Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 24.1906

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Herausgegeben und redigiert von Pfarrer Detzcl i>i St. Lhristina-Raveiisburg.

Verlag des Rottcuburger Viözcsaii-Aiiiistvereins;
Koiiunissiousvcrlaa von Friedrich Alber in Ravensburg.

. Jährlich 12 Nnunner». Preis durch die Post halbjährlich M. 2.05 ohne

,:||2{'. IT» Bestellgeld. Durch den Buchhandel sowie direkt von der Verlagshandlung IQOO.
" Friedrich Alber in Ravensburg pro Jahr M. 4.10. '

Hrühgotische Dekorationsmalereien
in der DIartinskirche zu Ebingen.

Von Stadtpfarrverw. Alb. Pfeffer
i>i Balingen.

Von Jahr zu Jahr mehren sich die
Funde mittelalterlicher Wandmalereien.
Sie verdienen hohe Beachtung, da sie be-
scheidene Reste sind einer künstlerisch hoch
stehenden Kultur. Jedes Bild, das von
der Tünche befreit seine Anferstehung
feiert, ist erwünscht als neuer Zeuge, der
unsere Kenntnis vom Aussehen der mittel-
alterlichen Gotteshäuser erweitern und
vertiefen kann. Immer noch fehlt eine
znsammenfassende Darstellung der in
Württemberg gefundenen Wandmalereien.
Die mittelalterlichen Wandgemälde der
Rheinlande haben kürzlich eine glänzende
Publikation gefunden (Paul Cleilien, die
romanischen Wandmalereien der Rhein-
lande, Düsseldorf, Schwann, 1905', wäh-
rend die badischen Monumente von Max
Wingenroth übersichtlich dargestellt worden
sind (Zeitschrift für Geschichte des Ober-
rheins, N. F. XX (1905) 293—309 ;
428—461). Die mittelalterliche Monu-
mentalmalerei der Schweiz wurde neuestens
znsammengestellt von Konrad Escher in
„Untersuchungen zur Geschichte der Wand-
nnd Deckenmalerei in der Schweiz vom
9. bis zilin Anfang des 16. Jahrhunderts".
(Straßburg, Heitz, 1906.)

Den bedeutenderen Werken mittelalter-
licher Malerei in Württemberg reiht sich
die dekorative Ausstattung der Mar-
tinskirche in Ebingen, OA. Balingen,
an, die im Sommer 1905 bei Gelegen-
heit des Abbruchs der Kirche zu Tage

trat. Die Bedeutung des Fundes liegt
in der Fülle von dekorativen Malereien,
von welchen wir ans älterer Zeit nicht
zu viele besitzen.

Ursprünglich mar die St. Märtinskirche
eine dreischiffige Basilika, in den herben,
ernsten Formen der frühesten Gotik, etwa
ums Jahr 1250 gebaut, während der
Chor um einige Jahrzehnte jünger ist.
Das Material ist Tuffstein, der in der
llmgebnng mehrfach vorkommt und schon
bei dem alten Bnrgfelder Kirchlein in
Verwendung kam. Das poröse Material
läßt keine reichere sknlptnrelle Gestaltung
zu. Daraus erklären sich die überaus
primitiven, kelchartigen Kapitelle über den
wuchtigen Rnndsäulen, welche die spitz-
bogigen Mittelschiffarkaden tragen. Der
Uebergang zu den Arkadenbogen ist durch
eine glatte achteckige Platte gewonnen.
Bei dein Mangel aller Skulpturen war eine
umso reichere Bemalung erforderlich, und
zweifelsohne ist eine Bemalung von An-
fang an vom Baumeister vorgesehen
worden.

Die Kapitelle erhielten eine einfache
Bemalung : braune Kreise, Linien, Zahn-
schnitte ans weißgelbenl Ton, den auch die
Säulen ohne jegliche Zeichnung aufweisen.
Umso reicher wurden die Leibungen der
fünf Arkadenbogen behandelt. Da schwelgt
der Maler noch einmal in der reichen,
üppigen Ornamentik der romanischen Zeit,
aber noch mehr Behagen bereiten ihm
die neuen naturalistischen Formen, welche
zu Beginn der Gotik aufkommen. Ans
einem reichen Formengedächtnis kann er
schöpfe» ; Schablonen kennt er nicht. Keck
‘ und frisch wirft er die Ornamente auf
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