Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 25.1907

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Heiligen dient, ist nur Eines zulässig:
das wahrhaft Schöne, das ästhetisch Nich-
tige. Nie ist der Hinweis unterblieben
in nnserem Organ, daß der Künstler, ins-
besondere der Architekt, der Plastiker, der
Maler das Unendliche, das Ewige, das
Göttlich-Erhabene in körperlicher Gestalt,
in raumzeitlichen Formen aussprechen
und würdig zur Darstellung bringen soll
im Anschluß an die bindenden liturgischen
Vorschriften, an die tiefe und glaubens-
innige Symbolik unserer Kirche, im An-
schluß an die heilige Mystik der Liturgie,
die in dem geheimnisvollen Opfer ans
dem Altäre ihre höchsten Höhen ersteigt
und in den liturgischen Gebeten und
Lesungen auch für den Maler und Plastiker
von heute eine Quelle reicher, erhabener
und fruchtbarer Inspirationen sein könnte
ebenso sehr, als sie es für den Prediger
ist und sein soll.

Unsere Zeitschrift ist stets dafür ein-
getretcn, daß in der kirchlichen Kunst das
Recht und das Gesetz der Kirche als der
berufenen Hüterin der Ehre Gottes ebenso
respektiert werden müsse, als auch das
Recht des Künstlers auf seine Freiheit,
wo Fragen der Technik, der praktischen
Durchführung und der Form der Kon-
zipierung zur Diskussion stehen.

In der Ueberzeugung, daß die große
künstlerische Vergangenheit die beste Lehr-
meisterin und die sicherste Führerin für
die Zukunft ist, daß wir an den großen
Vorbildern der Vergangenheit uns zur
Selbständigkeit heranschulen sollen, um
aus ihrem Geiste heraus mit den Mitteln
moderner Technik neu schaffen zu lernen,
wurde stets ein hoher Wert auf die Kennt-
nis der Geschichte der christlichen Kunst
gelegt, sowohl der allgemeinen, als auch
der unseres engeren Heimatlandes, das
so manche Perle der Kunst enthält, so
manch ein Denkmal frommer Vätersitte,
so manch ein steinern Zeugnis dafür, daß
unsere schwäbischen Vorfahren vom Eifer
für das Haus Gottes verzehrt wurden. *)
(Schluß folgt.)

’) In all diesen Arbeiten der früheren Jahr-
gänge haben wir einen stattlichen, ivahrhaft gol-
denen Reichtum an belehrenden und auch in
vielen Fragen selbständig weitorfiihrendein Ma-
terial. Es soll daher zur leichteren
A u f f i n d u n g und Be n ü tz u n g de in
2 Ti. Jahrgang a t s Suppte in ent ein

Frühgotische Wandmalereien in der
ehemaligen Rapelle zu Alünzdorf,
GA. Alünsingen (Württemberg).

Bon Prof. Dr. Engen (Stab mann, Stuttgart.

Ans der Höhe rechts vom Münsinger
Lautertal, westlich bei der Burg Derneck,
liegt M ü n z d o r f, Filial der Pfarrei
Jndelhausen, früher der Pfarrei Hayingen.
Das Dorf, dessen alter Name Muntsdorf
lautet, gehörte zil der Herrschaft Gundel-
singen, deren Erben die Grafen von Helfen-
steiu und nach diesen die heutigen Fürsten
von Fürstenberg geworden sind. Es er-
freut den Besucher durch den Anblick
einiger stattlicher und altertümlicher Bauern-
häuser. Im Dorf steht auch die alte
Kapelle zum hl. Bernhard, die erst seit
ihrer Profanation unter den Altertums-
freunden zu Ehren gekommen ist. Im
Kepplerscheu Inventar fehlt sie; auch die
Oberamtsbeschreibung nennt sie nicht. Durch
den Bau einer neuen größeren Kapelle vor
dem Dorf entbehrlich geworden, soll sie
an eine Molkereigenossenschaft verkauft
werden. Das Landeskouservatorium ist
leider nicht in der Lage, sie diesem pro-
fanen Zweck zu entziehen. Ihre knnst-
archäologische Bedeutung ist doch nicht so
groß, daß der Ankauf und die dauernde
Erhaltung aus Staatsmitteln gefordert
werden dürfte. Wenn die Kirchenstiftnng
das Gebäude behalten oder die Gemeinde
es erworben hätte, würde wohl die Kon-
servierung der Wandgemälde aus Staats-
Mitteln des Konservatoriums erfolgt sein.
So hat der Konservator weiligsteus die
Aufdeckung und Aufnahme der Bilder
besorgen können, wobei ihm das kalholijche
Pfarramt und der Kirchenstiftungsrat in
jeder Weise entgegengekommen sind. Das
Anfdecken und Abpansen verrichtete Kirchen-
maler Konr. Alb. Koch von Ulm, der
dann auch ans Grund der photographisch
verkleinerten Pausen eine Farbenkopie an-
gefertigt hat.

Die Kapelle ist ein kleiner, gotischer
Bau von größter Einfachheit, ein ge-
ostetes Viereck, ursprünglich wohl mit
lauter kleinen Spitzbogenfenstern, die aber
alle nachträglich erweitert sind. An der
Südseite nahe bei der Westwand eine

Ge ne r a l r egi st e r zu Band I—XXV b ei-
gegeben w erden.
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