Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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Schölt als junger Theologe wandte er
sich dem Studium der christlichen Kunst
zu: Gott zu erkennen und zu lieben als
den Inbegriff und Quell aller Wahrheit,
Heiligkeit und Schönheit in ernster wissen-
schaftlicher Arbeit, in sittenreiuem, from-
mem Leben und in verständnisvollem Ein-
dringen in die Gesetze des Schönen: diese
Trias erschien ihm schon damals als daS
Ideal eines theologischen Studiums.

Die Bewegung, welche seit der Milte
des vorigen Jahrhunderts unter der ver-
ständnisvollen Leitung von Pfarrer Laib
und Prälat Dr. Schwarz zur Förderung
des Kunstverständnisses, zur Herstellung und
würdigen Ausstattung der Gotteshäuser in
unserer Diözese einsetzte und im „Kircheu-
schmuck" eilt überaus wertvolles Organ
che saß, fand an Detzel sofort einen ver-
ständnisvollen Förderer.

Zu bem 1880 resuszitierten Diözesau-
knnstverein trat er alsbald in engere Be-
ziehungen. Seit mehr als 20 Jahren
gehörte er dem Ausschuß des Vereins an
und wurde 1894 nach dem Abgang des
damaligen Professors Keppler nach Frei-
burg auf 1. Januar 1895 zum Vorstand
des Vereins erwählt.

Das „Archiv für christliche Knust", das
1883 neu begründet wurde an Stelle des
eiugegaugeueu „K i r ch c n s ch m n ck", ent-
hält schon in seinen ersten Jahrgängen
Beiträge über Glasmalerei, ihre Technik,
ihre Geschichte und solche über eine Reihe
ikonographischer und kuusthistorischer The-
mate, und seit der Verstorbene selbst Re-
dakteur des „Archivs" geworden war
(1. Januar 1897), ging kein Jahrgang
in die Hände der Abonnenten, der nicht
irgend einen größeren Beitrag ans seiner
Feder enthalten hätte, in dem er nicht
seine reichen praktischen Erfahrungen, die
Frucht zahlreicher zum Zwecke von Be-
gutachtungen unternommener Studien nie-
dergelegt hätte; gerne ließ man sich unter
seiner sachkundigen Führung durch die
zahlreichen nenerbanten und restaurierten
.Kirchen führen, au deren Entstehung er
durch verständnisvolles Urteil mitgewirkt
hatte,

Neben diesen schriftstellerischen Arbeiten,
welche einzelne Spezialthemate der christ-
lichen Knust betrafen, und die er in den
verschiedensten Zeitschriften veröffentlichte

(so in den „Würtlembergischen Viertel-
jahrshesten", in der „Theologischen Qnar-
talschrist", in der „Alten und neuen Welt"
u. s. f.), gingen auch selbständig und zu-
sammenfassende Publikationen einher. Es
seien nur kurz die drei wichtigsten der-
selben genannt. Eine Kunstreise ins Fran-
keulaud mit seinem reichen Bestand au
mittelalterlichen Knustschätzen zeitigte den
Entschluß, die Aufmerksamkeit auf diese
zu lenken und in unterhaltender und be-
lehrender Weise zugleich dieses Knust-
material vorzuführen. Detzel verfaßte zu
diesem Zweck als Bestandteil der „Katho-
lischen Studien" (IV Bd., 11/12 Heft)
„Eine Kunstreise durch das Frau-
kenland". Würzburg (Wörl) 1885.

In Fortsetzung seiner („Archiv f. chr.
Knust" 1884) veröffentlichten Studien über
„Die kirchliche Glasmalerei", ihrerTechnik,
Geschichte, künstlerischen Behandlung gab
Detzel sein Werk über „G la s m a ler ei en
am Bodeusee", Lindau 1881, heraus.

Sein Haupt- und Lebeuswerk aber,
das er — ich möchte sagen mit kühnem,
ja jugendlichem Wagemut — in Angriff
nahm, und mit der bewundernswertesten
Ausdauer durchsührte, das Werk, das auch
seinen Namen in die weitesten Kreise trug,
war „Die ch r i st l i ch e I k o n o g r a p h i e.
Ein H a u d b n ch z u m ° V e r st ä n d u i s
der christlichen Kunst" in zwei Bän-
den. Freiburg (Herder), 1894—1896.

Er stellte sich darin in einen gewissen
Gegensatz zu den früher erschienenen Ikono-
graphien von Radow itz (1834), HelmS-
j dörfer(1839),Alt(1845), Hack(1856)
und Wessely (1874), insofern diese zu-
meist nur alphabetische Verzeichnisse von
1 Heiligen und ihren Attributen waren,

' jedenfalls die Entwicklung der Darstel-
luugStypen nur unvollkommen oder gar
nicht berücksichtigleu. Aber auch Portig
gegenüber, dem der religiöse Gehalt der
katholischen christlichen.Kunst ein spanisches
Dorf geblieben war, konnte und mußte
Besseres und Würdigeres au die Seite
gesetzt werden. Detzel versuchte es, indem
er sich als Ziel vorsteckte, in seiner Ikono-
graphie „eine Art Kunstgeschichte zu geben,

! aber eine von den sonstigen Werken dieses
Namens abweichende. Das Einteilungs-
prinzip derselben soll nicht von den ver-
! schiedenen Schulen und Meistern herge-
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