Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 24.1906

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Kurtz aber solle bei) seiner Ankunfft ge-
bührend deprecieren, uub sie Hern
S ch ineltzer vor ehrliche Leulhe erkleren.
Am 19. Angnst 1728 wurde dem Glocken-
giesser Christoph Schmeltzler (sie!) von
Biberach ein Atlestat ertheilt, daß er statt
der alten in anno 1726 im Brande ver-
schmoltzenen Glocken wiever neue in die
hiesige Stadtkircke gegossen (hat) und zwar
ein Glocken von 56 Centner, die zweite
von 34 Centner, die dritte zu 23 Centner,
die vierte zu 13 Centner, die suenfte zu
3 Centner, die sechste zu Vß Centner.
An der großen sogenanten Bettglocke stehet
folgende Umschrift:

Ach! Herr laß die Glocken
uns stets zur Bueß locken!

Ach Dein Wort laß schallen,
biß die Welt wird fallen
in die letzte Flamm,

Jesu Gottes Lamm!

Laß dieser Glocken Schall, Herr,
in die Herzen dringen,

Damit Gebet und Bnß uns
deine Gnad rnoeg bringen.

Diese Glocke zeigt in gegossener Um-
schrift die Zeit des Kirchenbrandes und
des Gusses und den Namen des Gießers:
Johann Georg Schmelz von Biberach.
Am 21. Februar 1728 war die Eilfe-
Glocke, am 22. März die größte, die Bet-
glocke, nriter Frendentrnnen der Zuschauer
an ihre Stelle gebracht worden, dann folgten
die andern Glocken. Am 25. Mai 1728
wurde bei einer Beerdigung zuerst wieder
mit allen Glocken geläutet?) Die Werke
des Oberländer Gießers machen ihrem
Meister Ehre durch schönen Klang und
Dauerhaftigkeit des Gusses.

Eine neue Monstranz.

(Schluß.)

Wir sind nun auf die Frage gekommen:
welches ist das künstlerische Endurteil über
diese Monstranz?

Das ist zum Teil bereits gesagt. Das
Werk bietet zum erstenmale eine künstle-
rische Lösung des Problems einer organi-
schen Verbindung der Kreisform der Ex-
position mit dem gotischen Aufbau der
ganzen Monstranz. Das ist ein bleiben-
der Erfolg, mag man dann in der Be-

J) Gayler, Denkwürdigkeiten S. 301.

Handlung der übrigen Teile mit denr
Meister dieses Werkes gehen, oder mag
man daran festhalten, daß für wirklich
gotische Monstranzen, entsprechend den
historischen Tatsachen, der architektonische
Grundriß und Aufbau bleiben müsse.
Unseres Erachtens läßt sich auch nach diesenr
letzteren Grundsatz ein einheitliches Ganzes
Herstellen, ja, es gibt gerade für die ent-
sprechende architektonische Einkleidung und
Umrahmung des Mittelquadrats mit der
Kreisform neue Aufgaben und gewiß neue
Lösungen. Ob man nun nach der alten,
strengen architektonischen, oder nach der
mehr modernen, sagen wir: mehr maleri-
schen Weise das Kreisrund im Quadrat
gotisch umspinnt: in jedem Fall muß
der Meister selbständig arbeiten, selbstän-
dig denken, probieren, zeichnen und ent-
werfen. Und das ist die zweite Errungen-
schaft. Dem Zeichner dieses Werkes aber
können wir, wenn wir auch nicht mit
allem einverstanden sind, nur dazu gratu-
lieren, daß er frisch und frei vorgegangen
ist und, anstatt die alten Kadenzen zu
wiederholen, auch einmal eine eigene Melo-
die — im Nahmen der alten Kunst —
uns vorgetragen hat.

Was nun speziell die vorliegende Arbeit
betrifft, so haben wir zum Abschluß noch
einiges anznführen. Zunächst das Ver-
hältnis der Breite zur Höhe; da erhält
man sofort den Eindruck: die Monstranz
ist zu breit. Der Fuß, vor allem dessen
Hälfte über dem Knauf, erscheint etwas
kurz, der Uebergang zum Korpus der Mon-
stranz zu wenig vermittelt, und auch der
Aufsatz oben ist im Verhältnis zur Höhe
etwas sehr in die Breite geraten. Bei
dieser Kritik der Verhältnisse spielt aller-
dings zuerst die bisherige Anschauung und
Gewohnheit des architektonischen
Aufbaues der gotischen Monstranzen mit;
ans den veränderten Charakter der ganzen
Anlage als eines Flächenwerkes läßt sich
dieser Maßstab aber nicht mehr ohne wei-
teres anwenden und man wird zugeben
müssen, daß etwas mehr in die Breite
gegangen werden darf. Allerdings wird
uns das als notwendig erscheinen, daß
der Mittelpunkt der Monstranz mit der
Lunula etwas höher zu stehen kommt, als
in dem ausgeführten Werke. Der obere,
das Viereck krönende Teil muß irgendwie
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