np t v o l l ko m m en ga n g und
g ä b e. Abgesehen von den Scholae kam
sie auch in Thermen, Gymnasien, Villen,
Palästen (Billa Adiiana, Villa zn Her-
enlannm, Flavierpalast und dem Palatin, i
sog. „Auditorium" des Maecenas, Villen !
des jüngeren Plinins), besonders auch in >
Tempeln (Venns und Roma in Nom, !
Fortunatempel in Pompeji, Psendobasilika j
von Palmyra) so oft vor; cs wurden in
diesem Schema selbst Säle in so großem
Maßstabe („Basilika" von Trier, Per-
gamon, Argos ii. s. w.) hergestellt, daß
die Christen sich lange Zeit mit
Gebäuden dies e r Art behelf e n

konnten, ohne auch nur an di e
N a ch a h m n n g e i n e r a ii d e r n Ge-
büudegattung denken zn müssen"
(Lange l. c. S. 297). *) Dieser Standpunkt
scheint nicht bloß sehr weitsichtig zu sein,
sondern auch den Tatsachen und der
Wirklichkeit am besten zn entsprechen.

Messmer und Reber haben das Ver-
dienst, namentlich auf die Bedeutung der
p r i v a t e n B a s i l i k a für die Urform der
christlichen Kirche hingewiesen zn haben.
Daß die Basilika des römischen Privat-
palastes den christlichen Gemeinden in der
Zeit vor Konstantin als gottesdienstlicher
Versammlungsort diente, ist durch mehr-
fache geschichtliche Zeugnisse außer Zweifel
gestellt. Die Häuser des Senators Pn-
dens, der hl. Cäcilia, Lncina, Anastasia
n. s. w. waren nach der Tradition die
Stätten für die Zusammenkünfte und den
Gottesdienst der römischen Christen. Im
Jahre 1862 wurde die Privatbasilika
eines römischen Hauses neben der Fla-
vischen Domus auf dem Palatin anf-
gedcckt, die sog. Basilika Jovis. An der
westlichen Schmalseite zeigte dieselbe eine
halbkreisförmige Apsis; an der Rückseite
führten zwei Treppen zn dem erhöhten
Podium. Von den Enden der Apsis
gingen zwei fünfgliedrige Sänlenstellnngen
ans. Aus diesem einen Beispiel lassen
sich freilich allgemeine und sichere Folge-
rungen nicht ableiten. Aber als E n t w i ck-
lnngsglied in der Entstehung des christ-
lichen Basilikenstiles muß die private
Basilika ans Grund der genannten Tat-
sachen doch angesehen werden, wenn sie
auch nicht als ausschließliches Muster be-
zeichnet werden kann. Das gleiche trifft zu
bei der s o r e n s i s ch e n Basilika, welche
die Stileigentümlichkeiten der christlichen
Basilika, soweit sie in größerer und
reicherer Anlage ansgeführt war, in aus-
geprägter Fonn anfweist: Apsis im Halb-
kreis und oblonge Grundfläche, umgeben
von Säulenhallen. L. B. Alberti, der
die christliche Urkirche als Erster von der
forensischen Basilika ableitete, hat nur
darin gefehlt, daß er zn einseitig andere
EntwicklnngSsaktoren außer Neehnnng läßt.
Auch das Fehlerhafte von Zestermanns

’) Dagegen erscheint uns der kirchengeschichtlich-
exegetische Exkurs Langes zu der Frage in vielen
Punkten sehr anfechtbar.
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