Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 24.1906

Seite: 91
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folgen werden, allein dieselben liegen nicht
bei den Archivalien.

Sämtliche Wertgegenstände der Ell-
wanger Stiftskirche wanderten im Januar
1803, in sieben Kisten verpackt, in das
herzogliche Palais nach Ludwigsburg,
wofür seitens des Kastellans bescheinigt
wurde.

Goldschmiedarbeiten in der Stifts-
kirche in Romburg.

In der Stiftskirche in Komburg sind
noch drei silberne Kelche von dem
einstigen großen Kirchenschatz vorhanden
aus der Zeit des adeligen Chorherrnstifts.
Alle drei Kelche tragen die Augsburger
Marke: Pinienzapfen.

Der eine dieser Kelche (für den Kaplan
daselbst bestimmt) trägt das Meisterzeichen
CXS — Caspar Xaver Stippel-
d e y. Unter dem Beschanzeichen ist der
Buchstabe E ein geprägt, was ans die Jahre
1741—43 seiner Entstehung hinweist (ck.
„Archiv" 1904 S. 99 n: 48). Derselbe
zeigt Barockfori».

Der zweite Kelch, welcher an den Sonn-
tagen zur Verwendung kommt, hat das
Kontrollzeichen mit dem Buchstaben O,
G I

das Meisterzeichen ^ ; wurde also von

dem Augsburger Goldschmied G e o r g
Ignaz Bauer in den Jahren 1759—61
ansgeführt und zwar in Nokokoform. (Auch
der Kelch in der Spitalkapelle in Steiu-
bach ist aus seiner Werkstatt hervorge-
gangen.)

Der dritte Kelch für die Festtage, eben-
falls in Nokokoform, trägt auch die Augs-
burger Marke und dazu das Meisterzeichen
1. V., welches wir nicht in Nosenberg
(Marc, der Goldschmiede Merkzeichen 1890)
auffinden konnten.

Die Ai on st ranz in der Stiftskirche,
welche in die Klosterkirche der Kapuziner
in Klein - Komburg von Johann Georg
Weißlinger von Gschlachtenbretzingen ge-
stiftet worden war, ist nach dem Chrono-
gramm 1774 von Johann Georg Bauer,
Goldschmied in Augsburg, angefertigt (cf.
„Archiv" 1902, S. 110).

Ein einfacher Kreuzpar 1 ikel von
Silber, mit vergoldeten Strahlen in den
Kreuzwinkeln, trägt das Beschanzeichen von

Hall; eine Hand, daneben den Buchstaben
W oder M. Ein Goldschmied mit diesem
Namensanfang bringt Nosenberg l. c. unter
den Haller Goldschnlieden nicht.

Zwei silberne Meßkännchen mit
Lavaboteller stammen ebenfalls noch
aus der Zeit des adeligen Chorherrnstifts,
und zwar ans der Zeit des Dekans Wil-
helm Ulrich von Guttenberg (ans fränki-
scbem Adel 1695 — 1736, j 5. Mai), dessen
Wappen: eine fünfblättrige Rose, sowie
das von Komburg in der Mitte des Län-
genrandes des Tellers sich befindet. Ans
der Rückseite desselben ist wieder das
Guttenbergsche Dekanswappen (komponiert
mit dem von Komburg) eingraviert. Als
Meisterzeicheu tragen Teller und Kännchen
die Buchstaben I E und als Beschauzeichen
eine Insul mit je einem kleinen Kreuz
über beiden Spitzen, ein Zeichen, dessen
Erklärung wir bei Rosenberg I. c. leider
nicht finden kannten. Somit können wir
den Entstehnngsort von Teller und Känn-
chen nicht nennen.

Fügen wir noch die Beschauzeichen
unserer heimatlichen Städte mit früheren
Goldarbeitern an: S ch w ä b. G m ü u d:
Rechtsspringendes Roß. S ch w ä b. Hall:
Hand, meistens mit Kreuz darin oder
darunter. H e i l b r o n n: Adler. L u d-
w igsburg: Fahne mit Adler darauf.

Literatur.

Klassiker der K u n st in Gesamtausgaben.
Bd.VlII Nembrandt, des Meisters Nadie-
rungen in 402 Abbildungen. Heransge-
geben von H. Wolfg. Singer. Preis aebd.
8 M.

Anläßlich der seinerzeitigen Besprechung des
zweiten Bandes der „Klassiker der Kunst", der
Rembrandts Gemälde in 565 Abbildungen ent-
hält, erlaubte sich Referent, in diesen Spalten an
die rührige, opferwillige Deutsche Berlagsanstatt
mit der Anregung herauzutreten, es möchten uns
in einem späteren Baude auch desselben Meisters
Radierungen geboten werden. Ist doch Rem-
brandt unstreitig der erste Radierer aller Zeiten
und spricht sich gerade in seineni radierten Werk
seine oft seltsam anmutende Eigenart, aber auch
seine einzigartige Größe noch deutlicher ans als
in seinen Gemälden. Nunmehr liegen uns diese
Radierungen Neinbrandts in einem stattlichen und
doch verhältnismäßig sehr billigen Bande von
402 durchweg trefflichen Abbildungen vor. Es
ist ein unvergleichlicher Hochgenuß, dieseni „Magus
des Nordens" unter den bildenden Künstlern in
sein geistiges Wunderland zu folge», über das
oft derbe, scheinbar nüchterne „Platt" seiner For-
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