Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 24.1906

Seite: 106
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In quel silenzio d’un eterno aspima.
Dove di Pietro i figli e di Lutero,
diene, stanchi di lotta, il cimitero.

(Eine neue Monstranz

aus dem Atelier des jungen strebsame»
Bibern eher Meisters E. Zieher bringt
das „Kunst-Archiv" heute in Abbildung.
Das Werk ist eine Stiftung des Pfarrers
Hau für Diepoldshofeu (Leutkirch), ist
ganz in Silber (mit Vergoldung) gear-
beitet (2550 Gramm schwer), hat eine
Höhe von 60 ein und eine größte Breite
von 30 ein und kommt im Preise auf
Bl. l 600 zu stehen.

Die Arbeit darf wohl als überaus
fleißig und sorgfältig, in ihrer Art als
tadellos bezeichnet werden; sie lobt ihren
Meister als einen die Technik vollständig
beherrschenden Fachmann. Natürlich ist
(mit Ausnahme der gegossenen und fein
nachgearbeiteten Figuren) alles Handarbeit,
zumeist Treibknnst, so der Fuß, der Knauf,
die sämtlichen Flachornamente der ganzen
Monstranz mit dem feinen, duftigen Vlatt-
nnd Rankenwerk n. s. w. Mit der Ver-
goldung wechselt die schimmernde Silber-
farbe der sämtlichen Figuren über und
neben dem Mittelranm des das mitt-
lere Spatium umgebenden reichen Kranzes
von Rebenlanb und Trauben. Der Fuß
hat sechs blaue Transparent-Emailplatten
mit Gravierung, der Knauf ist mit sog.
Almandin und mit Jaspis geschmückt;
ebenso trägt das Mittelstück ans der Gra-
vierung des äußeren Kreises Knöpfe von
Jaspis und Papis lazzuli; dessen innerer
Kreis hat blauen Emailgrnnd, was zu
dem Silberkranz trefflich stimmt; nur
schade, daß der letztere etwas zu reich
und üppig gehalten ist, so daß das
glänzende Silberweiß den Hintergrund
zu stark dominiert. Unter, über und
neben den beiden Seitennischen (mit
den Figuren des hl. Joseph und des
hl. Johannes d. T.) sind Amethysten in
feiner Fassung als Anhänger angebracht;
der sog. EselSrücken, der die oberste Partie
abschließt, ist mit aus Goldblättern her-
ausquellenden Malachitkngeln geschmückt;
außerdem sind die dortigen Ornamente
mit sog. Granatschalen, Papis lazzuli
und Amethysten — so namentlich auch
das Kreuz — versehen. Das ist ei»

reicher, aber nicht aufdringlicher Wechsel
von Gold, Silber und andern Farben,
der noch erhöht wird durch den weiteren
Wechsel von Matt und Glanz in den
Metallpartieen.

Sehen wir uns nun das Ganze der
Monstranz an, so haben wir zunächst in
demselben die Verbindung des Kreisrundes
für die Exposition mit der gotischen Archi-
tektur der Monstranz. Aus guten Grün-
den wird seit geraumer Zeit an der Lö-
sung dieser Aufgabe gearbeitet; die Kreis-
sorm für den Thronus ist zweifellos für
die Monstranz des Sanklissimums das
richtige; die Zylinderform der alten goti-
schen Monstranzen erinnert eben doch mehr
an bloße Relignien-Ostensorien. Wir haben
seinerzeit auf die große Schwierigkeit hin-
gewiesen (bei der Besprechung der Hugger-
schen romanischen Prachtmonstranz für die
St. Nikolanskirche in Stuttgart), welche
sich einer organischen Verbindung der beiden
stilistisch heterogenen Formen entgegenstellt,
und haben dabei hingewiesen auf die
meistens völlig verunglückten Versuche,
eine gotische „Sonnenmonstranz", um eS
kurz zu sagen, zu konstruieren. Dabei
hatten wir jene Monstranzen im Auge,
bei welchen der streng gotischen Architektur
einfach ein mächtiges Kreisrund mit ent-
sprechendem Ornamenlenkranze auf- und
vorgesetzt wurde, ohne daß die ge-
ringste konstruktive logische Verbindung
zwischen den beiden vorhanden war —
Monstranzen, wie sie noch in jedem
neueren Kataloge der Lieferanten in vor-
derster Reihe prangen.

Die neue Monstranz für Diepoldshofeu
bietet aber nun einen Aufriß, den wir — von
Einzelheiten abgesehen — als die Lö s n n g
der schwierigen Frage in miee bezeichnen
möchten. Und zwar ist die Sache — wie
die meisten wirklich treffenden Gedanken
— höchst einfach. Anstatt des bloßen,
puren Kreisrundes für den Expositions-
ranm, der bisher genommen wurde, hat
der Meister, welcher das Werk entworfen
hat, das Quadrat gewählt als Träger
der Kreisfvrm; dadurch hat er einerseits
die Schrankform und anderseits die ab-
solut notwendigen Horizontal- und Vertikal-
linien gewonnen; das Mittelstück seiner
Monstranz ist nun ein Viereck, und
mit diesem zu arbeiten, ist für die Gotik
selbstverständlich. Der Exposilionskasten
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